NPD-Vize Sascha Roßmüller Rechts, Rocker - kriminell?

Er ist einer der führenden Köpfe der bayerischen Rechten - nun kam heraus, dass Sascha Roßmüller auch Mitglied der Bandidos ist. Die Motorradgang gilt als gewaltbereit und kriminell.

Von Karin Prummer

Da steht er in der schwarzen Lederweste der Motorradgang Bandidos, in einer Reihe mit anderen Rockern, und grinst breit. Die Finger der linken Hand hat er zu einer Pistole geformt, einem Symbol der Rockergruppe.

Die drei Fotos, die in einem rechtsextremen Forum und auf der Internetseite der Regensburger Gruppe der international verbreiteten Bandidos stehen, bestätigen: Der stellvertretende bayerische NPD-Vorsitzende Sascha Roßmüller, 37, ist Mitglied der Rockergruppe.

Offenes Geheimnis bei den bayerischen Rechten

In der bayerischen NPD-Zentrale versteht man die Aufregung darüber nicht. Es sei kein Geheimnis, dass Roßmüller bei den Bandidos sei. "In der Bayerischen NPD weiß das jeder", sagt Landesgeschäftsführer Axel Michaelis auf Anfrage der SZ. Roßmüller selbst war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Schon häufig wurde über Verbindungen von NPD-Mitgliedern zu Motorradgruppen spekuliert. Es ist das erste Mal, dass ein konkreter Zusammenhang aufgedeckt wurde. Die Mitgliedschaft Roßmüllers in der als gewaltbereit eingestuften Gruppe wurde am Mittwoch bekannt. Sie ist vor allem deswegen brisant, da die Bandidos unter Dauerverdacht stehen, an kriminellen Machenschaften beteiligt zu sein.

Am Mittwoch hatte der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in einer Sitzung des Innenausschusses des Landtags berichtet, die Gewaltbereitschaft von Motorradgruppen wie den Hells Angels oder den Bandidos habe oft mit wirtschaftlichen Interessen zu tun. Einnahmequellen seien oft Drogenhandel, Schutzgelderpressung und Prostitution.

Die Mitgliedschaft des stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden rückt nun die rechtsextreme Partei in die Nähe dieser Rockergruppen.

Beim bayerischen Verfassungsschutz, der die Bandidos und auch die NPD beobachtet, löste die Nachricht deshalb Verwunderung aus: Roßmüller sei ein NPD-Funktionär der ersten Stunde, ausgestattet mit einem hohen Posten in Bayern. Dass er zu den Rockern tendiere sei unverständlich, weil die Gruppen eben negativ belegt seien, sagte ein Sprecher des Verfassungsschutzes. Man gehe davon aus, dass es sich um einen Einzelfall handle, die NPD also nicht systematisch mit den Bandidos oder anderen Rockergruppen zusammenarbeite.

Entlarvende Äußerung eines gar nicht Moderaten

Gegen Roßmüllers Rockerleben sei erst einmal nichts einzuwenden, sagt Michaelis von der NPD. "Solange sich jemand nicht persönlich kriminell benimmt, habe ich kein Problem damit."

Roßmüller, gebürtiger Straubinger, zählt zu den bekanntesten Personen der NPD. Er war bei der Landtagswahl 2008 Spitzenkandidat in Bayern. Seit er 16 Jahre alt ist, ist er in der rechten Szene aktiv. Meist gibt er sich moderat, doch eine Äußerung gilt als entlarvend: "Dereinst werden in Nürnberg andere hängen", soll er auf einer Demonstration gesagt haben. Der Verfassungsschutz stuft ihn als einen der führenden NPD-Funktionäre Deutschlands ein. Er habe maßgeblich am neuen Parteiprogramm mitgearbeitet, in dem alte Aussagen in einen modernen Mantel gepackt worden seien.

Roßmüller ist eines von 600 Mitgliedern gewaltbereiter Motorradgruppen in Bayern. Diese Zahl sei seit Jahren relativ konstant, sagte der Innenminister im Ausschuss. Nach Informationen des BR stehen die Bandidos und drei weitere Motorradgruppen unter dem Verdacht, in Ostbayern in Drogengeschäfte verwickelt zu sein. Sie versuchten über von ihnen betriebene Sicherheitsfirmen die Türsteher in Nachtclubs und so den Verkauf von Rauschgift zu kontrollieren.

In rechtsextremen Foren im Internet wird die Meldung, dass Roßmüller zu den Bandidos gehört, geteilt aufgenommen: Während einige gleichgültig reagieren ("Jeder soll in seinem Mofaclub selig werden."), beschimpfen ihn andere als "Verräter". Vielen machen nicht die potentiell kriminellen Aktivitäten Sorgen, sondern dass die Bandidos ein Verein voller "Kanaken" seien.