Die Morde von Hinterkaifeck sind bis heute unaufgeklärt und gelten als eines der grausamsten Verbrechen der deutschen Kriminalgeschichte. Jetzt wird der sechsfache Mord aufgearbeitet - im Bauernhofmuseum Jexhof.
Es ist 18 Uhr, zwei Gendarmen kommen mit dem Radl zum Einödhof Hinterkaifeck bei Schrobenhausen. Schaulustige stehen vor dem Haus und dem Stall. Die Polizei findet vier Erwachsene und zwei Kinder. Sie sind in der Nacht auf den 1. April 1922 erschlagen worden.
Eine Ausstellung im Bauernhofmuseum Jexhof arbeitet die Morde von Hinterkaifeck auf. (© Foto: Reger)
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Das bis heute unaufgeklärte Verbrechen gilt als eines der grausamsten in der deutschen Kriminalgeschichte. Die Autorin Andrea Maria Schenkel hat sich von Hinterkaifeck zu ihrem Krimi-Bestseller "Tannöd" motivieren lassen. Jetzt wird der sechsfache Mord sogar museal aufgearbeitet: Das Bauernhofmuseum Jexhof in Schöngeising bei Fürstenfeldbruck hat eine Ausstellung über das Verbrechen konzipiert.
Es riecht nach Heu, wenn man den Ausstellungsraum betritt. In der Mitte liegen zwei große Ballen, an den Wänden ist hinter milchigen Plexiglasscheiben eine dicke Schicht mit getrocknetem Gras aufgebaut. Die Szenerie gibt Hinweise auf den Tatort: Der oder die Täter hatten die Ermordeten mit Heu zugedeckt. Daraus ragen in der Ausstellung ein Betttuch, ein Taschenmesser, ein Schlüssel und ein Abreißkalender - Gegenstände, die bei den Leichen entdeckt wurden. Das grausame Verbrechen wird im Jexhof mit sparsamen Mitteln angedeutet.
Massiv wirken dagegen die historischen Schriftstücke zu Hinterkaifeck, die erst im vergangenen Jahr um ein aktuelles ergänzt wurden: eine 200 Seiten umfassende Projektarbeit der Bayerischen Fachhochschule der Polizei in Fürstenfeldbruck. Dozenten und Studenten haben den Fall erneut aufgerollt und die Ergebnisse in einer Dokumentation festgehalten. Sie ist das Herzstück der Jexhof-Schau und kann in Auszügen auf riesigen weißen Flipcharts nachgelesen werden.
86 Jahre nach dem Blutbad in Hinterkaifeck sind sich die Fürstenfeldbrucker Kriminalbeamten einig: Bei dem Verbrechen handelt es sich nicht um einen Raubmord, sondern um eine Beziehungstat. Der Täter muss aus dem Umfeld der Mordopfer gekommen sein. Michaela Forderberg-Zankl und Wolfgang Reitmeyer, Mitverfasser der Dokumentation, erklären dazu: "Das Vieh auf dem Einödhof ist drei oder vier Tage vom Täter gefüttert worden - erst dann wurde das Verbrechen entdeckt."
Streng vertraulich
Die Ermittlungen im Fall Hinterkaifeck wurden 1955 eingestellt, die letzten Akten 1986 geschlossen. Die neue Ermittlungsarbeit der Brucker Fachhochschule gestaltete sich schwierig - schließlich sind 105 Pfund Asservaten 1944 beim Bombenangriff auf Augsburg verbrannt. Wer das Verbrechen auf dem Einödhof begangen hat, können und wollen Forderberg-Zankl und Reitmeyer nicht verraten - die Dokumentation gilt als "vertrauliche Verschlusssache nur für den Dienstgebrauch". Schon die ermittlungstechnischen Ansätze seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.
Nicht ganz so geheimnisvoll nimmt sich da die Ausstellung im Jexhof aus. Wichtiges Indiz ist dabei das Heu, dessen Duft nicht nur die Museumsbesucher betört, sondern wohl auch die Bauern von Hinterkaifeck eingeladen hat - zu inzestuösen Beziehungen. Auf einer Ausstellungswand ist denn auch eine "Inaugural-Dissertation" aus dem Jahr 1929 sowie eine "kriminologische Untersuchung" abgebildet. Beide Schriften widmen sich einem Thema: der Blutschande. Ina Kuegler
"Die Morde von Hinterkaifeck - ein Fall für die Polizei-Fachhochschule Fürstenfeldbruck" im Jexhof Bauernhofmuseum, Schöngeising bei Fürstenfeldbruck. Geöffnet täglich außer montags von 13 bis 17 Uhr.
(SZ vom 16.05.2008/bica)
67. Jahrestag der Bombardierung
Die neueste Antwort
... ob die Damen und Herren nach mehr als 80 Jahren noch etwas Verwertbares zur Aufklärung des Falles finden werden.
"die Dokumentation gilt als 'vertrauliche Verschlusssache nur für den Dienstgebrauch'. Schon die ermittlungstechnischen Ansätze seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt" so oder so ähnlich argumentiere ich auch immer, wenn ich tatsächlich nichts an Fakten in Händen halte.