Personalmangel in der Altenpflege Menschenwürdige Pflege ist unmöglich

Länger bestehende Häuser leiden unter der höheren Personalfluktuation, die ein teurer Standort mit sich bringt. Die wirkt sich wegen der ungünstigen Bedingungen ganz besonders verhängnisvoll aus, wie die städtische Beschwerdestelle für den Altenpflegebereich in ihrem letzten Bericht vermerkt hat: "Die Leistungen der Pflegeversicherung geben einen sehr engen Personalrahmen vor, der an vielen Stellen das Pflegepersonal an die Grenzen ihre physischen und wie psychischen Belastbarkeit führt."

Zu wenig Zeit, zu wenig Geld, zu wenig Fachkräfte: Das Personal in vielen Pflegeeinrichtungen ist hoffnungslos überlastet.

(Foto: dpa)

Mit anderen Worten: Selbst wenn alle Stellen besetzt sind, ist das Personal schon stark gefordert. Fallen Mitarbeiter krankheitsbedingt aus, oder ist eine Stelle nicht sofort nachzubesetzen, weil Personal schwer zu finden ist, kann sich die Situation in einem Heim ganz schnell zuspitzen.

Kurzzeite Aushilfen kosten Zeit

Aushilfen, die oft mit Hilfe von Zeitarbeitsfirmen eingesetzt werden, um die Lücken zu schließen, müssen erst eingearbeitet werden, sie kennen die Bewohner nicht. Für das verbliebene Stammpersonal aber bedeute es noch mehr Belastung, neue Kräfte einzuweisen und zu begleiten, betont Groth. Dadurch beschleunigt sich der Niedergang oft weiter, denn so kommt es zu weiterer Personalfluktuation: Gute Pflegekräfte verlassen das Haus. Andererseits sind Heimträger gezwungen, sogar Pflegekräfte zu halten, wenn ihre Leistungen eigentlich zu wünschen übrig lassen, weil sie sich ihr Personal angesichts des leer gefegten Arbeitsmarktes kaum aussuchen können.

Denn kann ein Träger die vorgeschriebene Fachkraftquote von mindestens 50 Prozent nicht einhalten, verhängt die Heimaufsicht in aller Regel einen Aufnahmestopp für neue Bewohner, damit die vorhandenen Mitarbeiter weniger Bewohner zu betreuen haben. Wenn aber Heimplätze monatelang unbelegt bleiben, kostet dies den Träger viel Geld. Ohnehin befinde sich bei den meisten Heimen die Fachkraftquote nur mehr ganz knapp über dem gesetzlichen Mindestmaß. "Das ist zwar in Ordnung, aber wir würden uns wünschen, dass sie deutlich darüberliegt", sagt Groth.

Es wird geschönt, gelogen und verschwiegen

Die Defizite seien alle längst bekannt und würden dennoch immer wieder beschönigt, etwa wenn Politiker oder Vertreter der Kostenträger Heime besuchen, meint der Pflegekritiker Claus Fussek, der seit Jahrzehnten die Missstände thematisiert. Zunehmend erhält er Post von verzweifelten Pflegekräften. Die Soll-Stärke des Personals sei von den Kostenträgern viel zu eng berechnet, "um eine menschenwürdige Pflege zu gewährleisten", haben ihm fünf Altenpflegerinnen geschrieben.

So wissen auch sie sich nicht anders zu helfen, als Leistungen mit Handzeichen abzuzeichnen, obwohl jeder wisse, "dass die dokumentierten Tätigkeiten zu einem großen Teil nur auf dem Papier stattfinden". In keinem Bereich werde "so viel geschönt, gelogen und verschwiegen, wie in der Altenpflege", lautet das Fazit. Es sei schon grotesk, sagt Fussek, dass viele Funktionäre der Pflegebranche zwar immer wieder die schlechten Rahmenbedingungen beklagen, aber gleichzeitig behaupten, gute Pflege zu leisten.