Phil Herold und die Stars "Phil the Thrill"

Die Karriere des Phil Herold begann, als er in München seinen 20. Geburtstag feierte. In einem Hotel lernte er die Jazzmusiker Branford Marsalis, Jeff Watts und Eric Revis kennen. "Diese Nacht sollte alles verändern", erinnert er sich. Das Trio nahm ihn zu einem Konzert nach Burghausen mit, danach verlegten die Musiker ihre After Show Session von einem für Phils Rollstuhl ungeeigneten Jazzkeller kurzerhand nach Tann. Als ihr neuer Freund im Sommer nach New York kommt, führen sie ihn in das dortige Nachtleben ein. Phil Herold, der charmante Exot im Rollstuhl, dockt mit Erfolg an die New Yorker Kulturszene an. "Phil the Thrill" nennen sie ihn dort. Der Pop-Art-Künstler und Galerist Michael Perez stellt die ersten Herold-Bilder aus.

Von da an geht es Schlag auf Schlag. Bald sind seine Werke in Los Angeles und in Berlin zu sehen. Mehrmals kehrt Herold nach Amerika zurück, lernt Weltstars wie die Red Hot Chili Peppers, Oliver Stone, Eric Clapton und Carlos Santana kennen, darf ihre Konzerte hautnah hinter der Bühne verfolgen. Er beeindruckt selbst die abgebrühten Rolling Stones. Als diese 2006 im Münchner Olympiastadion gastieren, besuchen Keith Richards und Ron Wood zwischen Soundcheck und Auftritt eine Herold-Ausstellung in der Philharmonie und kaufen zwei Bilder. Nach dem Konzert darf Phil im engsten Kreis mit den Stones mitfeiern.

Der Künstler nützt dieses Privileg für Aktionen, welche die Welt ein bisschen besser machen sollen. Der Erlös seiner Bilder fließt in wohltätige Stiftungen. Er unterstützt damit zum Beispiel die "Aktionsgemeinschaft Kind in Not" im Rottal, von der er einst als behindertes Kind betreut wurde. Ein Teil fließt in die Franz Beckenbauer Stiftung zur Unterstützung körperlich und geistig behinderter Menschen. Der restliche Erlös geht an die von ihm 2010 in Kalifornien gegründete Phil L. Herold "Forever begins Foundation" zur Erforschung der Spinalen Muskelatrophie und anderer seltener Muskelkrankheiten.

Seinen 30. Geburtstag feierte Phil in Los Angeles. In Amerika fühlt er sich glücklich, auch wenn ihn diese Reisen wegen des Liegeplatzes im Flieger enorm viel Geld kosten. "Dort lieben mich die Menschen", sagt er, "und die Nächte am Sunset sind unschlagbar. Hier fühle ich mich zuhause." In Amerika entstand auch die Idee zu seinem neuen Projekt, seinem ambitioniertesten überhaupt, denn "es ist Zeitverschwendung, etwas Mittelmäßiges zu tun!" "The Skills Project" nennt Herold dieses Vorhaben, bei dem er mit einer Spezialkamera große Persönlichkeiten fotografieren will, und zwar in einem Kontext, der exemplarisch für ihr Leben und ihren Erfolg steht. Franz Beckenbauer wird seinen ersten Spielerpass mitbringen, Mick Jagger seinen ersten Plattenspieler. Die Liste der Stars, die zugesagt haben, enthält Namen wie Kanye West, Michelle Obama, Kevin Costner, Mark Zuckerberg, Bill Gates, Campino und Wladimir Klitschko.

In München ist es ein Leichtes, auf Phil Herolds Bilder zu stoßen. In einem großen Schaukasten an der Wand des Eiscafés Ballabeni in der Theresienstraße sind sie täglich 24 Stunden zu sehen. Aber nur wenige Passanten nehmen davon Notiz, vielleicht sind ihre Blicke abgestumpft von den schreienden Bildern der Konsumwerbung. In Amerika gefeiert, wird Phil Herold in München noch ignoriert.

Es ist Nacht geworden. Phil the Thrill fährt zurück nach Tann, den Kopf voller Hoffnungen. 2013 soll sein Jahr werden - nicht nur in Amerika. Beim Abschied sagt er: "Mehr zu schaffen, als ich mir zugetraut habe, ist ein großartiges Gefühl!"