Es wird eine Bewährungsprobe für CSU-Chef Erwin Huber und Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein: Die beiden Nachfolger von Edmund Stoiber stehen beim politischen Aschermittwoch dieses Jahr zum ersten Mal im Mittelpunkt.

Der Druck lastet schwer auf CSU-Chef Erwin Huber. Schon vor zwei Monaten hat er angefangen, "Skizzen zu sammeln" - wie er selbst sagte - für seine erste große Rede beim politischen Aschermittwoch in Passau.

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Bislang hat er nur als CSU-Generalsekretär und als niederbayerischer CSU-Bezirkschef in einer Nebenrolle auf der Bühne in der Passauer Dreiländerhalle gestanden. Doch nun muss er zeigen, ob er wirklich das Format seines Vorgängers Edmund Stoiber hat. Und das gilt auch für den neuen Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU) und dessen Rede in Passau.

Stoiber hängt die Erwartungen hoch: "Der politische Aschermittwoch in Passau ist der größte Stammtisch der Welt und die wichtigste CSU-Veranstaltung im ganzen Jahr." Tausende Parteianhänger "aus der ganzen Republik erwarten eine klare Ansprache", sagte Stoiber.

Auch aus dem niedersächsischen Peine wird wieder eine CDU-Delegation anreisen - zum 33. Mal in Folge. Doch während in besten Zeiten über 100 Getreue zur Schwesterpartei kamen, sind es heuer nur 35. Nach Angaben von Organisator Martin Olbrich wollen viele erst mal abwarten, wie die Neuen das so machen. "Stoibers Rhetorik werden sie natürlich nicht erreichen", ist für Olbrich schon jetzt klar. Der so Gelobte selbst wird ebenfalls unten im Publikum sitzen und beobachten, ob Huber und Beckstein es schaffen, die Basis mitzureißen.

Die neuen CSU-Granden werden die Veranstaltung wohl auch als Testfeld für verschiedene Themen im Landtagswahlkampf nutzen. Es geht um den Spagat zwischen konservativem Weltbild und sozialer Verantwortung. Die für die CDU verheerende Landtagswahl in Hessen hat gezeigt, was passiert, wenn die Union das Soziale vernachlässigt.

Huber und Beckstein werden in Passau auch die bundespolitischen Themen spielen - angesichts der Schwierigkeiten in der großen Koalition nach dem "Linksruck der SPD", wie es bei der CSU abfällig heißt.

Der SPD-Bundesvorsitzende Kurt Beck wird zu diesem Thema sicherlich einiges zu sagen haben bei seinem Aschermittwochsauftritt nur wenige Kilometer von Passau entfernt in Vilshofen. Auch im vergangenen Jahr war der rheinland-pfälzische Ministerpräsident schon der Hauptredner bei der kleineren Konkurrenzveranstaltung der bayerischen Genossen.

Die Grünen bieten parallel in Passau die aus Augsburg stammende Bundesvorsitzende Claudia Roth, während die Liberalen ihren Chef Guido Westerwelle nach Niederbayern locken konnten. Abgerundet wird der Aufmarsch bundespolitischer Prominenz durch Linke-Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi in Tiefenbach, ein wenig außerhalb Passaus.

Doch die meiste Aufmerksamkeit liegt auch dieses Jahr wieder bei der Veranstaltung der CSU. Vor einem Jahr hatte die damalige CSU-Rebellin Gabriele Pauli ihrem Gegner und Hauptredner Edmund Stoiber noch die Show gestohlen. Doch inzwischen sind beide Geschichte. Wenngleich Stoiber zumindest weiterhin zum Aschermittwoch kommen darf. "Ich komme seit fast 30 Jahren nach Passau und werde auch als Ehrenvorsitzender dieser großen Traditionsveranstaltung der CSU die Treue halten", sagte Stoiber. Er habe die Einladung nach Niederbayern "gerne" angenommen.

Doch reden wird er dort nicht. Seine Sicht der politischen Lage wird er erst am Abend in seinem eigenen CSU-Ortsverband in Geretsried in Oberbayern erläutern. "Dort bin ich zu Hause und mache eine Aschermittwochskundgebung, wie es Dutzende in Bayern und in ganz Deutschland gibt", sagte Stoiber und fügte hinzu: "Ich komme von der Basis und bin wieder bei der Basis, da wo ich mich wohlfühle und hingehöre." Für seine Nachfolger an der Spitze könnte sein Auftritt zum Gradmesser werden.

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(ddp-bay/Ulrich Meyer)