Um den barocken Freiluftaltar mit den Marienbildern hat sich eine Hundertschaft von Seminaristen, Priestern, Bischöfen und Ministranten versammelt. Die Frauen unter den Besuchern des Gottesdienstes tragen sehr züchtige Röcke und bedecken sich den Kopf mit Tüchern. Auch die Schülerinnen des Mädchengymnasiums in Schönenberg bei Bonn haben ihre blauweißen Uniformen angelegt, die von allen Moden verschont geblieben sind. Neben den sechs Sonnenschirmen im hinteren Teil des Parks bilden sich lange Warteschlangen - hier besteht die Möglichkeit zur Beichte, denn die Sündhaftigkeit des Menschen treibt die Piusbruderschaft ebenso um, wie die in ihre Augen sehr reale Gefahr, nach dem Tod in der Hölle zu schmoren.

Anzeige

Sakrilegisches Gift

So wirkt sie ein bisschen wie aus der Zeit gefallen, die Priesterweihe. Aber das ist auch so gewollt. Weihbischof Alfonso de Galarreta aus Argentinien sagt es in seiner einstündigen Predigt ganz deutlich: Die Heilige Messe sei die Grundlage der christlichen Zivilisation. Aber nicht irgendeine Heilige Messe, sondern nur die einzig wirklich gültige, nämlich die tridentinische Liturgie in lateinischer Sprache, wie sie bis zum II. Vatikanischen Konzil alleine üblich war.

Alles, was danach kam, ist in den Augen der Piusbrüder für den Glauben ein sakrilegisches Gift. Deshalb sei es zwar eine schöne Geste von Papst Benedikt XVI., dass er die alte Liturgie ausdrücklich wieder zugelassen habe. Allein, das reiche nicht aus: Die Bruderschaft beharrt darauf, dass das II. Vatikanische Konzil in wesentlichen Teilen wieder rückgängig gemacht wird - mit seiner Öffnung zur modernen Welt, dem Bekenntnis zur Religionsfreiheit und der ganzen liberalen Freimaurerei. "Wenn die Kirche so weitermacht, dann ist sie in 15 oder 20 Jahren nicht mehr da", sagt Fellay in Zaitzkofen und bietet dem Vatikan die Hilfe seiner Bruderschaft an. Man wolle doch nur Seelen retten.

Für den Herbst hofft er nun auf den Beginn der Gespräche mit dem Vatikan über den künftigen Status der Piusbruderschaft innerhalb der katholischen Kirche. Eine sehr komplizierte Angelegenheit sei das. Die Priesterweihe vom Samstag, sagt Fellay, sei im übrigen vom Papst keinesfalls verboten worden: "Es ist politisch toleriert." Noch am Sonntag schwieg Rom zur Weihe von Zaitzkofen, obwohl für den heutigen Montag bereits die nächste Priesterweihe in der Schweiz angekündigt ist.

Ein Grund für die Zurückhaltung dürfte auch sein, dass die Piusbruderschaft zu beachtlicher Größe herangewachsen ist: Sie stellt nunmehr 500 Priester und versammelt weltweit etwa 600.000 Anhänger hinter sich. Vor allem aber steht sie mit ihren Ansichten dem konservativen Klerus viel näher als katholische Reformchristen, die am Zölibat herumnörgeln und ökumenische Gottesdienste feiern wollen.

"Ich glaube, dass der Heilige Geist auch den Heiligen Vater führt", sagt Fellay, der sonst ganz auf Mariens Hilfe vertraut. Erst vor wenigen Wochen hat er das Projekt "Gebetssturm" in Angriff genommen, "eine weitreichende Offensive", die belegt, dass sich Schwerfrömmigkeit und Sportsgeist nicht ausschließen: Es geht um die Liebe Frau von Fatima und die Ausbreitung der Andacht zu ihrem schmerzhaften und Unbefleckten Herzen. Um dies zu befördern, soll die Anhängerschaft zwölf Millionen Rosenkränze beten. Ein entsprechendes Formular kann aus dem Internet geladen werden. Zwölf Millionen - auf dass Maria sich erbarme.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. Gelobt sei der Starrsinn
  2. Sie lesen jetzt Wie aus der Zeit gefallen
Leser empfehlen 

(SZ vom 29.06.2009/dmo)