Die Nachrichten aus der CSU sind Nachrichten wie aus dem Tollhaus. Der Rücktritt Erwin Hubers und seiner Generalsekretärin ist erst der Beginn des CSU-Parteikriegs.
Elf Kabinettsmitglieder, unter ihnen der Finanzminister, sind zurückgetreten. Diese Meldung vom Zerfall einer Regierung kam vor kurzem - aus Südafrika. In Bayern ist es noch nicht ganz so weit, aber fast.
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Christine Haderthauer stellt ihr Amt ebenfalls zur Verfügung. (© Foto: AP)
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Die Nachrichten aus der CSU sind Nachrichten wie aus dem Tollhaus. Nach der Wahlkatastrophe vom Sonntag herrscht dort das, was Franz Josef Strauß als bellum omnium contra omnes bezeichnet hätte: der Krieg aller gegen alle.
Die bisherigen Kabinettsmitglieder haben das Motto ausgegeben: Rette sich, wer kann. Das Fatale ist freilich, dass keiner weiß, wie die Rettung aussieht. Wenn einer wie Innenminister Joachim Herrmann als Nachfolger des Ministerpräsidenten Günter Beckstein gehandelt wird, ist das ein Beleg dafür, dass Hölderlin, wenn es um die CSU geht, nicht recht hat:
In der CSU herrscht zwar Gefahr, höchste Gefahr sogar, aber das Rettende wächst dort einfach nicht. Wer die CSU betrachtet, sieht nur dürres Holz.
Der Rücktritt von Parteichef Erwin Huber und seiner Generalsekretärin ist nicht das Ende, sondern der Beginn eines Parteikriegs; es kann sein, dass dieser die Partei in den Abgrund reißt. Die CSU ist nämlich eine Partei, die wie keine andere Autorität sucht und braucht.
Seitdem sie am Wahlsonntag erfahren hat müssen, dass sie nicht mehr die unumstrittene Autorität ist in Bayern - spätestens seitdem haben Parteiführung und Ministerpräsident keine Autorität mehr. Der Partei fehlt das Bindemittel; sie fällt auseinander. Sie leidet an galoppierendem Autoritätsverfall.
Autorität setzt sich zusammen aus Kompetenz, Tradition und Charisma. Huber wie Beckstein fehlten und fehlen jeweils mindestens zwei dieser Elemente. Bislang hatte die Partei ihnen das nachgesehen - mangels echter personeller Alternativen und in der Erwartung, dass den Herren noch etwas zuwächst. Diese Hoffnung ist nach dem 17-Prozent-Sturz vorbei.
Wenn die Rücktrittsforderungen gegen Günther Beckstein noch nicht ganz so massiv sind, wie sie es gegen Huber waren, dann liegt das vor allem daran, dass Leute wie Markus Söder, der alerte Europaminister, sich bessere Chancen erwarten, wenn Beckstein noch für eine Übergangszeit bleibt. In traumatischen Zeiten kann sich freilich die Übergangszeit auf Tage und Stunden verkürzen.
Edmund Stoiber hat Erfahrung mit Autoritätsverfall. Er nutzt sie aus dem Hintergrund, um den zu strafen, den er für seinen politischen Verfall verantwortlich macht. Er dirigiert den Parteiputsch gegen Beckstein. Stoiber versucht, Beckstein zu einem "Beck" zu kürzen, und ihn dann so abzuservieren, wie die SPD es mit ihrem Chef gemacht hat. Die Qualität eines solchen Putsches bemisst sich an dem, was dabei herauskommt - daran also, wer nachfolgt.
In der SPD sind das Müntefering und Steinmeier, also Leute, die einige Autorität in der Partei haben. Bei Horst Seehofer, dem kommenden CSU-Chef, ist es immerhin so, dass ihm ein großer Ruf vorauseilt. Er muss erst einmal zeigen, dass er ihn einholen kann.
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(SZ vom 1.10.2008/vw)
Die neueste Antwort
Es ist schon von beeindruckender Dramatik, was sich jetzt abspielt und der Spitzenkandidat der SPD hatte es am Wahlabend vorausgesehen und in die Kameras gesprochen: "Ich weiß ja gar nicht, mit wem in der CSU ich jetzt noch sprechen kann!"
Die sich totsiegende CSU stolpert über die von ihr selbst geschaffenen Mythen und Hybriden - einerseits eine der "Modernst geführte Kaderpartei Europas" modert und södert und hubert sich heute diese Partei jenseits ihrer früheren Möglichkeiten durch ein neues Europa, dass die kalten Krieger von gestern schon längst nicht mehr verstanden haben.
Gell, Herr Waigel, seit Maastricht haben wir von Ihnen auch nicht mehr viel gehört - allerdings muss man offen und ehrlich sagen: Einen Eindruck vom Rest des alten Glanzes wird man allenfalls noch in Schwaben anschauen können.
Die CSU ist im freien Fall!
... Herr Maget versteckt? Der Berichterstattung der SZ zufolge, bekomme ich den Eindruck in Bayern gab und gibt es nur eine Partei, über die es sich zu berichten lohnt. Oder passiert in der SPD nichts, weil dort alle froh sind noch mehr als 10 % zu haben und das Mitleid der bayerischen Wähler mit ihrer PArtei noch gar nicht fassen können.
Vor etwa 30 Jahren wurde aus der SPD eine Akadeniker-Partei, nicht mehr die Arbeiter und Gewerkschafter bestimmten den Kurs, sondern Studenten und Akademiker. Dies führte zu einer Entfremdung von der Basis und unter Schröder, der ja eigentlich noch aus sozial schwachen Verhältnissen kommt!, zum "Genosse der Bosse" Gehabe.
Die CSU ist einen anderen Weg gegangen. Durch ihre dauernden absoluten Mehrheiten war es für bayerische Beamte mit Karrierewunsch unabdingbar CSU-Mitglied zu werden. Daraus wurde dann eine Partei der Beamten. Die war natürlich immer sehr geschlossen, besonders vor Wahlen, denn das primäre politische Ziel war ja der eigene Aufstieg. Bester Repräsentant war Edi-der Superbeamte.
Der hatte nur leider das verwaltete Volk vergessen, Reformen ohne Rücksicht auf die Betroffenen. Jetzt ist das Volk weg, die sicher Karriereplanung funktioniert nicht mehr. Das ist der Sprengsatz, der die CSU jetzt bedroht, mehr als alle Führungskrisen. Warum Konflikte - und die gibts in der CSU zu Hauf - unter den Teppich kehren, wenn es einem selbst nichts mehr nützt?
Die nächste Zeit dürfte für Journalisten (und uns Leser) interessant werden.
... auf welchen Gebieten Seehuber "kompetent" ist, wenn man mal vom Erfinden der Praxisgebühr, vom Verwässern der Legehennenverordnung, vom Verhindern einer verbraucherfreundlichen Lebensmittelkennzeichnung, vom Katzbuckeln vor der Gentechnik-Industrie, vom "auswärts essen" mal absient ...
dass ein Neuanfang mit "verbrauchten" Leuten garnicht möglich ist ? (Denen rieselt doch der Kalk aus allen Poren ! ) Und in der Nachwuchsorganisation waren ganz passable Töne von jungen Leuten zu hören, wie damals von der (nicht mehr ganz so jungen) Frau Pauli , die der CSU gut zu Gesicht stünden (gestanden hätten, wenn die " Greise" sie nicht in den hinterücks weggemobbt hätten).Futterneid wird wohl der Grund sein, die jungen "Talente" nicht aufkommen zu lassen.( Damit soll nicht der "hohle" Nachwuchs von Strauss selig gemeint sein, der sich mit seiner aufgeblasenen Abgehobenheit und einem seltsamen Humor ( ist, wenn man trotzdem lacht) einmal mehr (nicht nur äußerlich) erledigt hat.Nach dem Abgang vom Huber könnts eher gehen! Und dem Horscht nur als Übergangslösung ( von wegen Gläubwürdigkeit ) !
Paging