Regensburger Bischof Müller Der unversöhnliche Hirte

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller verbietet dem braven Katholiken Hans Maier, ein Buch in den Räumen seiner Kirche vorzustellen. Der Grund: Müller will um alles in der Welt eine Diskussion über Abtreibungen verhindern.

Ein Kommentar von Mike Szymanski

Wer soll eigentlich noch Platz in der katholischen Kirche haben, wenn sie schon einem wie Hans Maier die Tür vor der Nase zuschlägt? Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller verbietet dem früheren Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und langjährigen bayerischen Kultusminister, seine Memoiren "Böse Jahre, gute Jahre" in den Räumen seiner Kirche vorzustellen. Ausgerechnet einen so braven Katholiken wie Maier macht Müller zum Kirchenfeind.

Es ist ein alter Streit, den der Regensburger Bischof da befeuert, und er zeigt, wie wenig dieser Hirte vergeben kann, wenn er seine Kirche in Gefahr sieht. Es geht um die Schwangerschaftskonfliktberatung: Ende der neunziger Jahre stieg die katholische Kirche aus dem System aus, weil sie Frauen, die ihr Kind abtreiben wollten, keinen Beratungsschein ausstellen wollte.

Maier widmet sich in seinen Memoiren diesem Streit. Aus seiner Sicht ließ die Kirche damals die "Ungeborenen ohne Schutz". Er schreibt: "Das konnte man, wenn man ein Wirken der Katholiken in der Gesellschaft für wichtig und nötig hielt, nicht einfach hinnehmen." Er stritt damals auch mit Kardinal Joseph Ratzinger, der heute Papst ist, und schildert in seinem Buch, wie sie beide zornig wurden und "in der Sache unversöhnt" blieben.

Maier schloss sich schließlich den katholischen Laien an, die aus Protest die Beratungsorganisation Donum Vitae gründeten. 150.000 Menschen haben sich dort im vergangenen Jahr Rat geholt. Die Zahl der Abtreibungen geht in Deutschland ständig zurück. Seit der gesetzlichen Neuregelung haben offiziellen Zahlen zufolge noch nie so wenige Frauen abgetrieben.

Aber Bischof Müller zeigt sich unfähig, auch nur die Diskussion darüber zuzulassen. Er führt den Kampf so unnachgiebig weiter wie in jenen Zeiten, als die Gegner den Beratungsschein verächtlich "Tötungslizenz" nannten. Maier streite für ein System, dem in den vergangenen beiden Jahrzehnten fast jedes fünfte Kind eines Jahrgangs zum Opfer fiel, rechtfertigte sein Bistum die Ausladung.

Maier sagte, er habe seine Memoiren in Räumen der Katholischen Akademien Berlin, Köln und Hamburg vorstellen dürfen. Er sei "sehr verwundert", dass das Bistum Regensburg hier "kleinlicher" sei als andere Bistümer. Andere verwundert das nicht.