In einer uninspirierten Rede steckt der neue bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein seine Positionen ab. Die unterscheiden sich nur marginal von Stoibers Politik.
In seiner ersten Regierungserklärung bleibt der neue bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein den großen Linien seines Vorgängers Edmund Stoiber treu: er ist für die Herdprämie und gegen die Ganztagsschule, der Transrapid soll kommen, und an der "soliden Haushaltspolitik" der vergangenen Jahre soll festgehalten werden.
Anzeige
Allerdings hat er sich ein Motto für seine Politik überlegt: "Es kommt auf jeden und jede an - also auf alle", das wiederholte er mehrmals in der Rede, die eine gute Stunde dauerte und in der er die Grundpositionen seiner Politik feststeckte.
Angriffslustig und emotional wurde der als sicherheitspolitischer Hardliner bekannte Beckstein ausnahmsweise nicht bei seinem Lieblingsthema Sicherheit. Stattdessen brachte ihn die Bildung in Rage. Wegen des Zankapfels Betreuungsgeld geht er auf die Opposition los, die dafür den abfälligen Begriff "Herdprämie" verwendet.
"Das ist eine unerträgliche Arroganz gegenüber der Mehrheit der Eltern", wütet Beckstein. Ebenfalls Teufelszeug ist für ihn die Gesamtschule, die er als "Pisa-getesteten Holzweg" abqualifiziert. Alle Studien hätten gezeigt, dass das dreigliedrige Schulsystem Bayerns das bessere sei, daher wolle er auch daran festhalten. Allerdings kündigte er an, die Durchlässigkeit des Systems verbessern zu wollen.
Beim Herzensprojekt seines Vorgängers Stoiber, dem Transrapid, bleibt Beckstein ebenfalls auf Linie - zumindest fast. Er bezeichnet ihn als "technologischen Leuchtturm" und will ihn weiter forcieren. Mit der Einschränkung: 490 Millionen Euro seien für den Landeshaushalt die Schmerzgrenze. "Wir lassen uns nicht in ein finanzielles Abenteuer treiben", so Beckstein.
Damit war er dann auch schon beim Haushalt. Der Ministerpräsident kündigte ein Festhalten an der "soliden Haushaltspolitik" der vergangenen Jahre an.
"Ausgeglichene Haushalte bleiben auch künftig unverrückbare Grenze aller politischen Wünsche", sagte Beckstein. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern, die weiterhin Schulden machten, werde Bayern unterm Strich 200 Millionen Euro Kredite tilgen und zusätzlich eine Rücklage in Höhe von 400 Millionen Euro für konjunkturell schwierige Zeiten bilden.
Die Opposition konnte er mit diesem Programm trotzdem nicht überzeugen. SPD-Fraktionschef Franz Maget sprach von der "schlechtesten Regierungserklärung", die er je im Landtag gehört habe und ruft sogar Edmund Stoiber um Hilfe.
Doch dass die SPD in Bayern weiterhin nicht viel zu melden haben wird, machte Beckstein in seiner Rede ebenfalls klar. Beim Thema Hauptschule griff er die SPD mit den Worten an: "Wenn für Sie eine Schule, die ein Drittel eines Jahrgangs besucht, eine Restschule ist - was ist dann die SPD in Bayern mit ihren 19 Prozent?"
- Kommentar Wo Beckstein draufsteht, ist Stoiber drin 15.11.2007
- Vor Becksteins Regierungserklärung Ein Wohlfühl-Programm 15.11.2007
- Bildstrecke Best of Beckstein 05.10.2007
- Becksteins Kabinett Günthers Auswechselspieler 08.08.2007
(sueddeutsche.de/bavo/grc)
OB-Kandidatin Nallinger
Die neueste Antwort
Das Problem ist nicht Multi-Kulti, sondern der Hassprediger Beckstein und Konsorten aus der CDU/CSU Fraktion
als bisheriger Vize-MP hat er ja die Politik Stoibers immer mitgetragen und mitverantwortet. Dass er kein glänzender Rhetoriker ist, war hinlänglich bekannt.
Hätte er zu viel Innenpolitik gebracht, hätte er sich den Vorwurf gefallen lassen müssen, er hätte sich noch nicht von seinem alten Job gelöst.
Wirklich gut finde ich, dass die Politik des ausgeglichenen Haushalts fortgesetzt wird.
Woran man Beckstein wird messen müssen, sind seine Taten und die Art, wie er sein Programm ausgestalten wird. Auch wird sich zeigen, ob und wie die CSU-Fraktion das ein oder andere beeinflusst. Im Vergleich zu Stoibers Regierungszeit, dürfte ihr Einfluss wieder wachsen. Was aber nicht immer nur Gutes bedeuten muss.