Neue Stromtrassen Strich in der Landschaft

Sehen unterm Sternenhimmel schön aus, gefallen Ministerpräsident Seehofer aber gar nicht: Stromtrassen durch Bayern.

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(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Die Netzbetreiber legen einen neuen Plan für die künftigen Stromtrassen vor - mitsamt der Südost-Trasse, die Horst Seehofer verhindern will. Die Trasse würde Seehofers Argument erledigen, die neue Leitung diene letztlich dem Transport von Kohlestrom.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Ungeachtet der Widerstände aus der bayerischen Staatskanzlei wollen die Netzbetreiber an der umstrittenen Südost-Leitung von Sachsen-Anhalt nach Bayern festhalten. Das geht aus dem jüngsten Entwurf des "Netzentwicklungsplanes" hervor, den die vier Netz-Firmen an diesem Dienstag offiziell vorlegen wollen. Darin wird der geplante Korridor, der einmal quer durch Bayern führen soll, sogar noch etwas länger ausfallen als bislang geplant.

Grund seien neue Annahmen zum Ausbau erneuerbarer Energien, hieß es in Kreisen der Netzbetreiber. Berechnungen hätten ergeben, dass eher noch mehr Windstrom von Nord nach Süden transportiert werden müsse. Der Ausbau verlagere sich stärker als erwartet in den Nordosten Deutschlands - nicht zuletzt durch veränderte Regelungen im Ökostrom-Gesetz EEG. Die Stromautobahn, die per Gleichstromtechnik große Mengen an Elektrizität verlustarm nach Süden bringen soll, fange deshalb besser schon weiter nördlich an, schlagen die Betreiberfirmen vor.

Theoretisch wäre damit ein Argument der Trassengegner erledigt. Sie hatten kritisiert, die neue Leitung diene letztlich dem Transport von Kohlestrom aus dem mitteldeutschen Braunkohlerevier - ein Argument, das sich auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zu eigen machte. Er zählt mittlerweile zu den erbittertsten Gegnern der Ost-Süd-Verbindung. Mit dem neuen Verlauf begänne die Stromtrasse nun 110 Kilometer weiter nördlich bei Wolmirstedt, nicht weit von Magdeburg. Windräder mit 4000 Megawatt Leistung seien hier installiert, werben die Netzbetreiber. Die Leitung soll dereinst 2000 Megawatt nach Bayern schaffen, die Leistung zweier Großkraftwerke.

In Oberfranken und der Oberpfalz ist der Widerstand gegen die "Monstermasten" immens

Auch am anderen Ende der langen Leitung wollen die vier Netzfirmen Tennet, 50 Hertz, Amprion und Transnet BW Änderungen. Anders als geplant soll sie nicht in Meitingen bei Augsburg enden, sondern gut 30 Kilometer weiter westlich beim Kernkraftwerk Gundremmingen. Dies habe rein technische Gründe, hieß es. Seehofer hatte allerdings zuletzt wiederholt klar gemacht, dass er die Trasse auch bei einem geänderten Verlauf ablehnt. Vor allem in Oberfranken und der Oberpfalz ist der Widerstand gegen die "Monstermasten" einer neuen Stromautobahn immens.

Die Netzfirmen wiederum warnen vor unabsehbaren Folgen, sollte der Bau neuer Leitungen stocken. Schließlich müsste die Sicherheit des Stromnetzes dann anders bewerkstelligt werden, etwa durch die Drosselung von Windrädern oder zusätzliche Reservekraftwerke. Das aber kostet. Auch an den anderen Gleichstromtrassen hält das Netz-Quartett deshalb fest. Die "Suedlink"-Trasse etwa, die von der Nordsee bis in die Nähe von Heilbronn führen sollte, soll nun geringfügig bis nach Wendlingen verlängert werden. Eine ursprünglich geplante Trasse, die herkömmlich per Wechselstrom übertragen sollte, kann dadurch entfallen. Auch bei Gütersloh und bei Gießen wollen die Netzbetreiber auf bislang geplante Leitungen verzichten. An der Nord- und der Ostseeküste dagegen finden sich nun neue Pläne für Leitungen.

An den veranschlagten Kosten von 22 Milliarden Euro ändere sich durch die Umplanungen nichts, heißt es bei den Betreiberfirmen, allerdings sind die nur grob geschätzt. Sobald Leitungen unterirdisch verlegt werden, können sich die Kosten rasch vervielfachen. Ohnehin muss nun erst die Bundesnetzagentur den Plan billigen; in der Vergangenheit strich sie auch gern mal Leitungen raus. Nur der Rückhalt aus Bayern, auf den auch die Bundesregierung hinarbeiten wollte, der fehlt bis heute