Prozess Priester soll fünf Buben sexuell missbraucht haben

In Deggendorf steht ein katholischer Priester vor Gericht. Er soll Kinder zigfach sexuell missbraucht haben.

(Foto: dpa)
  • Der damalige katholische Geistliche habe sich das Vertrauen von Familien erschlichen und die Kinder mehr als 100 Mal missbraucht, so die Anklage.
  • Auch soll er versucht haben, eine damals 18-Jährige zu vergewaltigen.
  • Der 53-Jährige schweigt vor dem Gericht in Deggendorf zu den Vorwürfen.

Er soll fünf Buben mehr als 100 Mal sexuell missbraucht haben: Ein ehemaliger Priester muss sich deshalb seit Mittwoch öffentlich vor dem Landgericht Deggendorf verantworten. 45 Minuten lang listete der Staatsanwalt Verbrechen um Verbrechen auf. Demnach soll der 53-Jährige auch versucht haben, eine 18-Jährige zu vergewaltigen. Die Übergriffe auf die Jungen seit Mitte der 1990er-Jahre wertet die Staatsanwaltschaft als schweren sexuellen Missbrauch.

Der 53-Jährige habe sich das Vertrauen gläubiger Familien erschlichen und sei so in Kontakt mit deren Kindern gekommen. Zeitweise lebte er bei den Familien und konnte auch deshalb über Jahre hinweg die Buben in deren Kinderzimmern, in seinem eigenen Zimmer oder im Bad missbrauchen, so die Anklage. Die Opfer waren bei den Taten zwischen neun und 14 Jahre alt. Der damalige Priester soll die Kinder zudem mit Ohrfeigen, Strafarbeiten und Schlägen mit dem Gürtel gezüchtigt haben.

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Der Prozess sollte eigentlich am Montag beginnen. Zum Auftakt beantragte die Anwältin eines der Opfer dann aber, die Öffentlichkeit während der Verlesung der Anklage auszuschließen, um den ohnehin psychisch angeschlagenen Buben nicht weiter zu belasten. Der Vorsitzende Richter Thomas Trautwein lehnte den Antrag nun am Mittwoch unter anderem wegen des hohen öffentlichen Interesses an der Aufarbeitung von sexuellen Straftaten Geistlicher ab.

Beim Betreten des Gerichtssaals zog der Angeklagte seine schwarze Strickmütze bis über das Kinn, um sich vor den Fotografen zu schützen. Später zeigte er sein Gesicht und ließ regungslos die Anklage über sich ergehen - vor einer Schulklasse im Publikum. Der Anwalt des Mannes sagte, es sei nicht ausgeschlossen, dass dieser im weiteren Verlauf des Prozesses noch eine Erklärung zu den ihm vorgeworfenen Taten abgeben werde. Der Ex-Priester saß von 2003 bis 2009 aufgrund eines Urteils des Landgerichts in Karlsruhe wegen Sexualstraftaten für fünfeinhalb Jahre im Gefängnis. 2008 wurde er nach einem kirchengerichtlichen Urteil in Freiburg aus dem Priesterstand entlassen.

Der Angeklagte soll sich zudem 100 000 Euro erschlichen haben

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten zudem Urkundenfälschung, Betrug und Missbrauch von Titeln vor. Er soll sich auf diese Weise insgesamt mindestens 100 000 Euro erschlichen haben, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Nach seiner Entlassung aus dem Priesteramt habe er sich unter einem falschen Namen weiterhin als katholischer Priester ausgegeben, Gottesdienste gehalten und Spenden gesammelt.

Als eine Familie in der Schweiz, bei der er zeitweise lebte, für Kost und Logis Miete verlangte, schrieb der Mann eine Mail mit dem Absender "Gott" und forderte, auf die Miete zu verzichten, schließlich würde die Familie im Himmelreich um ein Vielfaches entlohnt. In einem Fall habe er sich in einer E-Mail gar als Gott ausgegeben, um einen Gastgeber von einer für Kost und Logis geforderten Bezahlung abzubringen. Das Paar war überzeugt, eine Nachricht von Jesus erhalten zu haben, verzichtete auf die Miete und überwies später sogar noch 35 000 Euro auf das Konto des Priesters.

Die angeklagten Taten fanden zwischen 1995 und 2016 statt, vor allem in Mainz und Deggendorf. Aber auch auf Urlaubsreisen und Pilgerfahrten auf die Insel Langeoog, nach Italien und Bosnien-Herzegowina sowie bei Aufenthalten in Österreich und der Schweiz. Der 53-Jährige wurde im September 2016 im Landkreis Deggendorf festgenommen und befindet sich inzwischen in einer psychiatrischen Klinik.

Die Anklage geht bei dem Mann von einer pädophilen Störung aus. Von ihm seien weitere Sexualstraftaten zu erwarten. Deshalb soll über eine dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie entschieden werden. Der Prozess wird am 9. Januar fortgesetzt.

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