Nach Öl-Anschlag auf Motorradfahrer 50.000 Euro für eine Spur

Ein Familienvater war im April auf einer vorsätzlich gelegten Ölspur ausgerutscht und gestorben. Die Polizei sucht den Täter. Jetzt hat ein Geschäftsmann aus Nordrhein-Westfalen die Belohnung massiv aufgestockt - und viele Biker aus dem Unterallgäug schöpfen wieder Hoffnung.

Auf ihren schwarzen Bikerwesten prangt quer über den Rücken eine Aufschrift: "In Gedenken an Sepp, 17.04.2011". So trauern die Mitglieder des "Unterallgäuer Motorradclubs" um einen der Ihren. Der zweifache Familienvater war im April nahe Markt Rettenbach mit seiner Maschine auf einer vorsätzlich gelegten Ölspur ausgerutscht, gestürzt, gegen einen entgegenkommenden Wagen geprallt und noch an der Unfallstelle gestorben. Für die Polizei stand damals schnell fest, dass der tödliche Unfall des 37-Jährigen vorsätzlich herbeigeführt worden war.

Im April rutschte ein Motorradfahrer auf einer vorsätzlich gelegten Ölspur aus. Seitdem sucht die Polizei den Täter.

(Foto: Polizei)

Ein Unbekannter hatte in einem Umkreis von 20 Kilometern zehn Ölspuren auf verschiedenen Landstraßen im Allgäu gelegt. Vom Täter fehlt auch ein halbes Jahr nach dem Anschlag jede Spur. Doch jetzt schöpfen die Motorradfahrer wieder Hoffnung: Ein 58-jähriger Geschäftsmann aus Nordrhein-Westfalen hat die Belohnung für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, aufgestockt - von bislang 8000 auf 50.000 Euro.

Denn bislang waren die intensiven Ermittlungen der Sonderkommission "Ölfleck" bei der Memminger Kriminalpolizei erfolglos. "Nein, wir haben keine heiße Spur", sagt der Leiter der Soko, Winfried Weber. Mehr als 180 Hinweise habe seine Ermittlungsgruppe bislang ohne Ergebnis abgearbeitet. Die Polizei befragte die Anwohner der betroffenen Streckenabschnitte. Immer wieder gebe es zwar Tipps für die Beamten, sagt Weber. Doch eine Hausdurchsuchung in einem Weiler nahe Markt Rettenbach habe nicht zur Ergreifung des Täters geführt. Auch die Überprüfung eines vorbestraften Mannes aus der näheren Umgebung blieb ergebnislos.

Für die Mitglieder des Unterallgäuer Motorradclubs hat sich seit dem Unfall ihres Freundes viel verändert. "Immer fährt das Gefühl mit, jeder könnte der Nächste sein, wir wissen ja nicht, ob er es nochmals tut", sagt Clubmitglied Tommy. In der zu Ende gehenden Motorradsaison 2011 ist vielen Bikern im Allgäu die Lust am Fahren vergangen. Einer der Motorradfreunde berichtet, statt 10.000 Kilometern im Jahr sei er nur noch 1000 Kilometer gefahren. "Ich habe selbst zwei kleine Kinder, da denkst du dir die ganze Zeit, wenn dir selber so was passiert, das wäre schlimm", sagt er.

Jetzt hoffen die Motorradfreunde, dass die erhöhte Belohnung hilft, den Täter zu finden. "Da verspreche ich mir viel davon", sagt Daniel, einer der Motorradfreunde. "Es könnte gut sein, dass einer doch noch den Mund aufmacht, wenn er soviel Geld sieht." Tatsächlich hat die Polizei eigenen Angaben zufolge nach Bekanntwerden der stattlichen Belohnung ein gutes Dutzend weiterer Hinweise erhalten. Die erhoffte heiße Spur war noch nicht dabei.