Nach Skandal um Salmonellen Ex-Chef von Bayern-Ei festgenommen

Die Firma Bayern-Ei ist wegen Salmonellen-Verdachts in die Schlagzeilen geraten. Der ehemalige Geschäftsführer ist nun verhaftet worden.

(Foto: dpa)
  • Der ehemalige Geschäftsführer von Bayern-Ei sitzt in Untersuchungshaft, da nach Einschätzung des Ermittlungsrichters Fluchtgefahr besteht.
  • Ihm wird vorgeworfen, vorsätzlich salmonellenbelastete Eier verkauft zu haben.
  • Der Verzehr der Eier hat bei 78 Menschen zu Gesundheitsschäden geführt, mindestens ein Mensch soll gestorben sein.

Der langjährige Geschäftsführer der niederbayerischen Firma Bayern-Ei, die wegen Salmonellen-Verdachts in die Schlagzeilen geraten ist, ist verhaftet worden. Wie die Staatsanwaltschaft Regensburg am Mittwoch mitteilte, hat der zuständige Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Regensburg am Dienstag Untersuchungshaft für Stefan Pohlmann angeordnet - wegen Fluchtgefahr.

Was dem Festgenommenen vorgeworfen wird

Die Ermittler werfen ihm vor, vorsätzlich salmonellenbelastete Eier verkauft zu haben. Darauf erkrankten in Österreich von Juni bis September 2014 insgesamt 78 Menschen nach dem Verzehr eierhaltiger Speisen an einer Magen-Darm-Entzündung, ein 94-Jähriger starb. Pohlmann wird deshalb der gefährlichen Körperverletzung in 77 Fällen und der Körperverletzung mit Todesfolge in einem Fall beschuldigt. Außerdem soll Pohlmann, der die Geschäftsführung von Bayern-Ei nach Angaben der Staatsanwaltschaft vor ein paar Tagen niedergelegt hat, seine Handelspartner in 256 Fällen über den Zustand der Eier getäuscht haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass Pohlmann gewusst hat, dass die Eier verseucht waren. Trotzdem lieferte die Firma sie als Güteklasse A aus, also zum unmittelbaren menschlichen Verzehr. Pohlmann drohen hohe Strafen: Für Körperverletzung mit Todesfolge sieht das Gesetz drei bis 15 Jahre Haft vor, gewerbsmäßiger Betrug wird mit Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zehn Jahre geahndet. Das Unternehmen äußerte sich nicht. Die Landratsämter Straubing-Bogen und Deggendorf hatten Anfang August in Abstimmung mit dem Verbraucherschutzministerium den Verkauf von Eiern aus den Ställen in Aiterhofen und Aholming an Nahrungsmittelproduzenten verboten - mehr als ein Jahr nach dem Ausbruch der europaweiten Salmonellen-Epidemie. Gegen dieses Verkaufsverbot geht das Unternehmen gerichtlich vor.

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Laut Bayerischem Rundfunk werden die 600 000 Eier, die täglich in den Ställen produziert werden, unter amtlicher Aufsicht abtransportiert und als K3-Material nach Holland verschickt. K3 bedeutet: nicht für den menschlichen Verzehr geeignet. Als Lieferadresse wurde der niederländische Betrieb Schaffelaarbos B.V. genannt, der sich auf Eipulver für die Nahrungs- und Futtermittelindustrie und Eierschalenprodukte spezialisiert hat.

Über Art und Weise der Weiterverarbeitung in Holland konnte die Regierung von Niederbayern keine Angaben machen. Die Grünen-Abgeordnete Rosi Steinberger kritisiert, dass niemand feststellen könne, was dort mit den Eiern passiert.

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