Prostitution in der Provinz Hochburg für bezahlte Liebe

"Puffstandort Nummer eins": Ausgerechnet im beschaulichen Amberg bieten überdurchschnittlich viele Prostituierte ihre Dienste an. Die Stadt setzt sich für Sperrbezirke ein. Die Polizei hingegen befürchtet, ein Verbot könnte die Frauen in die Illegalität treiben.

Von Wolfgang Wittl

Prostituierte machen während der Bauma ein gutes Geschäft.

(Foto: Florian Peljak)

Die Stadt Amberg wirbt mit vielerlei Vorzügen: mit ihrer reichen Geschichte, mit ihren schmucken Gotteshäusern, mit ihrer mittelalterlichen Ringmauer, die zu den besterhaltenen Deutschlands zählt. Eine Sache verschweigt das örtliche Tourismusbüro allerdings, obwohl Amberg auch hier zur absoluten Spitze zählt. Keine andere Stadt weit und breit hat eine derartige Dichte an erotischen Etablissements zu bieten, doch damit soll jetzt Schluss sein. Denn die Regierung der Oberpfalz wurde gebeten, einen Sperrbezirk zu erlassen - am besten für das gesamte Stadtgebiet.

Für Florian Fuchs ist der Fall klar: Amberg sei der "Puffstandort Nummer eins" in der Oberpfalz, sagt der SPD-Fraktionschef, dessen Partei sich zuerst für einen Sperrbezirk einsetzte. Etwa 60 sogenannte Arbeitszimmer beherbergt die Stadt, angesichts einer Größe von 43.500 Einwohnern ein erstaunlicher Wert. Das ähnlich große Neumarkt bringt es gerade mal auf eine Handvoll solcher Zimmer, Probleme laut Polizei dort: keine. In Amberg hingegen klagten Anwohner über Lärm von betrunkenen Freiern, die sich schon mal in der Türklingel irrten, oder über den Wertverlust ihrer Häuser, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft befinden. Im Sommer könne man sogar eindeutige Geräusche aus offenen Fenstern hören.

Weshalb ausgerechnet das beschauliche Amberg zur Hochburg für bezahlte Liebe avancierte, darüber kann nur spekuliert werden. Allein in den vergangenen eineinhalb Jahren sei die Zahl der Zimmer und Prostituierten um mehr als 50 Prozent angestiegen, sagt Rechtsreferent Bernhard Mitko. "Vielleicht hat es ja mit der Nachfrage zu tun", scherzt ein Mann aus Neumarkt. Oder mit der Lage. Amberg befindet sich im Herzen der Oberpfalz und verfügt über ein großes Einzugsgebiet, zumal die Nachbarstadt Weiden seit schon fast 20 Jahren keine Prostitution mehr duldet. Auch der nahe gelegene US-Truppenstützpunkt Grafenwöhr dürfte das Geschäft, das angeblich hauptsächlich zur Mittagszeit stattfindet, beflügeln. Einheimische seien eher nicht anzutreffen, heißt es.

Rechtsreferent Mitko hat der Regierung einen Antrag geschickt, der drei Wege bereithält. Oberstes Ziel ist es, die Prostitution aus der ganzen Stadt zu verbannen. Sollte das nicht gelingen, soll es einen Sperrbezirk um alle Schulen, Kindergärten und religiösen Gebäude geben - oder, als Minimallösung, zumindest in der Altstadt. Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer (CSU) ist der Ansicht, es komme nicht darauf an, Prostitution zu verbieten, sondern Wohnbereiche mit Kindergärten und Schulen zu schützen. Auch Elternvertreter sähen darin bereits einen großen Fortschritt.