Oberfranken Stadt kauft Wirtshaus, damit NPD-Funktionär nicht Gastwirt wird

Geranien stehen keine mehr auf den Fensterbrettern des Gasthofs Polster, die Wirtschaft ist zurzeit geschlossen.

(Foto: Immanuel Giel/Wikimedia commons)
  • Die oberfränkische Stadt Waischenfeld wehrt sich dagegen, dass ein NPD-Funktionär aus Baden-Württemberg einen leerstehenden Gasthof kauft.
  • Die Kommune im Landkreis Bayreuth will das Wirtshaus nun selbst erwerben - obwohl ihr finanzieller Spielraum begrenzt ist: Waischenfeld ist auf Stabilisierungshilfe angewiesen.
Von Claudia Henzler, Waischenfeld

Das Städtchen Waischenfeld ist als Luftkurort in der Fränkischen Schweiz bekannt, den schon die Literaten der Gruppe 47 zu schätzen wussten, und der sich als Ausgangspunkt für Wanderungen zu kleinen Brauereien oder der nahegelegenen Burg Rabenstein anbietet. Fachwerk ist auch vorhanden, optimale Voraussetzungen also, um Urlauber anzulocken. Weniger gut würde da ein NPD-Treffpunkt ins Profil passen. Deshalb hat Waischenfeld in letzter Minute verhindert, dass ein leer stehendes Gasthaus im Ortsteil Nankendorf an ein hochrangiges NPD-Mitglied verkauft wurde.

In der Kommune, die zum Landkreis Bayreuth gehört, war erst vor wenigen Tagen durch einen Bericht des Nordbayerischen Kuriers öffentlich geworden, dass es sich bei dem Kaufinteressanten um den baden-württembergischen Landesvorsitzenden der NPD, Janus Nowak, handelte. Der versicherte zwar, dass er die ehemalige Brauereigaststätte nur aus unternehmerischen Gründen kaufen wollte, doch das reichte vielen Waischenfeldern nicht aus. Deshalb handelte Bürgermeister Edmund Pirkelmann aus, dass Nowak sich durch einen Zusatz im Kaufvertrag freiwillig verpflichten würde, im Gasthaus "Polsterbräu" keine NPD-Versammlungen zu veranstalten. Dann entschloss sich der Stadtrat in einer nicht-öffentlichen Sondersitzung am Wochenende aber dazu, das Gasthaus selbst zu kaufen - wenn es die finanzielle Lage der Stadt zulässt.

Käufer und Verkäufer ließen sich darauf ein, obwohl der Vertrag schon beim Notar gelegen haben soll. Offenbar hatte Nowak die durch Crowdfunding finanzierte Summe ohnehin noch nicht komplett zusammen. Zudem war er nach eigener Aussage vor allem an den Brauerei-Rechten und der Marke Polsterbräu interessiert, deren neuer Eigentümer er nun auch wird. Der 38-Jährige will alte Biersorten vermarkten.

Als Kaufpreis für die Immobilie sind 130 000 Euro im Gespräch. Was die Stadt damit anfängt, ist offen, vorstellbar ist alles von Sozialwohnungen bis zum Museum. Hundertprozentig sicher ist der Kauf noch nicht, denn die Stadt hat Geldprobleme, sie hängt am Tropf staatlicher Stabilisierungshilfen. Deshalb will sich Pirkelmann den Kauf von Landkreis und Bezirksregierung genehmigen lassen.

"Ich bin da zuversichtlich", sagt er. Dass die Kombination NPD und Gasthaus in Franken heftige Reaktionen hervorruft, kommt nicht von ungefähr. Die rechtsextreme Partei hatte in der Vergangenheit mehrmals versucht, sich dort anzusiedeln. In Wunsiedel, wo sich bis 2011 das Grab des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß befand, wollte der bekannte Neonazi Jürgen Rieger eine Gaststätte kaufen, um unterhalb der Luisenburg ein NPD-Schulungszentrum einzurichten. Die hochverschuldete Stadt konnte das 2007 nur verhindern, indem sie das Gebäude selber kaufte.

Ein Jahr später wollte Rieger dann eine Gaststätte im Landkreis Bayreuth für denselben Zweck erwerben, den Puchtlerhof in Warmensteinach. Auch hier machte die Gemeinde ein Vorkaufsrecht geltend und konnte es vor Gericht auch durchsetzen. Seit 2014 sind nun im Puchtlerhof Asylbewerber untergebracht.

Im Landkreis Hof dagegen waren Neonazis aus dem "Freien Netz Süd" 2010 an eine ehemalige Gaststätte gelangt. Die Gemeinde Regnitzlosau stand dem Treiben dort hilflos gegenüber. Erst 2014, als das Innenministerium das "Freie Netz Süd" verbot, kehrte Ruhe ein: Der Freistaat beschlagnahmte das Haus in Oberprex. Weil die juristische Auseinandersetzung darüber noch andauert, steht die Immobilie seitdem leer.

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