Nach Mixas Rücktritt Kirchenzeitung leugnet Mixas Schuld

Von dieser Selbstkritik und Ehrlichkeit war in der Pfingstausgabe der Katholischen Sonntagszeitung noch wenig zu lesen. Unter der Überschrift "Mixa: Freispruch vom Missbrauch - Entlastung auch bei Finanzfragen" wird der ehemalige Bischof von den Prügel- und Untreue-Vorwürfen aus seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen geradezu reingewaschen. Trotz der Feststellungen des unabhängigen Sonderermittlers Sebastian Knott stellt die Sonntagszeitung die Prügelvorwürfe als unglaubwürdig dar: "Unabhängige Zeugen gibt es bislang nicht", so das Blatt, die Vorwürfe "bleiben ungeklärt". Das Bistum hingegen hatte sich schon zuvor für Mixas Schläge im Kinderheim Schrobenhausen entschuldigt und klargestellt, es nehme das Leid der Opfer "sehr ernst" und suche das Gespräch mit den Betroffenen. Alle Zeitungen und Nachrichtenagenturen berichteten über diese Pressemitteilung. Die Sonntagszeitung nicht.

Dies ist ein starkes Stück, denn die Sonntagszeitung erscheint im Sankt-Ulrich-Verlag, einer 100-prozentigen Tochter des Bistums. Die Diözese pumpt jährlich mehr als eine Million Euro Kirchensteuergeld in den Verlag - als Gegenleistung erhält es eine Berichterstattung, die die Haltung des Bistums konterkariert. Auf die Frage, ob der umstrittene ehemalige Mixa-Sprecher Dirk Hermann Voß auch als Geschäftsführer des Sankt-Ulrich-Verlags abgelöst wird, gibt es aus dem Bistum derzeit keine Antwort.

Kurioserweise wird Grünwalds Bemühen, Frieden in die Diözese zu bekommen, von Walter Mixa torpediert. Dessen Anwalt Gerhard Decker kritisiert das Bistum scharf, weil dieses den Verdacht auf sexuellen Missbrauch unberechtigterweise an den Vatikan weitergeleitet und öffentlich gemacht habe.

Zudem wandte sich Mixa direkt in einem Brief ans Bistum. Das Schreiben wurde bei einer Dekanekonferenz verlesen. Darin beteuerte Mixa offenbar seine Unschuld. Der Brief wurde sehr zurückhaltend aufgenommen, hieß es.