Nachruf Hermann Glaser mit 89 Jahren gestorben

Der Kulturhistoriker Hermann Glaser wurde 1928 in Nürnberg geboren. Für sein Werk wurde er mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik ausgezeichnet.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Beim Erlanger Poetenfest ist Hermann Glaser im Jahr 2015 noch einmal aufgetreten, er stellte dort sein Werk "Franken - eine deutsche Literaturlandschaft" vor. Die Orangerie war bis auf den letzten Platz gefüllt und viele wussten nicht, was sie bewunderungswürdiger finden sollen: Dass da ein damals 86-Jähriger ein enzyklopädisches Buch vorlegt, das man sogleich als kommendes Standardwerk erkannte. Oder die Tatsache, wie dieser Mann den Saal beherrschte, geistreich, pointiert, um keine Antwort verlegen. Glaser war zu der Zeit bereits körperlich beeinträchtigt, sein Geist freilich war wendig wie ehedem. 580 Seiten hatte er gerade über "Epochen, Dichter, Werke" aus Franken geschrieben. Als ihn der Moderator aber fragte, was die Literatur aus diesem Landstrich denn nun ausmache, lächelte Glaser milde und antwortete: "Tja, das wenn ich wüsste."

Glaser wird als ein bedeutender Kulturpolitiker der Republik in Erinnerung bleiben. 26 Jahre kämpfte er als Nürnbergs Kulturdezernent fürs "Bürgerrecht Kultur"; danach machte er als kulturhistorischer Essayist, Verfasser einer kaum überschaubaren Menge an Büchern und umtriebiger Intellektueller einfach an der Stelle weiter: beim Kampf für die Kultur. In der Nacht zum Montag ist er gestorben, im August wäre Glaser 90 Jahre alt geworden.