Nürnberg Opposition kritisiert Pläne für neue Vorzeige-Uni

  • Der Freistaat investiert über die nächsten 30 Jahre 1,2 Milliarden Euro in die neue "Technische Universität Nürnberg".
  • Die Opposition begrüßt die Modell-Uni, befürchtet allerdings Nachteile für die anderen Hochschulen der Region.
  • Darüber hinaus fordert sie, dass das Parlament besser in die Planungen miteinbezogen wird.

Die Opposition befürwortet eine neue Universität in Nürnberg, wirft der Staatsregierung im Wissenschaftsausschuss aber auch Einseitigkeit und Missachtung des Parlaments vor. "Es kann nicht sein, dass wir eine Modell-Uni gründen, die völlig abweicht von der bisherigen Hochschullandschaft von Bayern", sagte der Ausschussvorsitzende Michael Piazolo von den Freien Wählern (FW). Die guten Ideen für Nürnberg fordert er für den ganzen Hochschulraum, nicht nur für die "Heimatstadt des Ministerpräsidenten". Etwa fünf Milliarden Euro seien notwendig, um die Baurückstände an den Hochschulen auszugleichen. "Das Geld möchte ich auch an anderen Hochschulen in Bayern fließen sehen", fordert Piazolo.

Insgesamt drei Milliarden Euro investiert der Freistaat über die nächsten 30 Jahre in den Hochschulstandort Nürnberg - 1,2 Milliarden Euro für die neue "Technische Universität Nürnberg", 1,5 Milliarden für die schon bestehende Friedrich-Alexander-Universität (FAU) und 300 Millionen für die Technische Hochschule. Die neue Uni werde die Innovations- und Wirtschaftskraft Bayerns stärken, sagte Wissenschaftsministerin Marion Kiechle im Ausschuss.

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Es sollen Studiengänge wie "Biological Engineering" angeboten werden, die es so noch nicht gebe. Um keine "technischen Fachidioten" zu produzieren, sollen die Studiengänge eng mit den Sozialwissenschaften verschränkt sein. Die Lehrinhalte sollen in digitaler Form zur Verfügung gestellt werden. Kiechle räumte ein, dass es insgesamt mehr Geld für alle Hochschulen in Bayern brauche. Beim Betreuungsverhältnis hinke Bayern zudem hinterher. Auf einen Professor kommen in Bayern bis zu 88 Studenten. An der neuen Uni sollen es maximal 30 sein.

Das müsse für alle Hochschulen gelten, sagte Isabell Zacharias (SPD), genau wie die innovativen Lehrkonzepte, die es in Nürnberg geben soll. Zacharias bezeichnete es zudem als einen "falschen Schritt", eine neue Universität zu planen, ohne genau geprüft zu haben, ob es durch Anbauten oder Zusammenlegungen der schon bestehenden Hochschulen eine Verbesserung geben könnte.

Verena Osgyan (Grüne) befürchtet, die geplante "Eliteuniversität" könnte den anderen Hochschulen in ihrer Heimatstadt Nürnberg Studenten wegnehmen, denn: "Die neue Uni darf alles, was die anderen nicht dürfen." Wie die SPD, so wirft auch sie der Staatsregierung vor, den Landtag übergangen zu haben. Es geht dabei um die alten Bahnhofshallen auf dem Baugelände. An dem Tag, als der Landtag besprechen sollte, wie die alte Industriearchitektur erhalten werden könne, kam die Mitteilung, dass sie abgerissen werden soll.

Oliver Jörg (CSU) nennt die Universität einen "Meilenstein", unterstützt aber auch Forderungen der Opposition. Auch er fordert eine engmaschige Einbindung des Parlaments in die Pläne der Staatsregierung und äußert den Wunsch, dass es durch die neue Uni keine "Kannibalisierung" anderer Hochschulstandorten dürfe. Er äußerte zudem seine Bedenken, falls alle Studiengänge auf Englisch gehalten werden sollten. Hier sei noch nichts entschieden, sagte Kiechle und versicherte zudem, die neue Universität werde nicht als Konkurrenz empfunden.

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