Naturschutz im Steigerwald Seehofer beendet Nationalpark-Pläne

Die Träume von einem Nationalpark Steigerwald dürften ausgeträumt sein. Der Bund Naturschutz will dies nicht hinnehmen.

(Foto: Johannes Simon)

Einen Nationalpark im Steigerwald soll es nicht geben: Gemeinsam mit seinen Fachministern und Landräten erteilt Horst Seehofer den Plänen eine klare Absage - und strebt stattdessen die Ernennung zum Unesco-Weltnaturerbe an. Naturschützer drohen zu klagen.

Von Mike Szymanski und Christian Sebald

Ein massiver Rückschlag für die Naturschützer im fränkischen Steigerwald: Ministerpräsident Horst Seehofer, Umweltministerin Ulrike Scharf, Agrarminister Helmut Brunner und die drei Landräte der Fränkischen Region, Johann Kalb (Bamberg), Florian Töpper (Schweinfurt) und Wilhelm Schneider (Haßberge) haben am Montagabend in München bekräftigt, dass es in der fränkischen Region keinen Nationalpark geben wird. Außerdem kamen sie überein, dass das höchst umstrittene, 775 Hektar große Schutzgebiet "Der Hohe Buchene Wald" im Februar 2015 aufgehoben wird.

Gleichwohl hält die Staatsregierung daran fest, dass der Steigerwald Welterbe werden soll. Scharf und Brunner sollen Ende Januar 2015 ein Schutzkonzept für die einzigartigen Buchenwälder in der Region vorlegen, mit dem sich der Freistaat um den begehrten Welterbe-Titel bewerben will.

Mit dem Treffen in der Staatskanzlei wollte Seehofer den wüsten Streit um einen Nationalpark und ein Weltnaturerbe im Steigerwald befrieden. Doch Seehofers Strategie dürfte nicht aufgehen. Schließlich stärkten der Ministerpräsident und die anderen Politiker einmal mehr die Position der Nationalpark- und Naturschutz-Gegner unter Führung von Innenstaatssekretär Gerhard Eck und dem Verein "Unser Steigerwald", die lautstark gegen jeden Versuch protestieren, den Naturschutz in der Region zu stärken.

"Ein großer Rückschritt"

Der Bund Naturschutz (BN), der seit Jahren für einen Buchen-Nationalpark in der Region eintritt, ist tief enttäuscht von Seehofer. "Wenn die Ankündigungen tatsächlich umgesetzt werden, ist das ein großer Rückschritt", sagte BN-Chef Hubert Weiger, "da bleibt nicht mehr viel übrig, mit dem man sich für ein Welterbe bewerben könnte."

Die Aufhebung des Schutzgebietes "Der Hohe Buchene Wald" will der BN auf keinen Fall akzeptieren. "Eine reine Rückabwicklung, wie sie offenbar vereinbart worden ist, nehmen wir nicht hin", sagte er. "Wir lassen höchstens mit uns reden, wenn ein Plus für den Naturschutz herauskommt." Das heißt: Ein größeres und mindestens genauso wertvolles Schutzgebiet. "Sonst klagen wir", sagte Weiger. "Wenn es sein muss, bis hinauf vor das Bundesverfassungsgericht."

Waldmeister Seehofer

Nur in einer Sache sind sich Gegner und Befürworter des Steigerwald-Nationalparks einig: Die 300 Jahre alten Buchen sind einzigartig und müssen erhalten werden. Ob es dafür aber ein Schutzgebiet braucht, ist seit Jahren ein Streitthema. Jetzt mischt sich Ministerpräsident Seehofer persönlich ein. Von Katja Auer und Christian Sebald mehr ...

Auch beim Verein "Pro Nationalpark" herrscht Ernüchterung. Es ist erst eine gute Woche her, dass Vereinschef Benedikt Schmitt und ungefähr 50 Nationalpark-Befürworter bei Seehofer höchstpersönlich für mehr Naturschutz im Steigerwald geworben haben. Seehofer hörte ihnen geduldig zu und nannte die Natur neben den Menschen "den größten Schatz des Freistaats". Die Nationalpark-Befürworter hofften darauf, dass der Ministerpräsident den Naturschutz im Steigerwald zumindest nicht verschlechtern wird.

Neues Konzept umfasst wesentlich weniger Fläche

Die jetzt vereinbarten Eckpunkte für den neuen Naturschutz sind aber eine Verschlechterung, eine massive sogar. Anstelle des 775 Hektar großen Schutzgebietes "Der Hohe Buchene Wald" soll nun ein nur 134 Hektar Wald umfassendes, sogenanntes Trittstein-Konzept treten. Unter dem Wortungetüm verstehen die Förster, die den Steigerwald bewirtschaften, ein Naturschutzprogramm in ganz gewöhnlichen Wirtschaftswäldern.

Dabei werden kleine und kleinste Waldteile unter Schutz gestellt, besondere Tier- und Pflanzenarten sollen so Rückzugsräume erhalten, in denen sie ungestört sind. Abgesehen davon, dass die neuen Trittsteine nicht einmal ein Fünftel der Fläche des bisherigen Schutzgebietes "Hoher Buchener Wald" umfassen, ist das Konzept ein Schutzprogramm für einen Wirtschaftswald. "Voraussetzung für ein Welterbe ist aber ein großes, zusammenhängendes Schutzgebiet", sagt Vereinschef Benedikt Schmitt. "Die Vorgaben sind da eindeutig und sehr streng."

Umweltministerin Scharf gibt sich dennoch zuversichtlich. "Wir wollen einen Eintrag des Steigerwalds in die Geschichtsbücher", sagte sie nach der Kabinettssitzung. Bis das Ziel Welterbe erreicht sei, könne jedoch noch eine "längere Zeit" vergehen. Ziel sei es, das bisherige Schutzkonzept durch ein besseres zu ersetzen, betonte Scharf. Das Trittsteinkonzept der Staatsforsten nannte Scharf "ein bisschen zu wenig". Es müsse erweitert werden. Der Innenstaatssekretär und Nationalpark-Gegner Eck war nicht erreichbar.