Rottach-Egern in Oberbayern Im Tal der Millionäre

"Wir leben hier in einer total heilen Welt": Rottach-Egern am Tegernsee gehört zu den reichsten Gemeinden Deutschlands. Zu Besuch in der Stadt, in der ein russischer Oligarch sich einen Bunker in den Landsitz bauen lässt, in der jeder Bürger im Schnitt 37.535 Euro zum Ausgeben hat und in der ein ehemaliger Papst Mitglied der Gebirgsschützen ist.

Von Heiner Effern

Thomas Nägle hat sein Parkplatzproblem auf kreative Weise gelöst. Um den Audi, den Oldtimer aus Amerika und seine beiden Porsche in der Doppelgarage unterzubringen, hat er eigens Hebebühnen eingebaut. Auf denen kann er zwei seiner Wagen zentimetergenau nach oben fahren, damit die anderen darunter Platz finden. Fährt er das untere Auto heraus, kann er die Hebebühnen für sein Hobby - fürs Schrauben an den Flitzern - nutzen. Eine technisch gelungene Konstruktion, was nicht verwundert. Schließlich ist Nägle Vizepräsident des örtlichen Porsche-Clubs. Er habe auch Anfragen gehabt, ob er nicht Mitglied im Lions- oder im Golfclub werden wolle, sagt er, aber dafür fühle er sich noch zu jung.

Thomas Nägle ist einer, der sein Glück gefunden hat. Vor 15 Jahren kam er aus Bad Kissingen an den Tegernsee, um das Juweliergeschäft seines Onkels in Rottach-Egern zu übernehmen. Es läuft offensichtlich bestens und er fühlt sich heimisch. "Man muss sich einbringen, dann macht es richtig Spaß hier", sagt er. Politisch engagiert er sich bei den Freien Wählern. Und auch im First-Responder-Hilfsverein ist er aktiv, der sich für schnelle Rettung rund um den See einsetzt. "Es gib viele honorige Leute hier. Man weiß, wo man hingehen muss." Er habe Grund, dankbar zu sein. "Schön, wenn man in so einer Region lebt."

Die Landschaft zieht das Kapital an

In einem Ort wie Rottach-Egern, 5600 Einwohner, gelegen am südlichen Ende des Tegernsees. Die Kulisse bilden die Gipfel der bayerischen Voralpen, vor allem der Wallberg. Davor grüne, blühende Wiesen. Das türkise Wasser spiegelt den weiß-blauen Himmel. Der See hat hier an seinem Ende einen Arm offenbar besonders weit ausgestreckt, damit es noch mehr reizvolle Ufergrundstücke gibt. Mehr kann die Natur in diesen Breiten nicht bieten. "Unser Kapital ist unsere Landschaft", sagt Bürgermeister Franz Hafner (Freie Wähler).

Und die Landschaft zieht wiederum das Kapital an. Die Wittelsbacher ließen sich im früheren Kloster am Tegernsee nieder, es folgten viele Künstler wie Ludwig Thoma. Der Himmler-Adjutant Karl Wolff baute sich hier ein Haus. Später hatte in Rottach auch Ministerpräsident Franz Josef Strauß eine Bleibe.

Von ihm könnte wiederum der DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski den Tipp für ein Ruhestands-Domizil bekommen haben. Die Gorbatschows wohnen längst am Tegernsee, Metro-Gründer Otto Beisheim lebte bis zu seinem Tod hier. Und gerade soll sich der Oligarch Alisher Usmanow einrichten, heißt es im Ort.