Die Entführung des mittlerweile verhassten Anlageberaters James A. bereitete er nach Erkenntnissen der Polizei akribisch vor: Am 8. Juni fuhr Roland K. nach Speyer und fotografierte die Wohnung von James A. und auch einen möglichen Parkplatz für die Entführung. Er schnitt die Umzugskartons so zu, dass der Gefangene durch ein Fliegengitter atmen konnte. Zweiter Mann bei der Entführung sollte Wilhelm D. sein, der am 12. Juni aus Amerika einflog. Eine SMS stellte den Kontakt her, D. kam zur Besprechung an den Chiemsee und machte sofort mit. "Das zeigt schon, wie hilflos die sich gefühlt haben. Mein Mandant hat damals die Dimension und die rechtlichen Konsequenzen nicht erfasst", sagte D.s Anwalt Harald Baumgärtl.
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Die beiden Männer passten James A. am Dienstag, 16. Juni, abends vor seiner Wohnung ab und überwältigten ihn. Die Entführung klappte besser als die anschließende Fahrt. Nach 20 Minuten holten sie A. aus der Kiste. Wilhelm D. lockerte den Knebel. Als sich der Anlageberater bei der Weiterfahrt Knebel und Fessel im Kofferraum abnehmen konnte, schrie er laut um Hilfe.
Bei einem erneuten Stopp sprang er aus dem Kofferraum und ging mit einem Brecheisen auf die Entführer los. Die überwältigten ihn, und Roland K. verpasste A. solche Hiebe, dass zwei Rippen brachen.
Kochen für den Gefangenen
Auch in seinem Haus in Chieming hatte K. alles vorbereitet. Das Kellerfenster war mit Styropor isoliert und von außen vernagelt. Seine Frau kochte für den Gefangenen und wusch das blutige Hemd. Am Vormittag wurde das Ehepaar F. verständigt, dass "die Ware" eingetroffen sei. Am Nachmittag saßen die Entführer in der Garage in Hart im Halbkreis um James A. und stellen ihre Forderungen samt Zinsen: Das Ehepaar K. verlangte 2,4 Millionen Dollar, die F.s 350.000 und D. 690.000 Dollar. Rädelsführer K. soll ihn bei Zahlungsverweigerung mit dem Tod bedroht haben. In der Garage lag eine scharfe Pistole.
James A. sagte die Zahlung zu, gab aber an, dass sieben bis zehn Tage bis zum Eintreffen des Geldes vergehen könnten. Am nächsten Tag wurde A. gezwungen, verschiedene Schreiben und Faxe auszufüllen, die F. schon vorher entworfen hatte. Sein Anwalt Walter Lechner sagt: "Das ist ein Fall mit vielen Facetten. Man muss die Gerichtsverhandlung abwarten."
Als James A.s Treuhänder in der Schweiz nicht zu erreichen waren, machten die fünf nochmals Druck. Das war seine Chance: Als Anweisung notierte er auf ein Fax: "Sell Call Pol.ICE - bitte heute." Als der Treuhänder verständnislos zurückrief, bat A. ihn, das Ganze als ein Wort zu lesen. Das tat der Banker, alarmierte unter dem Pseudonym "Herr Zimmermann" die Polizei.
Da A. bereits in Speyer vermisst wurde und die Schweizer Bank die Faxkennung der Entführer hatte, ging es schnell: Am Samstagmorgen um vier Uhr früh sprengte ein Spezialkommando die Eingangstür des Anwesens, befreite das Opfer und nahm am selben Tag die Entführer fest. Sie sitzen seither in verschiedenen Gefängnissen.
Aber auch für James A. interessiert sich die Staatsanwaltschaft. In Kaiserslautern wird wegen Untreue gegen ihn ermittelt. "Es hat sich eine Vielzahl von vermeintlich Geschädigten gemeldet. Wir sind noch dabei, den Sachverhalt zu klären", sagte Staatsanwältin Beate Borens. Die Verhandlung gegen die Entführer soll am Landgericht Traunstein im Februar 2010 beginnen.
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(SZ vom 08.12.2009/bica)
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Die neueste Antwort
Der Artikel zu dem facettenreichen Thema "Gier meets Anlagebetrug" ist wirklich gelungen. Vor allem deshalb weil die betrogenen Gierhälse hier nicht irgendeine Mutter mit einem behinderten Kind o.Ä. vorschützen konnten um selbst als möglichst "unschuldig und in Geldangelegenheiten vollkommen unbedarft" wahrgenommen werden zu können.
... der sich wehrt. Das ist hier in der BRD fast Feiertagswürdig ...
So hat die jugendliche Torheit doch noch mal eine Chance bekommen und es hat jemand getroffen, der sich mit seinen Geschäftspraktiken in einer gefahrlosen Zone geglaubt hat. Wer alte Menschen abzocken will, muss halt doch auf alles gefasst sein.
Die Lehren sind nützlich und die Lehrstunde voller unfreiwilliger Komik.
Autsch - der war böse!
Aber gut!
;-)
"Gleiches Recht für alle!"
aber nicht für Deutsche in der deutschen Justiz. Hoffentlich finden die noch einen Moslem in ihrem Stammbaum, sonst sieht es übel aus.
Paging