Regionalverkehr Acht Beispiele, wie die Bahn besser werden will

Vor allem im Regionalen fürchtet die Bahn um die Zukunft. Die Werdenfelsbahn an der Haltestelle in Tutzing.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Pünktlicher, sauberer, schneller: Mit diesen kleinen Projekten will die Bahn ihr Angebot verbessern, vor allem bei Regionalzügen und S-Bahnen.

Von Marco Völklein

In ihrem Strategiepapier "Zukunft Bahn" hat sich die Deutsche Bahn (DB) eine Menge vorgenommen, im Regional- und im Fernverkehr. Daran wird sie sich in einigen Jahren messen lassen müssen. Bahn-Mitarbeiter kritisieren, vieles, was in der Vergangenheit "auf Verschleiß" gefahren worden sei, müsse nun wieder nachgeholt werden. Acht Beispiele, wo und wie der Schienenkonzern besser werden will.

Bloß keine Strafzahlungen mehr

Die DB-Lenker geben in ihrem Programm konkrete Ziele vor: Im Regionalverkehr will der Konzern eine Pünktlichkeit im "pönalefreien Bereich" erreichen, also in dem Bereich, in dem keine Strafzahlungen ("Pönalen") an die Länder fällig werden. Dieser Bereich liegt bei einer Pünktlichkeit von mehr als 95,5 Prozent. Wo genau die Münchner S-Bahn derzeit rangiert, wollte der Konzern auf Anfrage nicht mitteilen. Im Jahr 2014 hatte die S-Bahn Strafzahlungen in Höhe von 200 000 Euro an den Freistaat abgeführt, 2013 waren es sogar 1,6 Millionen Euro.

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Mobile Teams für Reparaturen

Kaputte Toiletten, Klimaanlagen oder Türen - sämtliche dieser "Komfortschäden" sollen in Regionalzügen und S-Bahnen künftig am nächsten Betriebstag behoben sein. Dazu will die Bahn mobile Reparaturteams bilden, die zum Beispiel zu den Abstellanlagen im MVV-Netz ausrücken und die Züge dort reparieren. Die Fahrt in die Werkstatt entfällt damit. Laut dem DB-Papier sollen bis 2019 bundesweit 1000 Mitarbeiter in diese Teams wechseln.

Mehr Reparaturen in der Nacht

Damit am Morgen im Fernverkehr genügend ICE-Züge zur Verfügung stehen, sollen nachts mehr Fahrzeuge repariert werden - das dürfte auch das ICE-Werk an der Friedenheimer Brücke betreffen. Bundesweit soll "die Entstörkapazität in der Nacht von circa 60 auf über 120 ICE mehr als verdoppelt" werden, heißt es in dem Strategiepapier der Bahnspitze.

Mehr Ersatzteile ins Lager

Ohnehin sollen die Regionalzüge und S-Bahnen künftig nur noch die Hälfte der Zeit in den Werkstätten stehen. Dazu soll die Bahn bei Neuanschaffungen gleich die Lieferung von Ersatzteilen "über den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs stärker berücksichtigen". Für kritische Ersatzteile will der Konzern zudem künftig "vorausschauend Produktionskapazitäten reservieren oder vorbuchen".

Mehr Fahrzeuge für die Reserve

Durch die kürzeren Instandhaltungszeiten sollen mehr Züge zur Verfügung stehen. So könnten allein bei DB Regio bundesweit 60 Zugeinheiten freigeschlagen werden, die "gezielt als Betriebsreserve" oder zur Verstärkung auf besonders unpünktlichen Linien eingesetzt werden.

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Ein Pannendienst auf Schienen

Wenn Lokomotiven oder Triebzüge ausfallen und Strecken oder Bahnhöfe blockieren, will der Konzern künftig schneller reagieren. Nach dem Vorbild des ADAC-Pannendienstes soll ein Schlepplokdienst entstehen, der auch von den DB-Konkurrenten angefordert werden kann.

Mehr Fernbusse auf die Straße

Das Fernbusangebot soll weiter ausgebaut werden. Derzeit ist die Bahn mit sechs Prozent Marktanteil die Nummer drei im deutschen Fernbusmarkt. Der Münchner Busbahnhof als wichtige Drehscheibe in Süddeutschland wird wohl bei der Expansion eine wichtige Rolle spielen.

Vorne dabei bei der Qualität

Die Bundesländer, die die Regionalzüge und S-Bahnen bei der DB oder deren Konkurrenten bestellen, erheben immer öfter "Qualitätsrankings", in die Punkte wie Pünktlichkeit, Sauberkeit oder Freundlichkeit des Personals einfließen. Ziel der DB-Strategen ist es, in den Rankings "die vorderen Plätze" zu belegen. Im aktuellen Bayern-Qualitätsranking haben indes DB-Konkurrenten die ersten fünf Plätze inne. Erst auf Rang sechs landete die Werdenfelsbahn der DB. Die Münchner S-Bahn wird im Ranking des Freistaats bislang nicht extra ausgewiesen.