NSU-Untersuchungsausschuss Die große V-Mann-Frage

Wie nahe stand der bayerische Verfassungsschutz den Mördern der rechtsextremen Terrorzelle NSU? Im Untersuchungsausschuss wird über die Rolle der Spitzel debattiert.

Von Mike Szymanski

Im Untersuchungsausschuss des Landtags zur rechtsextremen Terrorgruppe NSU bleibt weiter unklar, wie nahe der bayerische Verfassungsschutz dem Umfeld der späteren Mörder in den 90er-Jahren tatsächlich war. Edgar Hegler, Abteilungsleiter Inlandsextremismus im Verfassungsschutzamt, erklärte am Dienstag, "zielgerichtet" sei kein V-Mann direkt oder im Unterstützerkreis des Trios im Einsatz gewesen: "Definitiv nicht."

Damit bleibt weiter offen, welche Rolle der fränkische Rechtsextremist D. für die Ermittler gespielt hat, dessen Existenz in der vergangenen Woche bekannt geworden war. D. war bis etwa Mitte 1998 V-Mann und hatte gute Kontakte zum "Thüringer Heimatschutz" (THS) - jener Nazi-Kameradschaft, aus der Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe kamen.

D. soll "natürlich" Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe gekannt haben, sagte Tino Brandt der SZ, ein führender Rechtsextremist aus Thüringen, der für den Verfassungsschutz in Erfurt gespitzelt hatte.

Hegler spielte im Ausschuss die Rolle D.'s herunter. Es habe zwar Veranstaltungen und Demonstrationen gegeben, an denen sowohl V-Leute als auch die zwei späteren NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt teilgenommen hätten - aber keine direkten Kontakte der V-Leute zu dem Trio. "Wir gehen davon aus, dass die diese Personen nicht gekannt haben."

Im öffentlichen Teil der Sitzung stellte Hegler sogar infrage, dass D. als V-Mann für den Verfassungsschutz gearbeitet habe. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wollten die Ausschussmitglieder nachhaken.

Der frühere bayerische Verfassungsschutzpräsident, Gerhard Forster, soll am 13. November ein zweites Mal vom Ausschuss gehört werden. Bei seinem ersten Auftritt hatte er zunächst angeben, die Bayern hätten keinen V-Mann im Umfeld des Trios gehabt