Oktoberfest: Tester unterwegs Es geht um die Wurst

Wer meint, das Oktoberfest sei nur ein großer Spaß, der irrt. Mit großem Ernst wird die Qualität des Essens überwacht. Die alles entscheidende Frage: Wer macht die beste Wiesn-Wurst?

Von Cordula Sailer

Auf acht silbernen Tabletten sind sie angerichtet und durchnummeriert - die Schweinsbratwürstl, die sich den kritischen Gaumen der Wurstprüfungskommission stellen müssen. Rein äußerlich sind allerdings keine großen Unterschiede zu erkennen. Alle sehen aus, wie gute Würste aussehen müssen: kross gebraten mit einer leicht bräunlichen Kruste.

"Und doch gibt es große Unterschiede", sagt Heidrun Schubert von der Verbraucherzentrale Bayern. Sie gehört zu den Testern, die heute im Festzelt der historischen Wiesn acht verschiede Sorten Schweinsbratwürstel aus Wiesenzelten und Wurstbratereien kosten dürfen. Experten vom Fach sowie verschiedener Verbraucherorganisationen bewerten die Bratwürstel nach gründlichem Kauen auf Geruch, Geschmack, Aussehen sowie Konsistenz.

Getestet wird ohne Bier und ohne Senf

"Eine Bratwust muss kräftig schmecken. Mit Majoran und Pfeffer, und kross gebraten muss sie sein", erklärt Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle, Leiter der Wurstprüfungskommission. Und eigentlich gehöre auch noch ordentlich Senf dazu. "Aber das dürfen wir hier ja nicht", scherzt Blume-Beyerle. Denn getestet wird die Wurst ohne Beilage - und zu trinken gibt es nicht etwa Wiesnbier, sondern Wasser. Immerhin aus dem Steinkrug.

Doch was die perfekte Schweinsbratwurst ausmacht, darüber scheiden sich die Geister: Die einen wollen wenig Salz, die anderen viel Pfeffer oder Majoran. Und die nächsten so wenig Zwiebel wie möglich. "Zum Teil wurden sehr viel Kräuter, Gewürze und auch Zwiebeln verwendet. Ich hätte mir mehr Fleischgeschmack gewünscht", klagt Barbara Schalch vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim.

Wenn man die Tester an den sieben Biertischen genau ansieht, scheint Wurst-Probieren wahre Schwerstarbeit zu sein: Es wird gekaut, mit Wasser nachgespült und angestrengt über dem Bewertungsbogen gebrütet - viel Zeit bleibt nicht, bis das nächste Würstchen auf dem Teller landet.

Der wahre Kenner schneidet die Bratwust erst einmal auseinander und fällt ein erstes Urteil bereits vor dem Reinbeißen: "Zuerst schaue ich mir das Äußere an. Da kann man schon auf die Konsistenz schließen und die Gewürze sehen", weiß Philipp Reiners, Geschäftsführer des Verbandes der bayerischen Fleischwarenindustrie.

Die Bewertung "sehr gut" hat zwar diesmal keine der Wiesnwürste bekommen, doch alles in allem lässt sich nicht viel motzen: Sechs der acht Würstl wurden mit "gut" benotet, nur zwei bekamen ein "zufriedenstellend". Mit 16,46 von 20 Punkten hat dieses Jahr schließlich das Schützenfestzelt das Rennen gemacht, dicht gefolgt vom "Bräurosl" und der Wurstbraterei Wallner.

Und Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl ist sicher: "Der Geschmack der Würste hat sich über die Jahre verbessert." Na dann: Mahlzeit.