Die CSU plant einen erneuten Anlauf für ein NPD-Verbotsverfahren. Innenminister Herrmann setzt dabei auf die Hilfe der SPD-regierten Länder.
Die CSU will einen neuen Versuch starten, die rechtsextremistische NPD verbieten zu lassen, und dafür bis zum kommenden Sommer eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht vorbereiten. Das kündigte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung an.
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Im Jahr 2003 war ein erster Versuch eines NPD-Verbots in Karlsruhe gescheitert. (© Foto: ddp)
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Die CSU schert damit aus der Phalanx der unionsregierten Länder aus, die bisher einen erneuten Anlauf für ein Verbotsverfahren ablehnen. Bayern geht damit auch auf Konfrontationskurs zu Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), der ein zweites Verfahren gegen die NPD für nicht aussichtsreich hält und entsprechende Pläne der SPD-Innenminister im Mai als "unseriös" kritisiert hatte.
Herrmann betonte, er wolle "mit allen guten Willens" zusammenarbeiten und nannte ausdrücklich die SPD-Innenminister aus den Ländern. Notfalls werde Bayern auch mit Schäuble "eine klare Debatte" führen. Herrmann beruft sich auf die volle Rückendeckung des bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer.
Die CSU treibt ein noch für diesen Herbst erwartetes Urteil des Bundesverfassungsgerichts um, worin sich die Richter vermutlich grundsätzlich dazu äußern werden, wie stark eine Partei durch das 2005 vom Bundestag verschärfte Versammlungsrecht beschränkt werden darf. Sollte Karlsruhe hier die Grenzen weit ziehen, dann könnte die NPD, so die Befürchtung, noch öfter aufmarschieren und sich noch sicherer fühlen.
Die SPD-Innenminister hatten bereits im Frühjahr vor einer steigenden Gewaltbereitschaft in den Reihen der NPD gewarnt und in einer 90-seitigen Dokumentation die antisemitische und antidemokratische Haltung in der Partei belegt. Dort wurde etwa der NPD-Fraktionschef in Mecklenburg-Vorpommern, Udo Pas-törs, zitiert: "Ein Jude (...) kann kein Deutscher im Sinne der Volkszugehörigkeit sein."
Im Jahr 2003 war ein erster Versuch eines NPD-Verbots in Karlsruhe gescheitert - das Gericht hatte die hohe Zahl von V-Leuten des Verfassungsschutzes in der Partei kritisiert; es sei darum nicht mehr klar, was von der Partei selbst komme und was von den V-Leuten gesteuert sei. Um diesen Vorbehalten des Gerichts entgegenzutreten, sind mehrere SPD-Länder sogar bereit, ihre V-Leute aus der NPD abzuziehen. Das lehnt Bayern aber ab. Herrmann betonte, die Hürden für ein Verbotsverfahren könnten vom Verfassungsgericht nicht so hoch gelegt werden, dass sie unüberwindlich seien. "Wenn wir die NPD so lange machen lassen, bis die Bundesrepublik in Gefahr ist, dann haben wir den richtigen Zeitpunkt für ein Verbot verpasst. Dann bringen wir unsere Republik in Gefahr."
Herrmann sagte, die Situation habe sich seit 2003 geändert. Er verwies auf den Fall eines NPD-Funktionärs, der vor zwei Wochen im baden-württembergischen Lörrach festgenommen worden war, weil er Sprengstoff gehortet und offenbar einen Anschlag geplant hatte. In Bayern habe ein NPD-Kreisvorsitzender einen Brasilianer überfallen. In Thüringen bedrohe die NPD-Spitze den dortigen dunkelhäutigen Integrationsbeauftragten. "Solche Dinge bestimmen den Alltag der NPD", sagte Herrmann. "Gewalt wird von der Partei wohlwollend geduldet. Ob da ein V-Mann im Vorstand sitzt, das interessiert doch einen Bombenbauer wie in Lörrach nicht."
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(SZ vom 10.09.2009/dmo)
Die neueste Antwort
Dein Kommentar unterstreicht Bedenken - und Fragenswerte.............. passt in mein Gedankenregister.
Die meisten Bürger beklagen sich doch, wohl nicht zu Unrecht, über zu viel Bürokratie und Verwaltung. Woher kommt die? Nun, unter Anderem aus der Tatsache, dass relativ eindeutige und allgemeingültige Vorschriften immer mehr verwässert werden, weil sie alle möglichen Sondervorschriften enthalten, die aber dennoch so formuliert werden müssen, dass sie wieder keinen konkreten Einzelfall, sondern eine generelle Ausnahmeregelung enthalten.
In einem Rechtsstaat gibt's nun mal möglichst generelle Bestimmungen. Alles andere, und in vielen Bereichen verschlechtert sich unser Staat da jetzt schon, läuft auf unzulässige Willkür hinaus.
Solange man der NPD den Parteien-Status zuerkennt, hat sie dieselben Ansprüche (und Pflichten), wie alle anderen. Will man diese Ansprüche versagen, weil sie ihren Pflichten nicht nachkommt, muss man ihr den Parteienstatus aberkennen,- und das geht durch Verbot. Wir haben, wie in so vielen Fällen, bereits eine wunderbar nutzbare Regelung, die man einfach konsequent einsetzen muss! Mehr braucht's gar nicht. Man darf sich nur keine Steine in den Weg legen, wenn die V-Männer/Informanten aus Übereifer für eine Menge der Vorfälle sorgen, die man der Partei zu Last legen will.
Verbietet bringt doch gar nicht,
man soll die Krankheit behandeln, nicht die Symptome.
Ich weiß, dass es wie eine Schnapsidee klingt, aber ich würde der Partei sämtliche Parteiprivilegien streichen. Soll heißen, Zuwendungen wären dann Schenkungen, und somit Steuerpflichtig für den Beschenkten. Keine Steuergelder mehr für den Laden. Keine steuerlichen Absetzungen der Beiträge und Spenden. Und der Laden ließe sich genauso beobachten wie bisher.
Der zweite Vorteil liegt auch auf der Hand: diese Maßnahme ist ein wesentlich milderer Eingriff (als das Parteiverbot) und dementsprechend könnte man von diesem Instrument viel öfter gebrauch machen (DV und Co &. müssen ja auch bedacht werden.)
Die Entsprechenden Normen müssten halt angepasst werden, was auch kein Problem sein sollte. Einen Rückwirkungsverbot gibt es für die Verwaltungsvorschriften eben nicht.
... hat meine Oma immer gesagt. ;o)
Wo ist also das Problem, die NPD verbieten zu lassen.
Inzwischen haben die Jungs öfters unter Beweis gestellt, dass die NPD als politischer Faktor nicht zählt und als politische Partei nur Mist baut, weil deren Verhalten mehr an 'Kindergarten' erinnert, als an eine ernstzunehmende (soweit man Leute ernst nehmen kann, die so eine Einstellung haben) politische Partei. Die Ideologie die dahinter steckt ist ethisch gesehen 'schlecht bis ins Mark' und hat nichts Positives gebracht, weder unter Adolf noch danach.
Also nochmal: Warum sind die NPD-ler noch nicht verboten?!
sie wären eine Partei der Mitte, muss das nicht stimmen. ;-)
Für mich war's lediglich eine Umschreibung für die beiden, die sich offiziell - abgekürzt - CSU und CDU nennen und die ich, angesichts nicht (mehr) vorhandener Attribute, gerne zusammen als xxU tituliere. Andere Variationen sind ebenfalls im Umlauf.
Alles andere noch weiter rechts davon würde ich nicht mehr als "konservativ" bezeichnen.
Paging