Kommunalwahl als Kulturschock: Die CSU muss sich vielerorts ans Regieren mit Partnern gewöhnen.
Die Kommunalwahlen in Bayern haben zwei eindeutige Verlierer und viele kleine Gewinner. Verloren haben CSU und SPD, gestärkt wurden die kleinen Parteien, zum Teil mit lokal sensationellen Ergebnissen. In Landshut etwa sind die Grünen im Stadtrat jetzt stärker als die SPD, in Passau kam die grün-konservative ÖDP dank jahrelanger, beharrlicher Basisarbeit auf fast 16 Prozent. Bayern, von außen immer nur als riesiger, schwarzer CSU-Block wahrgenommen, wird bunter - und unübersichtlicher.
Bei den Kommunalwahlen 2008 hat die CSU das schlechteste Ergebnis seit 1966 eingefahren. (© Foto: dpa)
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Es ist bitter für die immer noch größte Oppositionspartei SPD, dass sie davon nicht profitieren kann. Die Sozialdemokraten erleben seit Jahren, dass es möglich ist, von Wahl zu Wahl immer noch ein bisschen schlechter abzuschneiden. Die SPD dümpelt knapp über der 20-Prozent-Marke, eine große Partei ist sie damit nicht mehr, allenfalls eine große mittlere Partei.
Die spektakulären Erfolge in den Großstädten können über die politische Gesamtschwäche nicht hinwegtäuschen. Mehr denn je ist die SPD eine reine Großstadtpartei, ohne Verankerung auf dem Land. Doch damit ist sie in Bayern auf Dauer strukturell eine Minderheitenpartei, ein Machtwechsel in Bayern wird wohl ein Traum bleiben. Viele bayerische Genossen finden das aber nicht weiter schlimm, weil sie daran sowieso nie geglaubt haben.
Richtig schlimm ist es dagegen für die CSU gekommen. Sie ist auf den Stand von 1966 zurückgeworfen worden. Früher konnte die CSU Niederlagen in den Großstädten mit ihrer furchterregenden Dominanz auf dem Land verrechnen, das ergab im Saldo stets eine positive Bilanz. Diesmal ist die CSU nicht nur in Städten wie München und Nürnberg regelrecht eingebrochen, sondern hat gleichzeitig auf dem Land flächendeckend verloren.
In vielen Kreistagen und Gemeinderäten hat sie die absolute Mehrheit eingebüßt. Das ist vor allem psychologisch ein verheerendes Signal. Denn viele CSU-Politiker müssen jetzt zum ersten Mal Rücksicht auf Partner nehmen, statt alles unter sich auszumachen. Ein solcher Kulturschock könnte auch heilsam sein, es spricht aber mehr dafür, dass er die Partei in eine tiefe Depression stürzt.
Jetzt wäre klare Führung gefragt. Stattdessen agieren die Verantwortlichen völlig kopflos. Das Rauchverbot als angebliches Hauptübel in einer Panikreaktion wieder zu verwässern, zeugt von enormem Realitätsverlust. Die ersten Reaktionen auf diese groteske Kehrtwende zeigen, dass die CSU gerade dabei ist, ihre Glaubwürdigkeit massiv zu beschädigen. Denn Kontinuität und Berechenbarkeit haben stets zu ihrem politischen Markenzeichen gehört.
Vor allem CSU-Chef Erwin Huber wirkt total überfordert. Erst hat er die Wahlschlappe auf peinliche Weise schöngeredet, dann musste er kleinlaut einen Denkzettel einräumen. Huber bestätigt damit, was viele in der CSU insgeheim schon immer von ihm dachten: Nicht aus jedem Ersten Offizier wird ein guter Kapitän.
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(SZ vom 06.03.2008)
Die neueste Antwort
wenn der Koch nichts taugt, reicht es nicht den Kochlöffel zu wechseln.So gesehen ist der Kapitalismus die schlechteste aller Großküchen.
Die CSU entzaubert sich selbst - wie die SPD. Das ist ein allgemeiner Trend, dass sich große soziale Bewegungen aufspalten. Nur Gruppen mit charismatischen Führern bleiben homogen. Hier hat die CSU einen großen Fehler gemacht mit dem Wegjagen von Stoiber...
Schluß nochmal:
Leider klappte das doch nicht soo gut mit dem Arabischen Immobilienmarkt. Die genauen, belastbaren Zahlen sind noch nicht bekannt.
Als Konsequenz aus dem schlechten Abschneiden verkündet die CSU ihr (Not-)Programm 50+ für die Landtagswahl:
1. Raucherschutz aufheben, wenigstens zum Oktoberfest, damit die gleichzeitig stattfindende Landtagswahl nicht gefährdet wird.
2. Dritte Startbahn aufschieben.
3. Transrapid: Liebe Wirtschaft, laßt Euch Zeit. So schnell wollen wir das noch nicht entscheiden. Es genügt, wenn ihr nach der Landtagswahl Bescheid sagt, ob das klappt mit den 1,85 Mrd.
4. G8: Wir versprechen, den Lehrermangel ein für alle mal schon ab dem nächsten Schuljahr zu beheben und die Klassen max. mit 25 Kindern zu bestücken. Außerdem gibt es nachmittags tatsächlich nur noch Intensivierungsstunden oder Sport. Schülerbeförderung mit wirklich sicheren Schulbussen. Außerdem soll kein Kind mehr länger als 45 Minuten von der Schule nach Hause unterwegs sein.
5. Die Bayerische Landesbank kündigt Rekordzahlen an: Investitionen im Arabischen Immobilienmarkt machen es möglich.
6. Was können wir noch alles versprechen? Wir bitten um Meldung.
Nach der Wahl, wenn wir wieder 60 %+ geschafft haben:
Ab sofort darf auch auf dem Oktoberfest nicht mehr geraucht werden (zumindest für die nächsten 4 Jahre). Das Verbot wird rigoros durchgesetzt.
Baubeginn der dritten Startbahn bereits 2009.
Transrapid: Kostet zwar voraussichtlich 2,5 Mrd, aber das schaffen wir schon. Ein paar Euros sind in der Staatskasse noch übrig und wenn wir fleissig sparen geht das schon. Baubeginn 2009 - Fertigstellung spätestens Frühjahr 2014.
Leider konnte man nicht genug Lehrer finden und überraschender Weise haben sich viel mehr Kinder fürs Gymnasium angemeldet als geglaubt und nun geht das nicht mit Klassen unter 30. Wegen des weiterhin fortbestehenden Lehrermangels klappt es auch nicht mit den Intensivierungsstunden, wie geplant. So müssen wir noch ein paar Jahre warten, bis genügend Lehrer ausgebildet werden konnten. Das dauert aber jetzt voraussichtlich noch bis etwa 2013, 2014. Leider konnten die Kommunen auch nicht so schnell mit den Bussen reagieren und es wird immer noch Schüler geben, die leider erst nach 17.00 Uhr vom Nachmittagsunterricht heimkommen. Da muss man nun durch.
Das Gute dabei: Das eingesparte Geld für die Lehrer und die sicheren Busse kann man zwischenzeitlich in die Transrapid-Finanzierung stecken.
Leider klappte das doch nicht soo gut mit dem
Ich traue mich fast zu wetten, dass das Duo Huber/Beckstein den kommenden Herbst politisch nicht überleben wird, so wie die zielsicher von einem fettnapf in den nächsten hupfen. Der vorherige Große Vorsitzende wurde aus vergleichsweise geringerem Anlass aus dem Amt gekegelt. Die Geier kreisen schon.
@webimpact (Auch wenn´s off-topic ist):
Der Schutz der Anwohner vor ratschenden Rauchern um 3 Uhr nachts in einem Wohngebiet (aber nur da) sollte doch durch eine Sperrzeitverlängerung in den Griff zu bekommen sein. Die Nachtruhe hat Vorrang...
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