Fünf Ex-Quelle-Vorstandssekretärinnen gingen mit Hochglanzplakaten auf Jobsuche. Sabine Schweiger über den Erfolg der Aktion.
Am 19. Oktober wurde die Abwicklung des Versandhauses Quelle bekannt. Sabine Schweiger, 38, und weitere vier Vorstandssekretärinnen wollten sich mit der bevorstehenden Arbeitslosigkeit nicht abfinden. "Sekretärinnen suchen neuen Chef", stand auf dem Hochglanzplakat, das sie am Nürnberger Hauptbahnhof aufhängen ließen.
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Mit diesem Plakat machten die ehemaligen Quelle-Sekretärinnen auf sich aufmerksam - eine hat so einen neuen Arbeitsplatz gefunden. (© Foto: dpa)
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SZ: Sie hatten sich ja sehr hübsch gemacht für das Bild. Allein deshalb sind die Chefs doch Schlange gestanden.
Schweiger: Wir hatten 35 ernste Anfragen, das hat sich auf jeden Fall gelohnt.
SZ: Und jetzt haben Sie alle fünf einen neuen Job?
Schweiger: Nein, zwei von uns suchen noch. Wir sind zu etlichen Vorstellungsgesprächen gegangen, aber es hat oft einfach nicht gepasst.
SZ: Wie das?
Schweiger: Ein Chef und seine Sekretärin müssen sich gut verstehen. Wenn man da nicht ganz sicher ist, lässt man es besser. Und dann gab es auch Angebote aus Hamburg und der Schweiz, das war uns zu weit weg.
SZ: Aber man hört doch immer, dass man Flexibilität braucht heutzutage.
Schweiger: Schon. Aber die meisten haben ja Familie hier. Ich bin froh, dass ich in Nürnberg bleiben kann. Ich bin bei einem großen Softwarehaus untergekommen, am 1. Februar geht es los. Allerdings war das eine Initiativbewerbung, die hatte mit dem Plakat nichts zu tun.
SZ: Ach. Und wie war das bei den Anderen?
Schweiger: Eigentlich lief es nur bei einer Kollegin wirklich über das Plakat. Die fängt bald bei einem Arzt an. Eine andere Kollegin begleitet ihren Chef bei Quelle zu dessen neuen Arbeitgeber.
SZ: War wenigstens sonst etwas Interessantes in der Post?
Schweiger: Viele tolle Mails von wildfremden Menschen, die uns Glück gewünscht haben.
SZ: Heiratsanträge?
Schweiger: Keine. Ein unmoralisches Angebot war aber dabei. Immerhin hatte der Herr das höflich formuliert.
SZ: Haben Sie das Aus von Quelle inzwischen verdaut?
Schweiger: Es war schwer, aber ich kann jetzt wieder nach vorne schauen. Wenn etwas vorbei ist, ist es vorbei.
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(SZ vom 04.01.2010/dmo)
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Die neueste Antwort
Ich mache mir um diese Frauen keine Sorgen. Viel Glück weiterhin.
Aber es zeigt sich halt immer wieder , wer sich bewegt erreicht auch was.
Es ist schon erstaunlich, was man mittlerweile alles anstellen muss, um einen Job zu bekommen. Sicher, die Idee und die Initiative der fünf Damen ist klasse und wird hoffentlich mit Erfolg gekrönt. Andererseits fühle ich mich dabei aber auch etwas unwohl. Der Kampf um einen Arbeitsplatz, der Einstieg ins Berufsleben, ja selbst das Ergattern eines Praktikumsplatzes wird mittlerweile fast zur Nabelschau. Die Plakatierung der fünf ehemaligen Quelle Sekretärinnen mag da noch originell und pfiffig wirken, doch sollte man solche Modelle gedanklich vielleicht nicht weiterspinnen. Am Ende steht dann vielleicht der berühmte Sandwich-Mann aus den späten Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, der mit traurigem Blick und einem Plakat auf Bauch und Rücken seine Arbeitsleistung anbietet - für jede Arbeit.
Ich finde die Idee großartig! Viel Glück!