NPD-Funktionär Patrick Schröder Ein ganz normaler Neonazi

Patrick Schröder und sein anonymer Co-Moderator feiern sich in der Sendung vom 20. Oktober für das Rechtsrockkonzert "Live H8"in Scheinfeld.

Hetze, Gewaltaufrufe, indizierte Lieder? Fehlanzeige! Patrick Schröder weiß genau, wo die Grenzen sind. Der NPD-Funktionär und Internetradio-Betreiber aus der Oberpfalz ist eines der jungen und gefährlichen Gesichter des Rechtsextremismus. Einblicke in eine Grauzone.

Von Charlotte Theile

Patrick Schröder ist richtig zufrieden mit sich. Heiser lachend liest er Leserbriefe eines gewissen "Claus S. aus Scheinfeld" vor, präsentiert ein Tortendiagramm, das zeigt, welche Band beim Konzert am besten ankam, und zeigt Fotos aus dem Gästebuch einer Anne-Frank-Ausstellung: Dort waren er und "die Mannschaft von FSN.tv" vor einigen Tagen zu Gast. Sie haben sich eingetragen, Patrick Schröder und seine Leute, und geschickt formuliert: Im Gästebuch machen sie sich über Anne Frank, ihre Tagebücher und das Gedenken an sie lustig - ohne dass die Staatsanwaltschaft eine Chance hat, Schröder und seine Leute für irgendetwas bestrafen zu können.

Von seinem Wohnort Mantel in der Oberpfalz aus betreibt Patrick Schröder, blond, durchtrainiert, weiß-rot-schwarzes Shirt, ein Webradio mit rechter und rechtsextremer Musik. Außerdem eine Art Fernsehsendung, die einmal die Woche ausgestrahlt wird. Zwischen 300 und 8000 Menschen schalten jede Woche zu, sagt Schröder. Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass Schröder Rechtsextremisten "weit über Bayerns Grenzen hinaus" erreicht.

Im Moment ist Schröder, der diverse Funktionen in der NPD Bayern ausübt, selbstbewusst wie nie: Am 12. Oktober ist es ihm gelungen, in einer Disco im mittelfränkischen Scheinfeld ein Konzert mit etwa 1000 Besuchern abzuhalten. Der Stadtrat des kleinen Örtchens mit seinem Bürgermeister Claus Seifert (SPD) wurde "übertölpelt" und konnte nur noch sicherstellen, dass das Konzert ohne Gefahr für die Bevölkerung über die Bühne ging. Für Schröder, der die offiziell als Geburtstagsparty angemeldete Veranstaltung "noch lieber" gemacht hätte, wenn es eine Gegendemonstration gegeben hätte, ein Erfolg.

Bürgermeister Seifert, der sich am Montag darauf mit einer Scheinfeld-ist-bunt-Demonstration von dem Konzert distanziert hat, wird bei FSN.tv als "Rechtsrockfan Claus S. aus Scheinfeld" verspottet. Schröder erklärt genüsslich, wie er das "geilste Rechtsrockkonzert seit 1945" in den vergangenen zehn Monaten immer wieder umverlegt hat, von Sachsen-Anhalt über verschiedene Orte in Bayern. Wie er am Veranstaltungstag eine Telefonnummer eingerichtet hat, um die Busse nach Scheinfeld zu lenken. Wie er die Begriffe Mitteldeutschland und Zentraldeutschland verwendet hat, um die Behörden zu verwirren.

Dazwischen: Hassgesang, Stahlgewitter, Sturmwehr

In der rechtsextremen Szene steht Schröder für eine neue und gefährliche Bewegung: Der 30-Jährige gibt sich im Netz bewusst als rechtsradikal zu erkennen. Er sagt, wer er ist, wo er wohnt, was er denkt. Es wirkt, als hätte er nichts zu verbergen. Das Programm? Eine Mischung aus Überfremdungsangst, kalkulierter Provokation und Blödelei. Auf seiner Seite gibt er Lieblingssendungen und -bands an, so alltäglich, dass sie in jedem Facebook-Profil auftauchen könnten. Frei.Wild, Star Wars, Stromberg. Dazwischen Bands, die er "politisch" nennt: Hassgesang, Stahlgewitter, Sturmwehr.

Seine Hobbys? Party, Musik, Fitness, Zocken. Eine Strategie, die erstaunlich gut funktioniert. Nicht selten gelingt es ihm in seiner Sendung, Stimmungen zu treffen, Gags zu platzieren und dem Zuschauer das Gefühl zu geben, der Moderator sei vielleicht ein bisschen abgedreht, aber sicher kein gefährlicher Neonazi. Ein ganz normaler Rechtsextremer. Der Patrick eben.

Patrick Schröder ans Telefon zu bekommen, ist kein Problem. Er will reden, über sich, seinen Erfolg und seine politischen Vorstellungen. Weniger Ausländer, finanzielle Anreize, das Land zu verlassen, Förderung der nationalen Wirtschaft. Das ist weder besonders neu, noch auffallend jung oder zeitgemäß. Doch Schröder gelingt es, genau das zu verkaufen. In den vergangenen Jahren hat er es zu einer ernst zu nehmenden Größe in der rechten Szene gebracht.