Schlägerei in Passau 15-Jähriger ist an eigenem Blut erstickt

Blick in die Passauer Fußgängerpassage, wo bei einer Schlägerei ein 15-Jähriger getötet wurde.

(Foto: dpa)
  • Nach einer Schlägerei in der Passauer Innenstadt ist ein 15-Jähriger gestorben.
  • Die Obduktion ergab, dass der Jugendliche erstickt ist.
  • Gegen mehrere Tatverdächtige wurden Haftbefehle und ein Unterbringungsbefehl erlassen.
Von Andreas Glas und Elisa Britzelmeier

Sie waren verabredet, am Montagabend, vermutlich um 18 Uhr. Der Treffpunkt: eine Fußgängerunterführung mitten in Passau. Es gab wohl etwas zu klären zwischen den zwei Jugendlichen, beide 15 Jahre alt. Worum es dabei ging, weiß die Polizei noch nicht. Nur eines ist Gewissheit: Gegen 18.10 Uhr liegt einer der beiden Kontrahenten bewusstlos am Boden. Und stirbt. Und eine ganze Stadt fragt sich, wie das passieren konnte.

Als am Dienstag um die Mittagszeit die ersten Meldungen im Netz auftauchen, ist mal von einer "Massenschlägerei" die Rede und mal davon, dass 20 Leute einfach zugeschaut hätten, wie ein 15-Jähriger stirbt. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Was auch immer die beiden austragen wollten, sagt Walter Feiler, sie wollten die Sache unter sich ausmachen, "in einer Eins-zu-eins-Situation", davon geht der Passauer Oberstaatsanwalt aus. Warum sich in der Unterführung dann plötzlich doch 20 Personen gegenüberstanden, ist unklar. Hatten die zwei Kontrahenten Verstärkung mitgebracht? Hatten sie gar ein Publikum für eine geplante Schlägerei geladen?

Wahrscheinlich sei, dass sich die Gruppen "untereinander kannten", zunächst aber nur die beiden 15-Jährigen aufeinander losgingen. Erst mit Worten, dann mit Fäusten - und irgendwann "haben sich dann andere eingemischt", sagt Staatsanwalt Feiler. Statt eins gegen eins hieß es plötzlich fünf gegen eins, davon gehen die Ermittler derzeit aus.

Haben sich Zuschauer der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht?

Eine Passantin bemerkte die Schlägerei und rief die Polizei. Als die Beamten eintrafen, lag der 15-Jährige bereits am Boden und es "entfernte sich ein Großteil der Beteiligten", wie es in der Polizeimitteilung heißt. Während Notärzte versuchten, ihn wiederzubeleben, fahndeten Polizisten nach Tatverdächtigen und Zeugen der Schlägerei.

Die Obduktion ergibt später: Der 15-Jährige ist an seinem eigenen Blut erstickt. Dass er durch eine Vorerkrankung gestorben sein könnte, schließen Polizei und Staatsanwaltschaft inzwischen aus. Er habe Faustschläge gegen Kopf und Oberkörper erlitten und sei in den Schwitzkasten genommen worden, sagt Feiler.

Die Beamten konnten fünf Personen festnehmen, ein weiterer junger Mann stellte sich in der Nacht zum Dienstag in der Passauer Polizeiinspektion. Sie sind zwischen 14 und 25 Jahre alt. Vier von ihnen müssen nun in Untersuchungshaft, der 14-Jährige wurde in eine Anstalt zur Vermeidung der Untersuchungshaft eingeliefert. Ermittelt wird wegen Körperverletzung mit Todesfolge.

Die Ermittler versuchen derweil, den Anlass der Schlägerei herauszufinden. Sie fahnden dafür nach weiteren Zeugen und möglichen Tatverdächtigen. Hinweise nimmt die Kriminalpolizei unter 0851/ 95110 entgegen. Die fünf Tatverdächtigen hätten sich bisher nicht näher zur Tat geäußert, sagt Feiler.

Zudem wird geprüft, ob sich die Zuschauer der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht oder die Schlägerei "durch ermunternde Zurufe" angefeuert haben. Dass sich Jugendliche gezielt zu einer Schlägerei verabreden, sei ihm aus Passau bislang nicht bekannt, sagt Oberstaatsanwalt Feiler. "Es ist das erste Mal, dass wir so einen Fall haben."

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