Der Mann, der in Bayern Schwarz-Grün zumindest denkbar machte: Sogar CSUler sahen Sepp Daxenberg als Leitfigur, nun muss er die politische Karriere aufgeben.
München - Am Donnerstag steht Sepp Daxenberger im Landtag schon wieder am Rednerpult. Beifall brandet auf, er hat noch gar nichts gesagt. "Das ist mir fast peinlich", sagt er, "da verlier' ich ja meine Beißhemmung." Er meint natürlich das Gegenteil, die fraktionsübergreifende Sympathiewelle spült das hinweg. Gleich darauf schimpft er gegen die Agro-Gentechnik. Wie immer. Es ist eines seiner Lieblingsthemen.
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"Das bisserl Kraft brauch ich für mich selber": Sepp Daxenberger ist wegen seiner Krebserkrankung vom Fraktionsvorsitz der Grünen zurückgetreten. (© dpa)
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Am Vortag ist Sepp Daxenberger wegen seiner Krebserkrankung als Fraktionschef der Grünen zurückgetreten. Er hat das mit der gleichen, manchmal schockierenden Offenheit getan, mit der er seit seiner Erkrankung über den Krebs spricht. 2003 wurde bei ihm eine unheilbare Mischung aus Blut- und Knochenkrebs diagnostiziert, Morbus Kahler oder Plasmozytom genannt. Die Krankheit hat ihren Raubbau betrieben, aus dem kraftstrotzenden Schmied einen leicht gebeugten, schmalen Mann gemacht. Daxenberger spricht darüber, über Therapien, über Schmerzen. So, wie er halt ist, gradheraus und so deutlich, dass es den Zuhörer geradezu schockiert. Aufgegeben hat er nie.
Trotzdem. Die jüngste Therapie hat nicht so angeschlagen wie gehofft, die Krebswerte sind wieder gestiegen. "Das bisserl Kraft, das ich habe, brauche ich für mich selbst", sagt er als Begründung für seinen Rücktritt. Um seine Familie will er sich kümmern, um seine Frau, die auch krebskrank ist, selber einen Rückfall hatte, und um die drei Söhne, 19, 17 und zwölf Jahre alt.
Sepp Daxenberger ist ein Vollblutpolitiker, aber er ist auch deswegen so erfolgreich, weil er nicht wie ein solcher wirkt. Er spricht Dialekt, trägt niemals Krawatte und geht lieber zu Bauernversammlungen als auf schicke Empfänge. Authentisch ist er, das mögen die Menschen, Daxenberger ist der beliebteste Grünen-Politiker im Freistaat. "Ich bin einfach immer der Sepp geblieben", hat er mal über sich gesagt.
1982 ist er in die Partei eingetreten, damals galt er daheim in Waging noch als Revoluzzer, und der eine oder andere wechselte lieber die Straßenseite, wenn Daxenberger kam. Manche hätten ihn auch ein bisschen belächelt, erzählte seine Schwester mal, als der Sepp mit seiner gelben Latzhose nach Traunstein gefahren ist, um gegen das Waldsterben zu demonstrieren.
1990 zog er in den Landtag ein und blieb bis 1996, da wählten ihn die Waginger zu ihrem Bürgermeister - als ersten Grünen in Bayern. Zwölf Jahre lang regierte Daxenberger den oberbayerischen Markt, die Grünen wurden in seiner Zeit zur stärksten Fraktion im Gemeinderat.
"Seit Sepp Daxenberger haben die Leute keine Angst mehr vor den Grünen", sagt Dieter Janecek, der ihm 2008 als Landesvorsitzender nachfolgte. Daxenberger ist kein Grüner aus dem Klischee-Bilderbuch. Im Gegenteil: Er ist bei der Freiwilligen Feuerwehr, beim Sportverein, bei den Goaßlschnalzern. Und er geht regelmäßig in die Kirche. Als seine Partei 2008 beschließt, religiöse Symbole aus den Klassenzimmern zu verbannen, da nennt Daxenberger das "einen Scheißbeschluss".
2008 räumt er den Bürgermeistersessel in Waging, er will wieder in den Landtag. Die Grünen machen ihn zum alleinigen Spitzenkandidaten und brechen für Daxenberger mit ihrer Tradition einer gemischten Doppelspitze. Da ist Daxenberger schon krank, aber er will sich dem Krebs nicht beugen. "Ich zeige meinem Körper, dass ich keine Zeit habe für sowas", sagte er damals und kämpfte sich durch die 100 Wahlkampfauftritte im ganzen Land. Politik als Therapie, so hat er es immer gesehen. Daheim in Waging bewirtschaftet seine Frau zusammen mit Daxenbergers Eltern den 15 Hektar großen Biobauernhof, er kann die schwere Arbeit nicht mehr machen.
Die Partei geht das Risiko mit einem gesundheitlich angeschlagenen Spitzenkandidaten ein, aber mit Daxenbergers Popularität kann kein anderer mithalten. Die Landtagswahl wird zum Triumph für die Grünen, sie erreichen 9,4 Prozent, die CSU verliert die absolute Mehrheit.
Das Land Bayern nicht der CSU zu überlassen, das war immer Daxenbergers Mission. Weil er selbst der Beweis ist, dass ein heimatverbundener, wertkonservativer Bauer noch lange kein CSU-Mann sein muss, hat er großen Anteil daran, dass die Grünen nicht mehr nur in den Großstädten gewählt werden. Viele Bauern, lange klassisches CSU-Klientel, hegen Sympathien für Daxenberger, weil er für höhere Milchpreise und gegen die Gentechnik eintritt. Andererseits hat Daxenberger als einer der ersten über eine schwarz-grüne Koalition in Bayern gesprochen. Schnittmengen gebe es, auch wenn sich die CSU noch bewegen müsse, sagt er. Daxenberger will mitregieren, das hatte er immer betont.
Aber jetzt muss er erstmal auf sich selber schauen. Und die Grünen brauchen einen neuen Chef. Am Donnerstag ist Thomas Mütze, der grüne Haushaltsexperte, als Favorit im Gespräch. Er habe seine Kandidatur bereits erklärt, heißt es. Am Mittwoch soll gewählt werden.
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(SZ vom 11.06.2010/segi)
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wenn ich auch vollstes verständnis habe
alles gute an familie daxenberger!!!
zeigt schon, dass Daxenberger die grosse Volkstäuschungs- und Volksschädigungspartei CSU durchschaut hat und den Kampf nicht scheut. Aus meiner Sicht ist die CSU auf Heuchelei, Lüge und Täuschung spezialisiert und es kostet sehr viel Energie, CSUler transparent zu machen. Wenn CSUler allerdings transparent werden, wie z. B. beim 3.75 Mrd.-Schaden "HGAA-Kauf", sieht man schwerste gefährliche Unfähigkeit, absolute Verantwortungs- und Ahnungslosigkeit, Handeln in Ruhm- und Grossmannsucht und schliesslich feiges Fehlerverneinen und Davonlaufen und billigste Versuche sich ungestraft aus dem Staub zu machen.
Danach geht bei der strikt fehlerverneinenden und deshalb lernunfähigen CSU alles wieder von vorne los.
einfach nur Respekt vor einem Menschen, der sich von den anderen (Berufs-)Clowns in der Politik abhebt.
Mit großem Verständnis für die richtigen Prioritäten (Familie) wünsche ich der Famlie Daxenberger, dass sie ihre Belastungen gut übersteht.