Interview: Christian Sebald

Gabriele Pauli prophezeit ihrer früheren Partei ein weiteres Debakel - wenn sie sich nicht endlich ändert. Sie sitzt inzwischen für die Freien Wähler im Landtag.

Die ehemalige CSU-Rebellin Gabriele Pauli hat die Intrigen und Machtkämpfe in der Partei hautnah erlebt. Inzwischen gehört die 51-Jährige für die Freien Wähler dem Landtag an. Demnächst wird sie wohl als deren Spitzenkandidatin für die Europawahl nominiert.

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Gabriele Pauli von den Freien Wählern (© Foto: dpa)

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SZ: Erst die Platzierung von Monika Hohlmeier als Europakandidatin in Oberfranken, danach das Mobbing von Ministerpräsident Horst Seehofer gegenüber Wirtschaftsminister Michael Glos. Ist das der neue Stil der CSU in Personalfragen?

Pauli: Nein, solche schnellen, einsamen Entscheidungen haben eine lange Tradition in der CSU. Sowohl bei Monika Hohlmeier als auch bei den Differenzen zwischen Michael Glos und Horst Seehofer hätte zumindest der engere Führungskreis eingeschaltet werden müssen, besser noch die gesamte Parteibasis. Das war nicht der Fall. Insofern ist das kein Stil, das sind lauter Stilbrüche.

SZ: Die CSU-Basis murrt schon seit längerer Zeit. Wie lange lässt sie sich das Treiben ihrer Führung noch gefallen?

Pauli: Seehofer hat mehrfach die Solidarität innerhalb der Partei beschworen. Solidarität ist aber kein Wert für sich. Sie bildet sich nur, wenn die Basis überzeugt ist, dass die Führung richtig handelt. Fehlt diese Überzeugung, wird Solidarität schnell brüchig.

SZ: Ist die Solidarität in der CSU am Bröckeln?

Pauli: Die Erosion der CSU hat schon vor Jahren unter Stoibers einsamen Entscheidungen eingesetzt. Sie geht nun weiter. Das Netzwerk aus Machtworten, persönlicher Einflussnahme und Druck funktioniert immer weniger. Irgendwann braucht es nur einen Tropfen, dann läuft das Fass über. Das war jetzt so bei der Landtagswahl.

SZ: Empfinden Sie Schadenfreude, wenn Sie auf den momentanen Scherbenhaufen in der CSU sehen?

Pauli: Nein. Denn es steht ja dahinter, dass vielen Wählern Versprechungen gemacht wurden, die die CSU nicht eingehalten hat. Dadurch ist ein großer politischer Schaden entstanden. Darüber kann sich keiner freuen.

SZ: Können Internetabstimmungen über Parteiämter, wie das Ex-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg vorgeschlagen hat, der CSU helfen? Sie wollten Ähnliches und wurden belächelt.

Pauli: Nur wenn sie ernst gemeint sind. Bei den Basisversammlungen, die Guttenberg im Herbst gemacht hat, sind die Mitglieder an der Nase herumgeführt worden. Erst hat man sie besänftigt, dann hat man ihnen von oben herab Monika Hohlmeier vorgesetzt. In der CSU herrscht das alte System der Angst, in dem sich keiner etwas zu sagen traut, weil er sonst seine Karriere gefährdet. Wenn die Guttenbergs, die Dobrindts und wie sie alle heißen oben angekommen sind, sind sie abgeschliffen wie Kieselsteine.

SZ: Die Freien Wähler sind weiter im Aufwind, jetzt wollen Sie ins Europaparlament einziehen, wahrscheinlich mit Ihnen als Spitzenkandidatin. Wie wird die CSU bei der Europawahl abschneiden?

Pauli: Ich rechne fest damit, dass wir Freien Wähler die Fünf-Prozent-Hürde schaffen. Die CSU dagegen wird es schwer haben, sehr schwer.

SZ: Das glauben Sie doch selbst nicht. In Nord- und in Ostdeutschland sind die Freien Wähler kaum vertreten. Die CSU liegt auch nach dem Verlust ihrer absoluten Mehrheit in Bayern deutlich über 40 Prozent.

Pauli: Es gibt immer mehr Bürger, die den Stil und die Politik der etablierten Parteien nicht mehr wollen, wo es überwiegend um die Absicherung von Posten geht. Wir Freien Wähler sind die einzige politische Alternative zu den etablierten Parteien.

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(SZ vom 10.02.2009/gdo)