Interview: Annette Ramelsberger

Die Phantasie fehlt: Die frühere bayerische SPD-Chefin Renate Schmidt über die Gründe für die Niederlage der Genossen und deren Bedeutung für die Bundestagswahl.

Renate Schmidt hat 1994 immerhin 24 Prozent für die SPD bei der Europawahl geholt und kurz darauf 30 Prozent bei der Landtagswahl - ein Ergebnis, das die Sozialdemokraten danach nie wieder erreicht haben. Seitdem hat sich das Ergebnis für die SPD halbiert.

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24 Prozent bei der Europawahl, 30 Prozent bei der Landtagswahl: Mit Renate Schmidt holte die SPD deutlich mehr Stimmen. (© Foto: ddp)

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SZ: Sie haben 1994 über 24 Prozent bei der Europawahl gewonnen. Wenn man auf die aktuellen Ergebnisse der SPD schaut, müssen Ihnen die Genossen doch die Füße geküsst haben.

Renate Schmidt: Im Gegenteil, ich wäre fast gestorben. Das war grauenvoll. Wir hatten die Wahl zur Abstimmung über den CSU-Amigo-Sumpf stilisiert und hatten viel mehr erwartet. Ich war am Boden zerstört. Keiner hat mir die Füße geküsst. Aber ich habe es dann doch geschafft, bei der Landtagswahl ein paar Monate später 30 Prozent zu erringen.

SZ: Heute steht die SPD bei 12,5 Prozent. Was konnten Sie, was Ihre Nachfolger nicht können?

Schmidt: Vielleicht konnten wir noch die Phantasie der Menschen anregen. Wir hatten noch packende Inhalte, wir hatten etwas zu erzählen.

SZ: Heißt das, Ihre Leute in der bayerischen SPD sind farblos, und sie wissen nicht, womit sie werben sollen?

Schmidt: Wir haben tolle Leute, vor allem Franz Maget hat immer einen großartigen Wahlkampf gemacht. Aber bei Wahlen geht es auch um psychologische Effekte. Da sind wir nicht gut. Wir beflügeln die Phantasie der Wähler nicht mehr.

SZ: Das macht die CSU bekanntlich besser. Sie hat wieder erstaunlich zugelegt.

Schmidt: Das liegt auch an der Landesliste, mit der die CSU antritt. Da finden die Wähler den CSU-Mann aus Augsburg und die Kandidatin aus München. Die SPD tritt mit einer Bundesliste an, auf der man irgendwo zwischen Platz 7 und 10 mal einen bayerischen Kandidaten findet. So verschwinden die bayerischen Kandidaten, das ist schlecht für uns.

SZ: Das allein kann es nicht gewesen sein. Man wusste nicht wirklich, für was die SPD steht.

Schmidt: Das weiß man bei der CSU auch nicht, und dennoch hat sie dazugewonnen. Wir schaffen es nicht zu entlarven, dass die CSU für Europa ist und gleichzeitig dagegen. Die CSU macht das mit großer Farbigkeit. Gleichzeitig müssen wir die Skepsis aufnehmen, die bei den Menschen gegenüber der EU besteht.

SZ: Was bedeutet dieses SPD-Ergebnis für die Bundestagswahl?

Schmidt: So gut wie nichts. Man kann aus Europawahlen keine Rückschlüsse auf die kommende Bundestagswahl ziehen. Da herrscht eine ganz eigene Stimmung.

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(SZ vom 08.06.2009/af)