Polizeifahnder im Internet Cybercops auf der Jagd nach Kinderpornos

Wenn Programmierer plötzlich auf Verbrecherjagd gehen: In Bayern haben sich Computerspezialisten von der Polizei zu Fahndern ausbilden lassen. Im Netz sollen sie Jagd machen auf Verbreiter von Kinderpornos und Gewaltvideos. Für die 52 Spezialisten ist das eine große Herausforderung.

Von Sarah Ehrmann

Alle zwei Sekunden wird irgendwo auf der Welt eine Schadsoftware ins Internet gestellt. Allein in Bayern hat die Kriminalität im Internet im vergangenen Jahr Schäden in Höhe von 29 Millionen Euro verursacht, die Wirtschaftskriminalität sogar 540 Millionen Euro. Die Polizei in Bayern hat auf diese bedenklichen Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik mit einem etwas unkonventionellen Konzept reagiert: 52 Computer- und Wirtschaftsspezialisten wurden innerhalb eines Jahres zu Polizeibeamten ausgebildet. Neun von ihnen werden am Montag ihren Dienst im Landeskriminalamt (LKA) in München antreten.

Es war die kribbelnde Spannung des Neuen, die Herausforderung, aber auch die ethische Verantwortung, die den jungen Mann lockte, seinen alten Job an den Nagel zu hängen. Einige Jahre lang hatte der 30-Jährige Fehler in Computersoftware gesucht und Anrufern neue Programme auf die Firmen-PCs gespielt. Nach der einjährigen Ausbildung, in der er Streife fuhr, schießen und die rechtlichen Grundlagen lernte, ist er nun Polizist im technischen Computer- und Internetkriminaldienst. Ein "Cybercop". Sein Wissen über IP-Adressen, Server und Netzwerkverbindungen nutzt der junge Mann, der seinen Namen nicht nennen darf, nun, um im Internet nach Kinderpornografie, Gewaltvideos und politisch motivierten Straftaten zu fahnden.

Wir haben ein Jahr lang sehnsüchtig auf diese Kollegen gewartet", sagt LKA-Präsident Peter Dathe über die fünf neuen Cybercops und die vier neuen Beamten mit Schwerpunkt Wirtschaftskriminalität. "Diese Arten von Kriminalität sind so ein komplexes Konstrukt, das schaffen wir nur im Schulterschluss mit der Industrie."

Für den 30-jährigen Cybercop beginnt eine aufregende Zeit: "Wir wurden im Praktikum an die Arbeit herangeführt", erzählt er. "Da lernt man, brutale Videos wissenschaftlich anzuschauen, sucht nach Hinweisen auf das Alter des Täters oder die Umgebung." Sein neuer Chef ist Bernhard Egger, der Leiter des Fahndungs- und Ermittlungsdienstes. Das Dezernat 524 "Netzwerkfahndung", in dem der junge Neu-Polizist arbeitet, kommt immer dann in den Schlagzeilen vor, wenn beispielsweise ein Kinderpornografie-Ring zerschlagen wurde.

Die Cybercops sind unerlässlich für die Arbeit im Dezernat, weil sie an kompliziert verschlüsselte Informationen gelangen können. "Sie müssen eine hohe Affinität zu Technik haben, abstrahieren können und sehr geduldig sein", sagt Egger. Oft ist es ein Puzzle, wenn die Beamten versuchen, die Identität eines Menschen herauszufinden, der im Internet einen Suizid oder einen Amoklauf ankündigt. Dann durchstöbern die IT-Spezialisten auch soziale Netzwerke wie Facebook und sammeln notwendige Informationen für ein Täterprofil.