Nürnberger BN-Chef tritt zurück Braune Töne beim Bund Naturschutz

"Wie viele Migranten/Ausländer verkraften wir?" Der Nürnberger Chef vom Bund Naturschutz hat sich rechtslastig geäußert. Nun hat er sein Amt abgegeben.

Christian Sebald

Im Bund Naturschutz (BN) tobt ein Streit über rechtslastige Äußerungen, in denen ein Zusammenhang zwischen dem Flächenverbrauch und dem Zuzug von Migranten hergestellt wurde Im Zentrum der Auseinandersetzung steht der Nürnberger BN-Chef Günther Raß mit seinem Vorwort in der aktuellen Ausgabe der Nürnberger BN-Zeitschrift Mauersegler.

In dem Artikel befasst sich Raß mit dem Bevölkerungswachstum in der Stadt und dem Schaden, der dadurch für die Natur entstehe. Anschließend stellt er fest, dass "Deutschland aus Naturgesichtspunkten überbevölkert" sei und stellt die Frage: "Ein Volk ohne Raum also?"

Einen Absatz später erklärt Raß freilich, dass sich Migranten "auch bei uns in Nürnberg wohlfühlen und eine schöne Natur genießen können" sollen. Gleich darauf stellt er aber die Fragen: "Wie viele Migranten/Ausländer verkraften wir? Wie viel Platz ist noch in Deutschland?" Im BN herrscht Entsetzen. "Formulierungen wie ,Volk ohne Raum' sind massiv durch die Nazizeit belastet, sie haben bei uns nichts zu suchen", sagt BN-Chef Hubert Weiger. "Raß muss sich von seinen Äußerungen klipp und klar distanzieren."

Auch in der Nürnberger SPD und bei der Allianz gegen Rechtsextremismus ist man fassungslos. Abgesehen davon, dass seine Thesen völlig falsch seien, konstruiere Raß ein "gefährliches Gedankenkonglomerat", heißt es in einer Erklärung der SPD-Stadtratsfraktion. Mit Raß' Thesen würden "Vorbehalte gegenüber Migranten geschürt und das friedliche Miteinander der Nürnberger" gestört. Die Allianz gegen Rechtsextremismus nennt Raß' Äußerungen "zutiefst rassistisch" und einen Beleg für die "Richtigkeit der Studien, nach denen Rassismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist".

Beim BN kann man sich nicht erklären, was Raß zu den Formulierungen veranlasst hat. Der Nürnberger BN-Chef galt bisher als ein überlegter Mann. "Wir sind ratlos", sagt BN-Chef Weiger. Raß selbst entschuldigte sich für die Formulierung, Deutschland sei ein Volk ohne Raum, und räumte eine "unglückliche Wortwahl" ein.

Der BN will landesweit Konsequenzen ziehen: Er wird in der Satzung verankern, dass der Umweltverband nichts mit rechtsextremistischen Ideologien zu tun haben will. BN-Chef Weiger: "Solches Gedankengut und eine Mitgliedschaft bei uns Naturschützern schließen sich aus." Am Dienstagnachmittag forderte die Nürnberger BN-Gruppe Raß ultimativ zum Rücktritt auf. Dies tat er am Dienstagabend dann auch.