In seiner Regierungserklärung macht Kultusminister Spaenle die CSU-Bildungspolitik als eine der Ursachen für das schlechte Wahlergebnis aus - ein Eingeständnis, das der Opposition nicht reicht.
Regierung und Opposition haben sich im Landtag in München einen Schlagabtausch über die Bildungspolitik und die richtigen Zukunftskonzepte für die bayerischen Schulen geliefert. Während Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) am Donnerstag in seiner ersten Regierungserklärung den eingeschlagenen Reformweg als kindgerecht und zukunftsorientiert verteidigte, hielt die Opposition der CSU/FDP-Staatsregierung substanzlose Schönrednerei vor.
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Die Frage, wie es in den Schulen zugeht und zugehen sollte, sorgte im Landtag für hitzige Debatten. (© Foto: dpa)
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Die SPD sprach der Koalition den Willen und die Fähigkeit zu echten Reformen im Bildungssystem ab. Auf massive Kritik stieß unter anderem das neue Übertrittsverfahren auf weiterführende Schulen. Der Streit über eine längere gemeinsame Grundschulzeit geht ebenfalls weiter. Auch der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband zeigte sich enttäuscht.
Spaenle selbst machte in seiner Rede die Bildungspolitik mit für das CSU-Fiasko bei der Landtagswahl im Herbst 2008 verantwortlich und kündigte für die Zukunft eine neue Form des bildungspolitischen Dialogs an.
Als Leitziele der bayerischen Bildungspolitik gab er Qualität und Gerechtigkeit aus. "Wir wollen allen jungen Menschen in unserem Land alle Chancen auf Bildung eröffnen", sagte Spaenle. Dabei dürfe die kulturelle und soziale Herkunft keine Rolle spielen.
Als zentrale Reformschritte nannte Spaenle unter anderem die neuen Kooperationsmodelle von Haupt- und Realschulen, den weiteren Ausbau von Ganztagsangeboten und das neue Übertrittsverfahren von der Grund- auf weiterführende Schulen. Eine längere gemeinsame Schulzeit und die Aufgabe des gegliederten Schulsystems lehnte Spaenle erneut klar ab. Die Hauptschule müsse erhalten und weiterentwickelt werden.
Der SPD-Bildungspolitiker Hans-Ulrich Pfaffmann warf der Staatsregierung jahrzehntelanges Versagen und eine "Fortsetzung der Schönrednerei der letzten Jahre ohne Substanz" vor. "Wir haben eine CSU, die will nichts ändern, und eine FDP, die kann nichts ändern." So habe die FDP vor der Wahl viel versprochen, etwa eine längere gemeinsame Grundschulzeit, aber nun nichts davon durchsetzen können.
Pfaffmannn kritisierte, es bleibe bei der zu frühen Selektion von Kindern, bei übervollen Klassen und einer "gravierenden Bildungsungerechtigkeit in Bayern". "Leistungsdruck und Schulstress prägen den Schulalltag." Eine individuelle Förderung finde mangels einer ausreichenden Zahl von Lehrern kaum statt.
Zum neuen Übertrittsverfahren sagte Pfaffmann: "Was Sie mit den Grundschülern machen, das halte ich nicht für christlich." Das Versprechen zusätzlicher Lehrer bezeichnete er als aberwitzig und als Heuchelei, da noch in den vergangenen Jahren Stellen gestrichen worden seien.
Der Grünen-Bildungspolitiker Thomas Gehring beschuldigte Spaenle und die Koalition, mit neuen Worten den alten Mangel kaschieren zu wollen. "Wir brauchen eine neue Bildungspolitik in Bayern und keine neue Rhetorik." Eva Gottstein (Freie Wähler) warf der CSU unter anderem vor, nicht früh genug auf absehbare demografische Entwicklungen reagiert zu haben. Zudem kritisierte sie die Hürden für Kooperationsmodelle von Haupt- und Realschulen als viel zu hoch.
Die FDP-Bildungspolitikerin Renate Will wies den Oppositions-Vorwurf der mangelnden Durchsetzungsfähigkeit gegenüber der CSU zurück. Vielmehr habe man "ehrgeizige Ziele" vereinbart, die man zügig umsetzen wolle. Es würden Verkrustungen aufgebrochen und neue Ideen verwirklicht. Einiges sei auch schon auf den Weg gebracht. Das neue Übertrittsverfahren bezeichnete Will als "guten Kompromiss".
Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) kritisierte, der "große schul- und bildungspolitische Wurf" bleibe aus. "Ich erkenne viele kleine Schritte, die den schulischen Alltag erleichtern können, die grundlegenden Probleme lösen sie jedoch nicht", sagte BLLV-Präsident Klaus Wenzel laut Mitteilung. Er habe den Eindruck, der Kultusminister verliere sich in zahlreichen Details. Konkret kritisierte Wenzel insbesondere die zu frühe "Sortierung" der Kinder und das neue Übertrittsverfahren, das den Druck noch erhöhe.
Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft betonte, die Regierung sende die richtigen Signale. Die Ankündigungen müssten jetzt aber "zu konkreten und wirksamen Maßnahmen in der Fläche führen", hieß es.
(dpa/bica/gal)
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Der vergleich mit dem von ihnen zitierten schulversuch stimmt so einfach nicht! die anzahl der relaschüler hat sich bis jetzt nachweislich stark erhöht. dabei sind viele schüler, die früher die hauptschule besucht hätten. trotzdem ist das leistungsniveau gleich geblieben.
und wenn sie schon auf die "entwicklungsverzögerung" der Jungs anspielen... die ist in der 6ten klasse auch nicht vorbei!!! ich weis sehr wohl wovon ich rede! Ich betreue diese jahrgangsstufen!!!
und noch eine anmerkung zur durchlässigkeit des systems NUR nach unten..
es wäre doch schon ein armutszeugnis für das gymnasium, wenn ein hauptschüler so ohne weiteres von der 8ten klasse hauptschule auf die 8te klasse gymnasium oder realschule wechseln könnte. die schüler sind nun mal leistungsstärker und damit findet auch der lernfortschritt schneller statt! wollen sie behaupten, das wäre unerwünscht??? damit ist aber nun natürlicherweise eine durchgängigkeit von unten nach oben nur schwer erreichbar! möglich ist es dennoch für besondere fälle. richtig ist aber: es gibt in bayern von jeder schulart aus die möglichkeit sich weiterzubilden und das studium zu erreichen (so das für jeden erstrebenswert ist).
woher sie übrigens ihre 40% gescheiterte gymnasiasten nehmen ist mir schleierhaft! Auch wenn sie nur"großteils" behaupten ist das eine diskreditierung aller leute die kein abi haben! und dennoch: auch diese Leute schaffen es zum studium! das ist nur ein weiterer beleg für die durchlässigkeit unseres bildungssystems auch nach oben, wenn auch auf unterschiedlichen wegen!
@alehrer
Der Übertritt nach der vierten Klasse ist zu früh. Jeder Grundschullehrer wird Ihnen bestätigen, dass die Buben zu diesem Zeitpunkt in ihrer Entwicklung ca. 1 Jahr den Mädchen hinterher sind. Dem Druck des Übertritts sind zudem viele Kinder nicht gewachsen. Wir sortieren also zu einem guten Teil nach Geschlecht und Belastbarkeit. Dabei gibt das System vor, nach Intelligenz zu sortieren. Eine Lüge!
Die Vergleichstests der 6-jährigen Realschule mit der 4-jährigen stammen aus der Zeit des Schulversuchs. Damals wurden nur Kinder in dei 6-stufige Realschule aufgenommen, die auch für das Gymnasium geeignet gewesen wären. Der Schulversuch wurde damals auch nicht zu Ende geführt, sondern ein Jahr verfrüht abgebrochen um der Protestwelle, die sich damals bereits abzeichnete, zuvorzukommen.
Es gibt durchaus Beispiele für erfolgreiche Gesamtschulen. Die Helene-Lange Schule in Wiesbaden (ein ehemaliges Gymnasium, das jetzt sogar ein Platzkontingent für sozial benachteiligte Kinder bereit hätl) hat bei den Pisa-Ergebnissen signifikant besser abgeschnitten als das entsprechende Schülerklientel in Bayern. Es gibt also durchaus erfolgreiche Modelle abseits des gegliederten, bayerischen Schulsystems.
Die 40% Studenten, die nicht über das Gymnasium kommen, sind zum Großteil gescheiterte Gymnasiaste, die dann von den "unteren" Schularten aufgefangen wurden. Oder wo glauben Sie, dass die fast 60% Gymnasiasten, dievon der 5. Klasse aus das allgemeine Abitur dann doch nicht schaffen, bleiben? Meistens drehen diese "gescheiterten" Gymnasiasten dann auch noch ein oder zwei Ehrernrunden und brauchen damit in ihrer Ausbildung länger, als die Kollegen mit der allgemeinen Hochschulreife. Auch will uns die Statistik eine Durchlässigkeit des Systems vorgaukeln. Die gibt es auch - aber nur von oben nach unten!
Zum Thema Facharbeiter: Fragen Sie doch mal in den großen Firmen herum, wer Hauptschüler zur Facharbeiterausbildung einstellt. Viele klassische "Hauptschul- Arbeitsplätze" wurden ins Ausland verlagert oder werden von Robotern erledigt und der Baubranche geht es auch nicht gerade gut.
Da Sie auch eine Sortierung nach de sechsten Klasse für falsch halten, scheinen Sie insgeheim für die Gesamtschule zu sein ;-)
Die Einführung der sechsjährigen Realschule war definitiv der Anfang vom Ende des gegliederten Schulsystems in Bayern.
misserfolg und dauerlernstress ist die beste möglichkeit ein kind auf dauer zu "zerstören"...
...und eine längere gemeinsame grundschulzeit? suuuuper!!!! schon mal 6klässler angeschaut? da beginnt bei vielen gerade die pubertät!!! garantiert die beste zeit sie auf eine neue schule zuschicken!!! probleme garantiert. dass der übertritt nach der 4ten klasse zu besseren ergebnissen führt zeigt JEDER vergleichstest der alten 4-jährigen realschule mit der 6-jährigen.
im übrigen gibt es kein einziges gesamtschulsystem mit verlängerter grundschulzeit in deutschland, das deutlich besser abschneidet als das bayerische system. dafür schneiden fast ALLE schlechter ab!
auf der anderen seite gibt es kaum ein system, dass so viele möglichkeiten zulässt zu studieren. man muss es nur wissen WOLLEN! über 40% unserer studenten haben KEIN gymnasiales abitur!!! und wenn ich der wirtschaft so glauben darf scheint es ja ohne FACHARBEITER auch nicht zu gehen.
Im Prinzip gebe ich Ihnen recht, aber das was sie fordern - nämlich die individuelle Förderung - findet aus verschiedenen Gründen kaum statt (gesprochen wird zwar pausenlos davon). Ebenso fehlt ein Konzept bezüglich der Ganztagesschule - hier wird weitgehend das preisgünstigste Minimum propagiert, das eigentlich fast nutzlos ist.
So unsäglich schlecht die Bildungspolitik der CSU war und auch immernoch ist, hat auch die Opposition, trotz vielen Apsekten bei denen sie absolut recht hat, einen Denkfehler: eine frühe Selektion der Kinder ist nicht notwendigerweise falsch, sondern - mit den richtigen Konzepten - äußerst förderlich. So können Schüler optimal, je nach ihren Fähigkeiten, gefördert werden. Schwächere Schüler bremsen stärkere nicht mehr aus, andersrum werden schächere Schüler nicht mehr durch stärkere überfordert und demotiviert. Dieser "Unterricht auf die Mitte", wie er insbesondere in den Grundschulen üblich (bzw. nicht anders möglich) ist, nützt leidergottes fast niemandem.
Grundvoraussetzung wäre selbstverständlich eine hohe Durchlässigkeit und fächerspezifische Aufteilung (was natürlich auch Probleme mit sich bringt, jedoch gilt es abzuwägen welche Vorteile welche Nachteile überwiegen), genauso wie eine deutlich kompetentere fachliche Ausbildung der Grundschullehrkräfte (dort hat sich zugegebenermaßen einiges verbessert in den letzten Jahren, jedoch betrifft das beinahe ausschließlich die neuen, jungen Lehrkräfte. Es kann in meinen Augen nicht angehen, dass der Freistaat frühkindlichen Englischunterricht fordert, 2/3 der Lehrkräfte aber keinerlei Kompetenz in der Fremdsprachenlehre oder gar in der Sprache selbst haben).
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