Prozess um krankes Flüchtlingskind Mitarbeiter des Aufnahmelagers zu Geldstrafen verurteilt

Der kleine Leonardo hatte eine massive bakterielle Infektion.

(Foto: dpa)

Fast wäre die lebensrettende Hilfe für den kleinen Leonardo zu spät gekommen. Drei Mitarbeiter des Zirndorfer Aufnahmelagers wurden nun in Fürth zu Geldstrafen verurteilt. Sie wollten keinen Krankenwagen rufen - obwohl der Junge große schwarze Flecken am Körper hatte.

Weil sie einem schwer kranken Flüchtlingskind im Zirndorfer Aufnahmelager nicht geholfen haben, sind drei Mitarbeiter nun vom Amtsgericht Fürth zu Geldstrafen verurteilt worden. Eine Mitarbeiterin der Einrichtung muss wegen unterlassener Hilfeleistung 60 Tagessätze à 40 Euro bezahlen. Zwei Pförtner wurden zu ebenfalls 60 Tagessätzen à 45 beziehungsweise 50 Euro verurteilt.

Die beiden Pförtner haben sich der fahrlässigen Körperverletzung* durch Unterlassung schuldig gemacht, weil sie der Familie des kranken Jungen verweigert hatten, einen Krankenwagen zu rufen. Ein Bereitschaftsarzt, der das Kind im Aufnahmelager untersucht hatte und der wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt war, wurde vom Amtsgericht Fürth freigesprochen.

Der Bereitschaftsarzt untersuchte das Kind eines Ehepaars aus Serbien im Dezember 2011 in der Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf und diagnostizierte lediglich einen fiebrigen Infekt, den er nicht für weiter bedrohlich hielt, und verschrieb Fieberzäpfchen. Später stellte sich jedoch heraus, dass das etwa ein Jahr alte Kind an einer massiven bakteriellen Infektion erkrankt war.

Die Kinderärztin ließ das Kind sofort in die Klinik bringen

Auch als der Junge große schwarze Flecken im Gesicht, an Armen und Beinen hatte, wollte man an der Pforte des Aufnahmelagers keinen Krankenwagen rufen. Schließlich schickte man die Familie bei winterlichen Temperaturen zu Fuß ins zwei Kilometer entfernte Dorf. Dort erbarmte sich ein Autofahrer, die Flüchtlingsfamilie zu einer Kinderärztin zu fahren, die ebenfalls in Fürth vor Gericht aussagte.

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Die Kinderärztin ließ das Kind sofort in die Klinik bringen, wo das Leben des kleinen Leonardo nur knapp gerettet werden konnte. Er war an einer Meningokokkeninfektion erkrankt und blieb zwei Wochen im künstlichen Koma. Außerdem musste sich das Kind umfangreichen Hauttransplantationen unterziehen und verlor einen Zeh und einen Finger.

Der kleine Junge hätte früher behandelt werden müssen, sagte eine Medizinerin vom Klinikum Fürth, die das eineinhalbjährige Kind in der Notaufnahme betreute, vor dem Amtsgericht aus. Das Kind habe vermutlich schon am frühen Morgen starke Schmerzen gehabt.

Laut Aussage der Ärztin vom Klinikum Fürth sei das Kind nicht mehr ansprechbar gewesen und habe kurz darauf nicht mehr atmen können. Am Gesicht und den Händen sei die Haut bereits rot bis blauschwarz gewesen. "Bei dieser Erkrankung ist es so, dass jede Stunde zählt", sagte die Ärztin am Dienstag vor dem Amtsgericht Fürth.

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*Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels war an dieser Stelle von gefährlicher Körperverletzung die Rede. Wir haben das korrigiert.