Prozessbeginn in Würzburg Mit Streufahrzeug Frau tot gefahren

Von Olaf Przybilla, Würzburg

Wegen fahrlässiger Tötung und Fahrerflucht muss sich seit Freitag ein Gemeindearbeiter aus dem unterfränkischen Erlabrunn (Landkreis Würzburg) vor dem Würzburger Schöffengericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, am 5. Januar 2016 eine Fußgängerin mit einem kommunalen Streufahrzeug überfahren und sich ohne zu helfen vom Unfallort entfernt zu haben. Die Frau starb an den Folgen eines Schädelbruchs. Weil es an jenem Morgen eisglatt auf den Straßen war, ging die Polizei zunächst davon aus, die Frau sei nach einem Sturz ums Leben gekommen. 30 Beamte einer Ermittlungskommission kamen später aber zur Überzeugung, die 71-Jährige sei vom Streufahrzeug erfasst und überfahren worden. Der Angeklagte hat sich am ersten Verhandlungstag nicht zur Sache geäußert.

Der Gemeindearbeiter soll mit einem Traktor samt angebauter Streuvorrichtung in dem 1600-Einwohner-Ort unterwegs gewesen sein. Laut Anklage fuhr der 57-Jährige kurz vor acht Uhr mit Schrittgeschwindigkeit, als er die Frau in Folge einer Unaufmerksamkeit erfasst haben soll. Die Frau soll vom rechten Vorderreifen und vom Hinterreifen überrollt worden sein und soll dabei schwerste Verletzungen erlitten haben. Die Staatsanwaltschaft geht nun davon aus, der Mann habe "nicht zwingend das Überrollen eines Menschen" bemerken müssen. Dass er über etwas gefahren ist, habe er aber realisieren müssen. Insofern habe der Fahrer damit zu rechnen gehabt, dass ein "nicht völlig unbedeutender Fremdschaden entstanden" sei. Trotzdem habe er sich von der Unfallstelle entfernt.

Die Ermittler haben zur Aufklärung mehr als 100 Zeugen befragt. Angeblich soll das betreffende Fahrzeug kurz nach dem Unfall neu lackiert worden sein. Für den Prozess sind insgesamt acht Verhandlungstage angesetzt.