Olympia 2018 Klein, aber glücklich

Der Durchbruch ist geschafft: In Garmisch-Partenkirchen ist offenbar jeder froh über den Olympia-Kompromiss. Selbst die örtliche CSU erwägt jetzt, der abgespeckten Planung zuzustimmen.

Von H. Effern und K. Riedel

Den ganz großen Wurf hat die "Lösung der Vernunft" abgelöst. Das sagt Thomas Grasegger, und der muss es wissen. Monatelang hat Grasegger im Namen vieler alteingesessener Garmischer und Partenkirchener im Auftrag von neun Vereinen mit Sportfunktionären und Politikern, vor allem mit Staatskanzleichef Siegfried Schneider (CSU) verhandelt. Über den tiefen Graben, der Olympiaskeptiker und Befürworter anfangs trennte, scheint jetzt eine Brücke möglich, ruhend auf dem Fundament des kleinsten gemeinsamen Nenners von Kritikern und Planern.

Olympia in Garmisch würde demnach weit kleiner als geplant, weil das Olympische Dorf in einer abgespeckten Version errichtet würde und große Teile des Mediendorfes in einer Kaserne in Murnau angesiedelt werden sollen. Der Grüngürtel zwischen Ort und Bergen soll geschont werden, weit weniger Grundstückseigentümer, als ursprünglich geplant, müssten ihr Land hergeben. Und diejenigen, die für Sportstätten und Parkplätze ihre Unterschrift unter den Gestattungsvertrag mit der Bewerbungsgesellschaft setzen sollen, könnten dies nun doch tun, ohne das Gefühl zu haben, die Zukunft ihres Ortes aufs Spiel zu setzen.

Noch in dieser Woche sollen die Vereinsvertreter, die diesen Konsens erstritten und mit Staatskanzleichef Siegfried Schneider (CSU) ausgehandelt haben, die weiteren Pläne für Sportstätten, Zufahrtswege und Parkplätze bekommen. "Wir werden uns zusammensetzen und die Pläne gemeinsam anschauen", bestätigt Josef Glatz, Chef der Garmischer Weidegenossenschaft, die lange Zeit erbitterten Widerstand geleistet hat und eine eigene gemeinschaftlich genutzte Weidefläche nun doch nicht hergeben muss. "Wir haben wesentliche Ziele durchsetzen können", so Glatz, "jetzt schauen wir deshalb einmal, wie wir Minister Schneider helfen können, dass er die Grundstücke für die Sportstätten und Parkplätze zusammenbringt." Glatz' Stimme klingt weit entspannter als in den Wochen des großen Sturms, der aus Garmisch blies und die Münchner das Fürchten lehrte.

Nun geht es für die Bewerbungsgesellschaft darum, die neue Planung so schnell wie möglich zu Papier zu bringen. Das sogenannte Eckdatenpapier, in dem die wichtigsten Punkte der Bewerbung enthalten sind, soll am 6. Oktober im Gemeinderat beschlossen werden. Obwohl der Garmischer Bürgermeister Thomas Schmid (Christlich Soziales Bündnis) in den vergangenen Wochen keinen wesentlichen Einfluss mehr auf die Verhandlungen hatte, wird seine Mehrheitsfraktion wohl dem jüngsten Kompromiss zustimmen. "Wir werden das so akzeptieren", sagte der Fraktionsvorsitzende des CSB, Peter Samstag, im Gemeinderat. Bürgermeister Schmid sprach am Montag von einem "großen Gewinn".

Der dritte Bürgermeister Hannes Krätz, Fraktionschef von Schmids Partnern, den Freien Wählern, findet die "Einigung auf diesen Kompromiss" begrüßenswert. Eine Lösung auf breiter Ebene sei positiv, die werde seine Fraktion auch im Gemeinderat mittragen. Sollten nun die großen Neubaupläne für eine Mehrzweckhalle oder ein Kongresshaus nicht mehr möglich sein, könnte er auch damit leben. "Wenn wir die Sanierung des Bestands gut hinbekommen, ist das genauso gut."

Wohl auch, weil Garmisch jetzt doch kräftig von diesem Kompromiss profitieren dürfte: Denn sollten die Olympischen Winterspiele 2018 nach Garmisch kommen, könnten dringende Sanierungsfälle aufpoliert werden. Sorgenkinder wie das aus energetischer Sicht völlig veraltete Eisstadion, das die Gemeinde jährlich zwei Millionen Euro kostet, das Alpspitzbad und die alte Kongresshalle sollen dann mit einem ordentlichen Zuschuss aus der Kasse des Freistaates saniert werden - eine Lösung, die Thomas Grasegger, der Sprecher der Interessengemeinschaft, als "Lösung der Vernunft" bezeichnet.

Die CSU-Fraktion kann nun laut Fraktionssprecherin Elisabeth Koch "erstmals darüber nachdenken, ob Olympia für uns zustimmungsfähig ist. Momentan sieht sie den Weg dazu aber noch blockiert, weil der Gemeinderat für das Eissportzentrum schon ganz andere Pläne verabschiedet habe: eine neue Mehrzweckhalle und ein neues Kongresszentrum. "Dieser Beschluss müsste als erstes aufgehoben werden."

Auch Michael Rapp (CSU), der Bürgermeister von Murnau, gehört noch lange nicht zu den begeisterten Hurra-Rufern. In seiner Gemeinde soll, so hat er es selbst am Samstag erfahren, ein Großteil der Journalisten ziehen, und zwar auf das Gelände der Bundeswehr. "Für uns ist jetzt wichtig, sicherzustellen, dass die Kaserne nach den Winterspielen nicht plötzlich weg ist", sagt er im Hinblick auf die anstehende Bundeswehrreform. Gleiches gelte für das Gestüt Schwaiganger, das dem Land Bayern gehört. "Das hat für uns überregionale Bedeutung. Noch werde der Standort Murnau erst einmal geprüft. "Wir warten erst mal, was herauskommt, da wurde ja schon viel geprüft." Sein Ort sei nur ins Spiel gebracht worden, weil die Verhandlungen in Garmisch-Partenkirchen gescheitert seien. "Wir haben uns nicht freiwillig gemeldet."

Die Olympiagegner erkennen an, dass die Bewerbung einen Schritt nach vorne gemacht hat: "Wir werden weiterhin gegen Olympia kämpfen, sind uns aber bewusst, dass es jetzt schwieriger wird: Die Gegenseite hat wieder den Kopf aus dem Wasser gereckt", sagte der Grünen-Landtagsabgeordnete Ludwig Hartmann, einer der Sprecher des Bündnisses NOlympia. Offen sei für ihn die Frage der Finanzierung, die nach wie vor nicht gesichert sei.