Nichtraucherschutz auf bayerischen Seen Rauchfrei an Deck

Das ist mal wirklich konsequenter Nichtraucherschutz: An Bord bayerischer Dampfer greift künftig ein striktes Rauchverbot. Nicht nur im Inneren der Schiffe, sondern auch an Deck darf dann nicht mehr gequalmt werden. Manch ein Raucher wird sich da gut überlegen, ob er die große Drei-Stunden-Rundfahrt bucht.

Von Sabine Bader und Michael Berzl

Mit Start der neuen Schifffahrtssaison ist auf allen Dampfern der weißblauen Flotte auf dem Starnberger See und dem Ammersee, dem Königssee und dem Tegernsee das Rauchen verboten. Das teilte das Finanzministerium auf eine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Anne Franke aus Stockdorf mit. Schifffahrtsdirektor Walter Stürzl bedauert diese Entscheidung von Finanzminister Markus Söder (CSU).

Bislang ist das Rauchen nur im Innenraum der Schiffe verboten, an Deck allerdings gestattet. Franke befasst sich mit dem Thema schon länger, hatte noch im Herbst die Antwort erhalten, ein generelles Verbot sei nicht möglich und hatte am Mittwoch im Plenum des Landtags noch einmal nachgehakt.

Seit Donnerstag liegt ihr nun die Antwort des Ministeriums vor: "Ab der kommenden Schifffahrtssaison gilt ein generelles Rauchverbot auf Linienfahrten der Bayerischen Seenschifffahrt GmbH", heißt es darin lapidar. Ein solches Rauchverbot gebe es auch in anderen Verkehrsmitteln wie in Flugzeugen und den Zügen der Deutschen Bahn.

Damit werde verhindert, dass Fahrgäste dem gesundheitsschädlichen Passivrauchen ausgesetzt werden. Zudem werde verhindert, dass die Seen durch Reste von Zigaretten verschmutzt werden. Deshalb gelte von April an nicht nur im Innenbereich der Fahrgastschiffe ein absolutes Rauchverbot, sondern auch im Außenbereich.

"Ich finde das Klasse", sagt Franke. "Für die Nichtraucher ist das ja bisher schon eine große Belästigung; die können ja nicht von Bord springen."

Ausnahmegenehmigungen für Hochzeiten?

Die Raucher aber auch nicht; eine große Rundfahrt dauert immerhin drei Stunden. Darum ist Schifffahrtsdirektor Stürzl alles andere als begeistert: "Ich bedaure, dass meine Gegenargumente kein Gehör gefunden haben, weil ich Probleme für die Schiffsbesatzungen sehe, das Rauchverbot im Freien durchzusetzen."

Er erwartet "erhebliche Umsatzeinbußen" sowohl bei der Schifffahrt als auch bei der verpachteten Gastronomie. Der Schifffahrtsdirektor geht davon aus, dass das Rauchverbot an Deck bei Sonderfahrten wie Hochzeiten, Firmenfesten oder privaten Feiern nicht gilt. "Da wären uns die Gastronomen weggelaufen."

In den Innenräumen und den Kinderspielbereichen im Freien gelte bereits jetzt ein Rauchverbot, das von den Rauchern auch beachtet werde. Stürzl ist in den 20 Jahren seiner Tätigkeit für die Seenschifffahrt auf allen vier Seen erst ein einziger Beschwerdeführer bekannt geworden. Auf dem Ammersee und dem Starnberger See beginnt die Schifffahrtssaison wieder am Ostersonntag.