Das Bistum schreibt in seiner Stellungnahme: "Der seinerzeitige Stadtpfarrer von Schrobenhausen und spätere Bischof von Eichstätt und Augsburg hat in seinen jeweiligen Wirkungsbereichen zu keinem Zeitpunkt körperliche Gewalt gegen Kinder oder Jugendliche angewendet." Zudem weist das Bistum darauf hin, dass Mixa als Stadtpfarrer von Schrobenhausen "zu keiner Zeit erzieherische oder pädagogische Funktionen im St.-Josef-Kinderheim innehatte".
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Letzteres ist zutreffend: Die Verantwortung lag bis 1990 in den Händen der Mallersdorfer Schwestern. Dann wurde ein weltlicher Leiter installiert, der für die Betreuung der Kinder zuständig war.
Der heutige Leiter Herbert Reim ist seit 1999 im Amt und weiß nach eigenen Angaben nichts von Übergriffen in den siebziger oder achtziger Jahren. Heute leben in dem Heim 60 Kinder im Alter zwischen zwei und 18 Jahren, Träger ist die Katholische Waisenhausstiftung Schrobenhausen, die unter Aufsicht der Regierung von Oberbayern steht.
35 Schläge mit dem Teppichklopfer
Der Stadtpfarrer ist zwar von jeher kraft Amtes Vorsitzender des Stiftungskuratoriums, entscheidet als solcher aber nur über finanzielle und personelle Angelegenheiten. "Mit der Erziehung der Kinder hat der Stadtpfarrer nichts zu tun", sagt der heutige Stadtpfarrer Josef Beyrer.
Er bestätigt jedoch, dass er als Kaplan zwischen 1988 und 1991 "hin und wieder" zusammen mit Walter Mixa bei den Nonnen im Kinderheim gegessen habe. "Dies war aber nicht regelmäßig der Fall, sondern nur, wenn die Pfarrhaushälterin abwesend war." Von Schlägen durch die Schwestern oder durch Mixa habe er "nie etwa gehört", beteuert Beyrer.
Alle fünf ehemaligen Heimkinder erklären übereinstimmend, dass Stadtpfarrer Mixa regelmäßig ins Kinderheim gekommen sei und dort gegessen habe. "Danach mussten wir nach oben in die Klausur kommen", berichtet Markus Tagwerk. "Dorthin kamen wir immer nur zu drei Gelegenheiten: Namenstag, Geburtstag, oder wenn der Stadtpfarrer da war."
Was Walter Mixa dann mit den Kindern gemacht habe, berichtet Thomas Huber (Name geändert), der ebenfalls im Kinderheim wohnte: "Ich musste mich über einen Bock beugen", heißt es in seiner eidesstattlichen Erklärung, "dann hat mir Herr Mixa mit einem Teppichklopfer 35 Schläge auf das Gesäß gegeben." Huber trug dabei nach eigenen Angaben eine Stoffhose, dennoch habe er danach "beim Sitzen mehrere Tage Schmerzen" gehabt.
Huber ist heute 44Jahre alt und Maler. "Am meisten geschlagen wurden jene Kinder, deren Eltern nie kamen", berichtet Markus Tagwerk. Alle fünf ehemaligen Heimkinder betonen jedoch, dass sie nie Opfer von sexuellen Übergriffen wurden. "Immerhin kann ich heute darüber reden", sagt Tagwerk, "aber es gibt Menschen, die das nicht können."
Sein größter Wunsch sei, so Tagwerk, "dass sich Herr Mixa bei allen Betroffenen entschuldigt". Dieser Wunsch wird wohl nicht in Erfüllung gehen. Das Bistum schreibt in seiner Stellungnahme, es behalte sich "ausdrücklich zivilrechtliche und strafrechtliche Schritte" vor.
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(SZ vom 31.03.2010/liv)
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Ich habe ein bisschen über Mixa im Internet recherchiert und bin dabei auf zwei ganz interessante Behauptungen gestoßen:
1. Der katholische Bischof Walter Mixa wurde vom mazedonischen Zoll mit rund 400 000 Mark erwischt. Das Geld kam offenbar aus einer grauen Kasse:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-21303489.html
Wie ist die Sache eigentlich ausgegangen?
2. Der Bischof habe seinen Führerscheinen kurzzeitig abgegeben müssen (leider geht der Link vom 23.02.2010 nicht mehr):
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/498564
Zu der Erklärung relexartig erfolgten Erklärung des Bistums heißt es im Stern (http://www.stern.de/blog/68_wie_faehrt_der_denn/archive/3554_kaemann_mixa_und_die_kunst_der_gegendarstellung.html):
"Dort steht: "Bischof Mixa hat zu keinem Zeitpunkt seinen Führerschein wegen Alkohol am Steuer abgeben müssen." Das lässt reichlich Spielraum für Interpretationen. Drei Möglichkeiten bleiben:
Der Bischof hat wirklich nie seinen Führerschein abgeben müssen. Warum aber dann diese Einschränkung?
Der Bischof hat seinen Führerschein wegen anderer Delikte abgeben müssen. War er zu schnell? Hat er gedrängelt? Waren es Drogen?
Der Bischof ist zwar mit Alkohol erwischt worden, hat aber deswegen nicht den Führerschein abgeben müssen.
Eine Antwort darauf bleibt die Bistumssprecherin schuldig. Auf die Nachfrage, ob sie denn den gekürzten Satz "Mixa hat nie seinen Führerschein abgeben müssen" auch unterschreiben würde, ist das Telefongespräch freundlich, aber schnell zuende."
Das sind natürlich nur alles dumme Zufälle! Oder?
Das die Bischofskonferenz angesichts von 5 eidesstattlichen Bezeugungen ihm noch das Vertrauen ausspricht, wird Mixa nicht retten und der Kirche weiter Schaden zufügen. Man bekommt einen Eindruck davon, wieso viele Vorfälle lieber unter dem Teppich bleiben und "was nicht sein sein darf, kann auch nicht sein" das gedankliche Leitmotiv zu sein scheint.
Traurig für die Betroffenen und den Glauben.
Jeder einzelne "Fall" muss aufgeklärt und zivilrechtlich verfolgt werden. Es kann nicht sein, dass die Kirche einfach "Diffamierung" rufen und damit alle Vorwürfe vom Tisch fegen kann und alles weitergeht wie bisher und der Staat nicht eingreift. Bei jedem nicht bezahlten Strafzettel wird der Staatsapparat in Gang gesetzt, aber wenn es der privaten Sache einiger "hohen" dient kann man sich einfach bequem zurücklehnen, mit den Schultern zucken und die bekannten Ausflüchte von sich geben.
Himmelschreiend!
Auch Gott hat seine Hölle: das ist seine Liebe zu den Menschen.
Friedrich Nietzsche
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