Prozess Hofbräuhaus verklagt kleine Brauerei aus Aichach

Norbert Zandtner kann die Aufregung nicht verstehen. Sein Logo könne man höchstens "nach zehn Mass" mit dem des Hofbräuhauses verwechseln.

(Foto: Stefan Puchner)
  • Der Bierbrauer Norbert Zandtner aus Aichach nennt sein Produkt "Hinterhofbräu".
  • Das Staatliche Hofbräuhaus will ihn zur Änderung des Namens und des Logos zwingen.
  • Zandtner will den Rechtsstreit auskämpfen. Das könnte kostspielig werden.
Von Stefan Mayr, München/Aichach

Norbert Zandtner braut seit 2011 in einer ehemaligen Autowerkstatt im schwäbischen Aichach sein Bier, etwa 400 Hektoliter im Jahr. Er schenkt das Gebräu in seiner Kneipe Backyard aus. Den Rest liefert er an einen Getränkemarkt oder verkauft es direkt. Passend zum Standort tragen seine Firma und sein Produkt den Namen "Hinterhofbräu".

Das ging fünf Jahre lang gut, doch jetzt hat der 36-jährige Alleinunternehmer Zoff mit einem schier übermächtigen Gegner. Das Staatliche Hofbräuhaus aus München will ihn mit einer Klage dazu zwingen, seinen Namen und sein Logo zu ändern.

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Sollte Zandtner nicht nachgeben, muss er schlimmstenfalls bis zu 250 000 Euro Schadenersatz zahlen. Doch der Braumeister denkt nicht ans Aufgeben. "Eine Verwechslungsgefahr besteht doch höchstens nach zehn Mass Bier", sagt er. Sein Logo habe eine andere Farbe und keine Krone. "Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man ein rundes Logo mit drei Buchstaben mit einem ovalen Logo mit zwei Buchstaben verwechseln kann."

"Bewusste Irreführung des Marktes"

Das sieht man im Hause Hofbräu anders. Justiziarin Elisabeth Braun wirft Zandtner eine "bewusste Irreführung des Marktes" vor, weil die Käufer "glauben können", dass sein Bier "aus demselben oder wirtschaftlich verbundenen Unternehmen" stamme.

Norbert Zandtner beteuert, er habe sich bereits 2013 mit dem damaligen Hofbräu-Justiziar geeinigt. Nach Rücksprache mit ihm habe er extra das Gründungsjahr 2011 ins Logo genommen und "das obere H" vergrößert. Zudem habe man "sehr humane" Fristen abgemacht, sodass der Hinterhofbräu seinen Anhänger und seine Bierträger weiter nutzen durfte.

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"Mit dem früheren Justiziar konnte man noch reden", sagt Zandtner. Mit der neuen Justiziarin sei das nicht mehr möglich. Diese stellt die Vorgeschichte allerdings ganz anders dar: Hofbräu habe Zandtner mehrmals Angebote zur gütlichen Einigung gemacht. Darauf sei dieser aber nicht eingegangen.

Der Streit könnte für Zandtner teuer werden

Das Hofbräuhaus wurde anno 1589 gegründet und ist ein Unternehmen des Freistaates Bayern. Im Geschäftsjahr 2014 vermeldete es einen Bierausstoß von etwa 333 000 Hektolitern. 2014 fuhr die Brauerei nach eigenen Angaben ein "neues Rekordergebnis" ein - 3,7 Millionen Euro nach Ertragsteuern. Norbert Zandtner seinerseits spricht von einem Jahresumsatz "zwischen 60 000 und 70 000 Euro".

Seine Anwältin Stephanie Englert-Dougherty spricht von einem "Kampf David gegen Goliath", den sie "nicht nachvollziehen" kann. Hofbräu-Justiziarin Braun sagt: "Auch wenn die Brauerei in Aichach derzeit noch klein ist, ist es nicht absehbar, wie sich die Brauerei langfristig entwickelt."

Nun muss also das Landgericht München klären, ob eine Verwechslungsgefahr vorliegt - und damit eine Verletzung des Markenrechts. Norbert Zandtner gibt sich wild entschlossen, den Streit auszukämpfen. Das könnte für den Vater einer Tochter kostspielig werden. "Na und?", sagt er, "dann wird's halt teuer." Der Verhandlungstermin steht noch nicht fest. Schon fix ist dagegen, dass der kleine Hinterhofbräu jede Menge zusätzliche Aufmerksamkeit genießen kann. Dem großen Hofbräu sei Dank.

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