Naturschutz Rettet die Bienen

Die Biene steht als Symbol für die bedrohte Artenvielfalt.

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Die ÖDP hat ein Volksbegehren gestartet, das den Artenschwund bei Insekten und Vögeln stoppen soll. BN und LBV halten davon allerdings nichts

Von Christian Sebald

Wer wissen will, wie dramatisch es um die Bienen steht, muss nur die Münchner Bio-Imkerin Kristin Mansmann fragen. "Wir haben in Bayern 506 verschiedene Arten von Wildbienen", sagt Mansmann. "40 sind schon ausgestorben oder verschollen. Von den übrigen 466 Arten sind fast die Hälfte vom Aussterben bedroht oder gefährdet." Bei den Honigbienen ist die Situation nicht besser. Vor allem in den Ackerbauregionen finden sie oft schon im Juli so wenig Blüten, dass die Imker sie mit Zuckerwasser füttern müssen, sonst würden sie verhungern. "Wenn wir das viel beschworene Bienensterben aufhalten wollen, brauchen wir wieder blühende Landschaften", sagt Mansmann, die etwa 50 Bienenvölker hält.

Am Freitag hat die ÖDP ihr neues Volksbegehren "Rettet die Bienen" gestartet. Der Initiative geht es freilich nicht um die Bienen allein. Sondern auch um die Schmetterlinge, die Vögel und all die anderen Tierarten, die seit Jahren von einem dramatischen Schwund betroffen sind. Deshalb heißt das Volksbegehren offiziell "Rettet die Bienen, Vögel und Schmetterlinge - stoppt das Artensterben". Schon zum Start hat die Initiative an die 50 Partner und Unterstützer. Allen voran die Grünen und die SPD. "Wir begrüßen das Volksbegehren sehr", sagt der Grünen-Fraktionschef im Landtag, Ludwig Hartmann. "Neben den Bienen sind die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten gefährdet. Wir müssen dringend etwas tun." Die SPD-Abgeordnete Ruth Müller betont: "In der Öffentlichkeit wächst das Bewusstsein für Naturschutz. Dies muss genutzt werden, um Verbesserungen für unsere Bienen auf den Weg zu bringen." Auch Imkerverbände, Biobauern und Slow Food sind dabei. Und Wissenschaftler wie der Schmetterlingsexperte Andreas Segerer von der Zoologischen Staatssammlung und die Professorin Susanne Renner, die an der Ludwig-Maximilian-Universität Biologie lehrt.

Die Initiative beruft sich auf das Experten-Urteil, dass in Deutschland binnen weniger Jahrzehnte drei Viertel der Fluginsekten und zwei Drittel der Vögel aus den Landschaften verschwunden sind. Aber auch Bayern ist nicht von Verlusten verschont geblieben. Bei den Tagfaltern betragen sie satte 73 Prozent. "Wir erleben derzeit das größte Artensterben seit den Dinosauriern", sagt der ÖDP-Politiker und Sprecher der Initiative, Bernhard Suttner. "Wir dürfen nicht länger tatenlos zusehen." Ziel der ÖDP ist eine ganze Reihe neuer Vorgaben im bayerischen Naturschutzgesetz. Die Forderungen betreffen vor allem die Landwirtschaft. Denn, auch das ist das einhellige Urteil der Expertenwelt, es ist die moderne Landwirtschaft mit ihrem massiven Einsatz an Dünger und Pflanzschutzmitteln, aber auch mit ihren immer größeren Äckern, aus denen alle Büsche, Hecken und Bauminseln entfernt worden sind, die für den Artenschwund verantwortlich ist.

Ein zentrales Ziel ist, den Anteil des Bio-Landbaus bis 2030 auf 30 Prozent zu erhöhen. Derzeit beträgt er zehn Prozent. Denn die Bio-Landwirtschaft schont die Natur sehr viel mehr als die konventionelle. Außerdem sollen die Bauern verpflichtet werden, Hecken, Büsche, Feldraine und Bauminseln anzulegen und so beiseite geräumte Lebensräume für die heimische Tier- und Pflanzenwelt wiederherzustellen. An Bächen, Flüssen und Seen sollen fünf Meter breite Randstreifen frei von Landwirtschaft bleiben, so wie das laut Bundesnaturschutzgesetz zum Schutz von Flora und Fauna längst Pflicht wäre, wenn die Staatsregierung die Vorgabe für Bayern nicht wieder annulliert hätte.

Außerdem setzt die ÖDP auf Bildung. "Das Schlimme an den Verlusten ist ja, dass die Bevölkerung sie nicht wahrnimmt, den Kiebitz zum Beispiel kennen viele ja nur noch vom Hörensagen", sagt Suttner. "Deshalb müssen wir die Defizite unbedingt aufholen." Von der Grundschule an bis hin zur Ausbildung der Junglandwirte solle Artenkunde als Unterrichtsfach in die Lehrpläne gehören, ebenso die Auswirkungen der konventionellen Landwirtschaft auf Flora und Fauna.

Als erstes müssen sich nun wenigstens 25 000 Unterstützer in die Unterschriftslisten für das Volksbegehren eintragen. Dann muss die Staatsregierung prüfen, ob die Initiative zulässig ist. Das Ziel der ÖDP ist sehr viel ehrgeiziger. "Unser Volksbegehren soll sehr breit aufgestellt sein, damit der Druck richtig groß wird", sagt Thomas Prudlo, der die Kampagne für das Volksbegehren leitet. "Wir wollen bis Herbst 250 000 Unterschriften beisammen haben."

Dabei setzt die ÖDP auch darauf, dass der Bund Naturschutz (BN) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) sich dem Volksbegehren anschließen. Doch die beiden großen Umweltverbände Bayerns haben der Initiative noch am Freitag eine Absage erteilt. Zwar verfolge sie ein wichtiges Ziel, sagt BN-Chef Richard Mergner. Aber dieses Ziel könne "nur maßgeblich auf nationaler und internationaler Ebene erreicht werden, etwa durch weitere Verbote von Agrargiften". Das neue Volksbegehren sei "kein wirksames Instrument zur Bekämpfung des dramatischen Arten- und Insektensterbens".