Buch über die AfD Ein Bestseller mit weißen Seiten

Ein Verlag für theologische Literatur sucht nach dem Christlichen in der AfD. Gefunden hat er nichts - und genau daraus ein Buch gemacht.

Von Jasmin Siebert, Würzburg

Ein himmelblaues Taschenbüchlein, darauf ein rotes Kreuz. "Christliches in der AfD", so lautet der Titel. "In diesem Band geht es speziell um die Frage nach dem Christlichen in der Partei Alternative für Deutschland mit für so manchen überraschenden Erkenntnissen", beschreibt ein Onlinehändler den Inhalt der vermeintlichen Werbebroschüre. Die Rezensenten vergeben fast alle fünf Sterne: "Aufs Wesentliche reduziert", heißt es da. Ein anderer lobt, dass sich das Buch an "mündige Leser mit der Fähigkeit zum eigenständigen Denken richtet". Es sei "sachlich, fair und leserfreundlich".

Der Echter-Verlag aus Würzburg, der auf theologische Literatur spezialisiert ist, wollte sich genauer mit den christlichen Seiten der AfD befassen. Gefunden hat er - nichts. Gedruckt wurde also ein Heftchen mit 32 Seiten, die alle so gut wie leer sind. Der Gag kommt gut an, die erste Auflage, erschienen am 5. März mit 1500 Stück für je 2,90 Euro, ist bereits vergriffen. Die zweite Auflage erscheint am Donnerstag.

Hat vergeblich nach christlichen Werten in der AfD gesucht: Thomas Häußner, Leiter des Echter Verlags.

(Foto: Echter Verlag)

Verlagsleiter Thomas Häußner ist ein Mann mit trockenem Humor, das merkt man schon am Telefon. Er spricht langsam und macht bedeutungsvolle Pausen, ehe er dann kurz auflacht. Die Idee hatte der Lektor Heribert Handwerk. Sein Chef war gleich begeistert. Er sieht die Sache als Satire, die auch eine ernste Seite hat. Er möchte den oft giftigen Parolen der AfD etwas Humorvolles entgegensetzen. Und so heißt es in dem Büchlein verteilt über die vielen leeren Seiten zum Christlichen in der AfD: "Wir haben recherchiert und haben herausgefunden: Da gibt's nichts, gar nichts. Sie können blättern, so viel Sie wollen: Es gibt nichts, wirklich nichts!"

Dass sie gegen Abtreibungen und gegen die Ehe für alle sind, das sei doch sehr christlich, sagt Volker Münz, kirchenpolitischer Sprecher der AfD. Er zeigt sich überrascht angesichts der "böswilligen Vorgehensweise" des Verlags. Zwar hält er das satirische Büchlein "für schlechten Stil", doch juristisch dagegen vorgehen, wie im ersten Zorn angekündigt, möchte er nicht. Stattdessen wünscht er sich "eine ehrliche Auseinandersetzung unter Christen".

Auch der Echter-Verlag ist offen für den Dialog. Im Buch fordert er Leser auf, christliche Standpunkte der AfD zu benennen. "Doch bis jetzt würde es nicht für ein weiteres Buch reichen", sagt Verlagsleiter Häußner und lacht schelmisch. Um die hundert Zuschriften und Anrufe habe er inzwischen erhalten, erzählt er. Die meisten seien Zuspruch und Lob gewesen, doch auch Geschimpfe von AfD-Anhängern sei darunter gewesen. "Die Kommentare waren erträglich", sagt er und lacht wieder, "keine Briefbomben, keine Todesdrohungen." Besonders amüsiert hätten ihn kreative Wortneuschöpfungen wie "grüngehirngeschissen".

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