Olympia: Letztes Grundstück gesichert Freie Fahrt auf der Kandahar

Erfolg für die Münchner Olympia-Bewerbung: Kurz vor der entscheidenden Präsentation vor dem IOC in Lausanne konnte das letzte Teilstück der Kandahar-Abfahrt für die Winterspiele in Bayern gesichert werden.

H. Effern, P. Fahrenholz, K. Riedel u. M. Szymanski

Die Münchner Olympiabewerber gehen voller Optimismus in den Endspurt um den Zuschlag für die Winterspiele 2018. Einen Tag vor der letzten wichtigen Präsentation der drei Kandidaten vor dem Internationalen Olympischen Komitee in Lausanne können sie vermelden, dass der Grundstücksstreit an der Garmisch-Partenkirchener Kandahar gelöst ist. Der Besitzer einer etwa 3500 Quadratmeter großen Wiese direkt vor dem Ziel der Abfahrtsstrecke stellte am Dienstag sein Land für Winterspiele definitiv zur Verfügung.

"Wir sind jetzt mit dem nötigen Rückenwind unterwegs, wir verfügen über die nötigen Grundstücke", sagt Marcel Huber, Chef der bayerischen Staatskanzlei, die für die Bewerber die Verhandlungen voranbrachte. "Wir sind alle sehr erleichtert", sagte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD). Es stehe "jetzt fest, dass hundertprozentig alle Sportflächen zur Verfügung stehen."

Den notariellen Vertrag handelten die Rechtsanwälte Alfred Sauter für die Bewerber und Walter Labbé für die Grundstückseigentümer aus. Er wurde am Dienstagmittag in einer Kanzlei in der Münchner Theatinerstraße unterschrieben. Das monatelange Gezerre um das Grundstück sei im "olympischen Geist, im gegenseitigen Respekt und im gegenseitigen Verständnis" für die Bedeutung der Olympischen und Paralympischen Winterspiele sowie die Interessen des Grundeigentümers beendet worden, schrieben Sauter und Labbé in einer gemeinsamen Erklärung.

Die entscheidenden Gespräche fanden am 13. Mai statt, kurz nachdem die Evaluierungskommission des Internationalen Olympischen Komitees ihren Prüfbericht herausgegeben hatte. Darin wurde vermerkt, dass in Garmisch-Partenkirchen unter anderem noch das betreffende Grundstück fehlte - als einziges wirklich unverzichtbares von 16 fehlenden Grundstücken.

Mit der Lösung für die Kandahar-Abfahrt im Gepäck kann die neunköpfige Münchner Delegation um Katarina Witt, Bernhard Schwank, Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und den Münchner OB Christian Ude am Mittwochvormittag beruhigt die kritischen Fragen der IOC-Mitglieder beantworten. "Damit steht sieben Jahre vor einer möglichen Ausrichtung unser optimales Angebot an das IOC für erfolgreiche Olympische und Paralympische Winterspiele 2018 in Deutschland", sagte Bernhard Schwank, Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft.

Die Einigung mit dem Grundstückseigentümer kommt spät, aber nicht überraschend. Schon lange war klar, dass der Garmischer kein fundamentaler Gegner Olympischer Spiele ist, sondern eigene Interessen vertritt. Sein Anwalt fasste die Ziele seines Mandanten einmal so zusammen: Der Sohn wolle im Mai 2011 heiraten und mit seiner Frau in sein Haus neben der Skipiste einziehen. Dafür müsse man die bestehende Garage in eine Wohnung umbauen.

Die rechtliche Genehmigung dafür und die Legalisierung eines Schafstalls, der auf Basis einer mündlichen Genehmigung der Gemeinde errichtet worden sei, sei Bedingung für eine olympische Abfahrt über sein Grundstück. Inwieweit es nun den Behörden gelungen ist, etwas, das bis jetzt als rechtswidrig angesehen wurde, nun zu genehmigen, darüber schweigen sich beide Seiten aus.

Einig waren sich Rechtsexperten der Befürworter und Gegner aber darüber, dass das Grundstück an der Kandahar eine enorme Bedeutung besaß. "Ohne die Genehmigung wäre die Bewerberseite in Lausanne nackt dagestanden", sagt Anwalt Ludwig Seitz aus der Kanzlei Labbé, der den Eigentümer bisher vertreten hat.

Die Verhandlungen sollen wegen der starken Position des Grundbesitzers äußerst schwierig gewesen sein. "Wir wollten einen gerechten Lastenausgleich", sagte Staatskanzleichef Huber. Damit könnten finanzielle Anreize gemeint sein, aber auch die lange gewünschte Baugenehmigung. Bei einem Scheitern der Verhandlungen wäre den Bewerbern nach Meinung von Experten nur der Weg über eine Enteignung geblieben.

Ob diese rechtlich durchsetzbar gewesen wäre, ist unklar. Möglicherweise hätte es sogar eines Sondergesetzes bedurft, was in Garmisch-Partenkirchen aber hohe Wellen erzeugt hätte. Erinnerungen an die Winterspiele von 1936, als sich die Nationalsozialisten ebenfalls der Enteignung bedienten, wären wohl hochgekommen.

Für die anderen fehlenden Flächen in Garmisch-Partenkirchen bedeute die Einigung im Falle der Kandahar aber nichts, betonte Anwalt Seitz. Die Olympia-Gegner sind allerdings enttäuscht, dass sie ihren stärksten Trumpf verloren haben. "Das ist natürlich schade, aber nach den Erfahrungen der Ski-WM haben wir immer gewusst: Wenn es zu einer Einigung kommt, dann kurz vor der technischen Präsentation in Lausanne. Die Bewerbungsgesellschaft ist eine kleine Stufe weiter. Ich glaube aber nicht, dass das ausreicht, um international das Bild zu hinterlassen, die Grundstücksfrage sei geklärt", sagte Ludwig Hartmann, Sprecher der Organisation "Nolympia". Zu fragen sei jetzt: Bekommt der Grundstückseigentümer die Gegenleistung in jedem Fall oder nur, wenn der Zuschlag erfolgt? In jedem Fall, heißt es aus seiner Kanzlei.

Die technische Präsentation der Münchner Olympiabewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018 in Lausanne an diesem Mittwoch gilt als eine wichtige Marke auf dem Weg zur Entscheidung der IOC-Vollversammlung am 6. Juli. Dann wird in Durban abgestimmt, ob München oder die Konkurrenz - das südkoreanische Pyeongchang oder Annecy - die meisten Stimmen auf sich vereinen kann. Auch die deutschen IOC-Mitglieder Claudia Bokel und Walther Tröger sowie die Biathlon-Olympiasiegerin Magdalena Neuner sind nach Lausanne mitgereist.

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