Niederbayern Dem historisch bedeutenden Uiderl-Anwesen droht der Verfall

Der Uiderl-Hof ist ein seltenes Beispiel für einen Mittertennhof.

(Foto: Johannes Simon)
  • Das Uiderl-Anwesen in Bödldorf droht zu verfallen - der Hof steht seit vielen Jahren leer.
  • Der niederbayerische Ort mit seinen sechs Höfen ist als Ensemble denkmalgeschützt.
  • Bödldorf und das Anwesen sind kulturhistorisch bedeutsam - bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts lebte auf jedem Hof eine Familie, die Geschirr und Keramik herstellte.
  • Heute sind die Besitzverhältnisse des Uiderl-Anwesen ungeklärt. Darum kann der Denkmalschutz nur schwer eingreifen.
Von Hans Kratzer, Bödldorf

Ein Anwesen kann noch so stolz und mächtig in die Landschaft ragen, sein Untergang ist besiegelt, sobald sein Dach aufgerissen ist und niemand bereit ist, es zu flicken. Dieses Schicksal droht nun einem herausragenden Gebäude der bayerischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte, das durchaus noch zu retten wäre.

Das beeindruckende Uiderl-Anwesen in Bödldorf siecht seit Jahren dahin, über offene Dachflächen dringen Kälte und Feuchtigkeit in die Innenräume und zerstören sie peu à peu. Der Uiderl-Hof ist kein x-beliebiges Bauwerk, sein Verlust wäre aus kulturhistorischer Sicht nicht zu verschmerzen. Die kleine Ortschaft Bödldorf liegt auf einem Höhenzug zwischen den niederbayerischen Städten Landshut, Dingolfing und Vilsbiburg.

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Man nennt diese Gegend den Kröning, Bödldorf wirkt dort wie aus der Zeit gefallen. Das Dorf besteht aus sechs Höfen mit breiten Giebeln, dazu gibt es eine Kapelle, einen Anger und eine geschwungene Dorfstraße. Das bezaubernde Flair wird unterstrichen durch die bis an die Höfe heranreichenden Wiesen und den nahen Wald, vor allem aber durch das Fehlen jeglicher moderner Architektur. "Zumindest in Niederbayern gibt es nichts Vergleichbares", sagt Hermann Englberger, einer der acht Einwohner von Bödldorf.

Bis ungefähr 1930 war Bödldorf fast ausschließlich von Hafnern besiedelt. In jedem der sechs Anwesen lebte eine Familie, die Geschirr und Keramik hergestellt hat. Es war ein für diese Gegend typisches Landhandwerk, das im Verbund mit einer kleinen Landwirtschaft betrieben wurde. Die Kröninger Hafnerware gehörte vom 15. bis ins 20. Jahrhundert in vielen Haushalten in Süddeutschland, Österreich und Südtirol zum festen Bestand.

Dass die Dorfstruktur von Bödldorf im Urzustand erhalten geblieben ist, gilt aus historischer und architektonischer Sicht als ein einmaliger Glücksfall. Der ganze Ort ist als Ensemble denkmalgeschützt, sogar die uralten Hofnamen der Töpferanwesen haben sich erhalten: beim Uiderl und beim Gratzn, beim Martl und beim Mathies. Die Anwesen wurden auch nach dem Untergang des Töpferhandwerks in den 30er Jahren mustergültig erhalten und einer neuen Nutzung zugeführt. So blieb Bödldorf, wie es immer war.

Das Haus ist seit fast 30 Jahren unbewohnt

Lediglich das weit ausladende Uiderl-Anwesen ist seit dem Tod des letzten Kröninger Hafners Georg Zettl im Jahr 1990 unbewohnt und vernachlässigt. Es handelt sich um ein sogenanntes Mittertennhaus, bei dem die Tenne zwischen die Wohnräume und den Stall gerückt ist, was auf Bauernhöfen nur selten der Fall ist. Überdies ist der Uiderl-Hof ein herausragendes Objekt der Arbeitswelt im 18. und 19. Jahrhundert. Letztlich dokumentiert er auch den Untergang eines Handwerks, das nicht imstande war, sich rechtzeitig an neue Zeiten und Moden anzupassen.

"Hier geht es nicht primär um Ästhetik, sondern darum, was ein solches Gebäude zu erzählen hat", sagt der Vilsbiburger Kreisheimatpfleger Peter Barteit. Der Uiderl-Hof hat jedenfalls große Geschichten zu erzählen, etwa jene, was einem ehrwürdigen Handwerk widerfährt, wenn es nicht mit der Zeit geht. Die Hafner auf dem Kröning wollten sich in Verkennung ihrer Lage nicht modernisieren. Sie hielten als Marktführer an ihren bleihaltigen Glasuren fest, bis diese keine Käufer mehr fanden.

Einst wurde im Uiderl-Anwesen Keramik hergestellt.

(Foto: Johannes Simon)

Die Familie Zettl, die das Uiderl-Anwesen bewirtschaftete, hatte diese Gefahr früh erkannt, aber in der eigenen Zunft kein Gehör gefunden. Der Hof dokumentiert also auch den Weitblick einer Handwerkerfamilie, die am Geist der Uneinigkeit und der Eigenbrötelei scheiterte. Anschaulicher als hier kann man aus der Geschichte kaum Lehren ziehen.

Der Denkmalschutz bemüht sich um eine Lösung

Trotzdem ist eine bequeme Lösung des Problems nicht in Sicht, denn die Besitzverhältnisse innerhalb der Familie, die den Hof geerbt hat, sind unklar. Eine Bereitschaft, das Denkmal zu retten, ist dort nicht zu erkennen. Die Behörden zaudern seit Jahren. Kreisheimatpfleger Barteit fordert nun in Anbetracht des bald zusammenkrachenden Hofs eine Notsicherung, die rechtlichen Instrumente wären seiner Meinung nach gegeben.

Das Uiderl-Anwesen offenbart ein Kardinalproblem bei der Umsetzung des Denkmalschutzes. Als letzter Schritt vor dem Verlust eines Denkmals sieht das Gesetz sogar die Möglichkeit der Enteignung vor, ein Schritt, den die Bevölkerung aber kaum goutieren würde. Das Landesamt für Denkmalpflege und die Untere Denkmalschutzbehörde in Landshut teilten mit, man bemühe sich intensiv um eine Lösung.

Kreisheimatpfleger Barteit sagt, der Fall Uiderl werde zeigen, ob der Artikel 141 der Bayerischen Verfassung noch ernst genommen wird. Der verlangt von Staat, Gemeinden und Körperschaften des öffentlichen Rechts unter anderem, Denkmäler der Geschichte zu schützen und zu pflegen sowie herabgewürdigte Denkmäler möglichst ihrer früheren Bestimmung wieder zuzuführen. Viel Zeit bleibt nicht mehr.

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