Eine Ermittlungsrichterin hat dem Amokläufer von Ansbach den Haftbefehl übermittelt - er schweigt bislang. An dem Gymnasium wurde der Unterricht wieder aufgenommen.
Fünf Tage nach seinem Amoklauf an einem Anbacher Gymnasium hat eine Ermittlungsrichterin dem Schüler den Haftbefehl wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung eröffnet. Der 18-Jährige, der in einer Klinik wegen seiner Verletzungen durch Polizeikugeln behandelt wird, sei an diesem Dienstag erstmals aufnahmefähig gewesen, sagte Oberstaatsanwältin Gudrun Lehnberger in Ansbach. Zur Tat schweigt der Schüler bislang.
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Zwei Schülerinnen an einer Gedenkstelle für die Verletzten des Amoklaufs am Carolinum-Gymnasium in Ansbach. An diesem Dienstag wurde der Unterricht wieder aufgenommen. (© Foto: dpa)
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Er hatte am Donnerstag am Ansbacher Gymnasium Carolinum mit Brandsätzen, sogenannten Molotow-Cocktails, und einem Beil zehn Schüler und einen Lehrer verletzt, zwei davon schwer. Der zudem mit mehreren Messern bewaffnete Täter wurde von Polizisten auf einer Schultoilette durch drei Kugeln gestoppt und schwer verletzt. Er musste mehrfach operiert werden. Der Haftbefehl gegen ihn wurde bereits am Freitag erlassen, konnte ihm aber bisher noch nicht überbracht werden.
Erste Versuche, ihn dem Schüler zu eröffnen, scheiterten laut Lehnberger allerdings am Gesundheitszustand des jungen Mannes. Bei der Eröffnung des Haftbefehls hatte er an diesem Dienstag seinen Pflichtverteidiger zur Seite. Nähere Angaben dazu, wie es dem Schüler gesundheitlich geht, machte die Staatsanwaltschaft nicht.
"Hass auf die Menschheit"
Die Hoffnung der Ermittler, von dem Amokläufer weitere Erkenntnisse zu gewinnen, erfüllte sich zunächst nicht. "Er hat von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht", sagte die Oberstaatsanwältin. Die Ermittlungen ergaben aber bereits, dass "Hass auf die gesamte Menschheit und besonders auf die Schule" Georg R. zu dem Amoklauf getrieben hatte. Er fühlte sich seinen eigenen Aufzeichnungen zufolge ungerecht behandelt und ausgegrenzt.
Auch die beiden Mädchen, die bei dem Amoklauf schwer verletzt wurden, befinden sich nach Informationen der Nachrichtenagentur ddp weiter in einer Klinik. Es gehe den beiden stetig besser, allerdings sollte die 15-Jährige, die durch einen Axthieb schwer am Kopf verletzt wurde, noch einmal operiert werden. Der Zeitpunkt stand aber noch nicht fest.
Eingeschränkter Unterricht
Am Gymnasium Carolinum ist unterdessen fünf Tage nach dem Amoklauf der Unterricht eingeschränkt wieder aufgenommen worden. Bis zur vierten Schulstunde fand regulärer Unterricht statt, sagte eine Schulmitarbeiterin. Es seien fast alle Schüler da gewesen.
Auch für Mittwoch ist der Unterricht nur bis zur vierten Stunde geplant, für Donnerstag ist ein Wandertag angesetzt. Zudem stehen Psychologen und Seelsorger den Schülern, Eltern und Lehrern für Gespräche zur Verfügung. Die Polizei ist weiterhin rund um das Schulgebäude im Einsatz, um die Jugendlichen abzuschirmen.
Nach dem Amoklauf war der Unterricht zunächst ausgesetzt worden. Stattdessen wurden den Jugendlichen, ihren Eltern und den Lehrern in der Turnhalle Gespräche mit Psychologen und Notfallseelsorgern angeboten. Am Wochenende hatten die Ermittler die Sicherung von Spuren in dem Schulgebäude beendet und es wieder zum Unterricht freigegeben.
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(ddp-bay/ehr/abis)
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auch hier wundere ich mich über so manche rote bewertung. immerhin ein beweis für unsere rechte. zb das recht auf dummheit.
diesen kommentar darf man allerdings mit fug und recht rot bewerten, da er erstens polemisch ist und zweitens nicht zum artikel gehört.
Ist leider so. Sobald einer aus dem Rahmen fällt und nicht zu 100% in das gesellschaftliche Bild passt geht das Mobbing los. Manche ziehen sich in sich zurück, bekommen Depressionen bis hin zum Selbstmord, andere rasten aus. Ich will hier nicht generell die Gesellschaft für alles verantwortlich machen - schließlich ist jeder für seine Taten selber verantwortlich. Aber es zeigt, dass das Zusammenleben leider von Äußerlichkeiten und Oberflächlichkeit geprägt ist. Den Menschen hinter der Fassade interessiert keinen.
Übrigens glaube ich, dass die psychischen Narben, die der Amoklauf hinterläßt wesentlich schlimmer sind als die physischen. Nicht nur bei den Opfern, sondern auch bei der Famlilie des Täters. An die denkt so gut wie keiner..
aber wenn es ein misslungener erweiteter Selbstmord ist, dann hat er sein Leben gründlich ruiiniert.
Mehr Gedanken mache ich mir allerdings über die verletzten Schülerinnen. Da hoffe ich, dass es doch ohne sichtbare Narben abgeht.