Nach Protesten Seehofer bremst Stromautobahnen

1000 wütende Bürger kommen in Kulmbach zur ersten Informationsveranstaltung über die Stromautobahn von Sachsen-Anhalt nach Meitingen. Jetzt bremst Ministerpräsident Seehofer auch bei diesen Plänen - solche Leitungen soll es nur im Konsens mit den Bürgern geben.

Mike Szymanski

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bremst jetzt auch bei den Plänen für die umstrittenen neuen Stromautobahnen quer durch Bayern. Bei einem Treffen mit den CSU-Landräten und Landratskandidaten für die Kommunalwahl erklärte Seehofer am Donnerstag nach Teilnehmerangaben, solche Leitungen könne es nur zusammen mit den Regionen und den Bürgern geben. "Der Ministerpräsident hat uns gesagt, solche Planungen kann man nicht über die Köpfe der Menschen hinweg machen", sagte Jakob Kreidl, Chef des Bayerischen Landkreistages und Landrat der CSU in Miesbach. Zunächst müssten die Grundfragen der künftigen Versorgungsstruktur Bayerns geklärt werden, bevor Leitungen gebaut würden.

Der Netzbetreiber Amprion will eine Gleichstromleitung von Sachsen-Anhalt über Oberfranken bis Meitingen in der Nähe von Augsburg bauen. Gegen die geplante Leitung gibt es in den betroffenen Gebieten heftigen Widerstand, bei ersten Informationsveranstaltungen haben sich etliche Kommunalpolitiker und Bürger zu Wort gemeldet, die solche Stromautobahnen bei sich ablehnen. Auch im Gespräch mit Seehofer sollen sich Landräte beschwert haben, dass die Netzbetreiber ohne Einbeziehung der Betroffenen bereits vorgeprescht seien.

Wutbürger in Kulmbach

Sie fühlen sich betrogen: 1000 wütende Bürger kommen in Kulmbach zur ersten Informationsveranstaltung über die Stromautobahn von Sachsen-Anhalt nach Meitingen. Der Streit fängt gerade erst an. Von Katja Auer und Christian Sebald mehr ...

Nach Angaben Kreidls habe Seehofer versichert, dass nun "Schritt für Schritt" vorgegangen werden müsse. Im Zentrum der Kritik steht die geplante 450 Kilometer lange "Gleichstrompassage Süd-Ost", diese Stromautobahn soll von 2022 an Bayern mit Strom aus den Windparks im Norden versorgen, wenn im Freistaat die letzten Atommeiler vom Netz gegangen sind. Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Markus Rinderspacher, wirft der CSU in der Frage der Stromtrassen durch Oberfranken "völliges Chaos auf allen Ebenen" vor.

Bislang sind die Stromautobahnen ebenso wie neue Pumpspeicherkraftwerke als feste Elemente der Energiewende in Bayern eingeplant. Seit Monaten allerdings stellt Ministerpräsident Horst Seehofer diese Großprojekte offen in Frage. Am Rande der Plenarsitzung am Dienstag versicherte er, dass gegen den Widerstand der Bürger auch kein Pumpspeicherkraftwerk errichtet werde. Am oberbayerischen Jochberg etwa lehnen sich die Bürger gegen ein solches Vorhaben auf.