Musical über Ludwig II. in Kempten Der Kini ist schon wieder pleite

Bereits zum dritten Mal scheitert der Versuch, das Leben Ludwigs II. als Musical zu etablieren. Die Produktionsfirma musste Insolvenz anmelden, Komponist Konstantin Wecker sitzt auf offenen Rechnungen. Während die Mitarbeiter um ihr Geld kämpfen, bangen viele Kini-Freunde um die Zukunft der königlichen Show.

Von Stefan Mayr

Aus, aus, aus. Dreimal wurde nun schon mit großem Aufwand und noch mehr Publicity versucht, im Allgäu ein Musical über den bayerischen Märchenkönig Ludwig II. zu etablieren. Dreimal startete das Unterfangen mit mächtigem Applaus. Dreimal endete es wie einst der Protagonist höchstpersönlich: mit einem Untergang unter reichlich mysteriöser Begleitmusik.

Schon wieder pleite: Bereits zum dritten Mal scheitert der Versuch, das Leben des Märchenkönigs als Musical zu inszenieren. Die Kemptener Big Box sitzt auf offenen Rechnungen.

(Foto: dapd)

Der jüngste Anlauf startete am 5. Juli 2011 in der Kemptener "Big-Box"-Halle; Heute, fast genau ein Jahr später, steht vielen Beteiligten das Wasser bis zum Hals - oder noch höher. Die produzierende Shortcuts Classics GmbH hat im Juni Insolvenz angemeldet, und Geschäftsführer Gerd F. kämpft gegen die Zwangsvollstreckung seines Privatvermögens.

Schon nach der ersten Saison der Kemptener Produktion "Ludwig 2 - der König kommt zurück" hatten diverse Medien über Zahlungsprobleme berichtet. Geschäftsführer F. wies damals allerdings alle Vorwürfe zurück. "Einige Kollegen nutzen Medien, um uns zu erpressen, dem geben wir nicht nach", sprach F. Zu den ausstehenden Honorarforderungen des Regisseurs Gerhard Weber sagte er: "Es gibt einen guten Grund, warum Herr Weber nur seine Spesen erhalten hat. Sie werden das in Kürze erfahren."

Diese Ankündigung löste F. nie ein. Stattdessen erwirkte Regisseur Weber, der seit 2004 Intendant des Stadttheaters Trier ist, vor dem Landgericht Wiesbaden ein "Anerkenntnis-Urteil". Doch bis heute hat er noch "keinen Cent" gesehen, wie er beteuert. Mit Gerichts- und Anwaltskosten belaufe sich der Schaden für ihn selbst sowie das Theater Trier auf "fast 50 000 Euro". Diesen Betrag hat Weber inzwischen so gut wie abgeschrieben: Er geht davon aus, dass die Quote des Insolvenzverfahrens "noch nicht einmal annähernd die Anwaltskosten decken wird".

Weber schrieb einen entsprechend geharnischten Brief an Kemptens Oberbürgermeister Ulrich Netzer, an den Ostallgäuer Landrat Johann Fleschhut, an Big-Box-Betreiber Christof Feneberg und an Komponist Konstantin Wecker. "Mir ist in meiner langjährigen Arbeit als Regisseur und Intendant noch nie eine solche Diskrepanz zwischen den Zusagen vor der Inszenierung und dem schäbigen und bösen Spiel danach untergekommen", schreibt Weber in dem Brief, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Für diese Diskrepanz könne es nur zwei Erklärungen geben, mutmaßt Weber: "Entweder eine fast wahnhaft zu nennende Verkennung der Realitäten oder ein gerüttelt Maß an krimineller Energie." Starker Tobak, den Weber gleich im nächsten Satz entschärft: "Ich werde mich eines diesbezüglichen Urteils über Herrn F. enthalten."

Außerdem kündigt Weber an, den Produzenten künftig "daran zu hindern, weitere Menschen ins finanzielle Unglück zu stürzen". Zu den Gläubigern gehören die Betreiber der Big-Box sowie Komponist Konstantin Wecker. "Das Honorar habe ich bekommen, aber an Lizenzen steht noch einiges aus", bestätigt Wecker, ohne Zahlen zu nennen.

Der prominente Liedermacher gibt sich weniger wütend als Regisseur Weber: "Wenn jemand in Konkurs geht, überwiegt bei mir immer das Mitgefühl", sagt Wecker. "Herr F. hatte viele gute Ideen, hat sich aber offenbar verrannt." Der Kemptener Anwalt Jürgen Baunach vertritt mehrere Gläubiger, die von Shortcuts Classics insgesamt einen fünfstelligen Betrag fordern. Der Jahresabschluss 2010 der GmbH bestätigt Webers Befürchtung, dass die Insolvenzmasse klein ist: Als Anlagevermögen hat die Firma ganze 374 Euro ausgewiesen. Die Verbindlichkeiten betragen dagegen mehr als 140 000 Euro.

Nicht zuletzt deshalb versucht Anwalt Baunach, an das Privatvermögen des Produzenten heranzukommen. Das "Wohnumfeld" und die Autos vor der Haustür ließen den Schluss zu, dass "Herr F. nicht vermögenslos" sei, wie Baunach sagt. In einem Fall wurde laut Baunach sogar schon die Zwangsvollstreckung gegen das Privatvermögen eingeleitet. Diese habe F. aber im letzten Moment mit einer Abschlagszahlung verhindert. Der Rechtsstreit ist derzeit am Landgericht Wiesbaden anhängig. Für eine Stellungnahme war F. am Montag nicht zu erreichen.

Während die Mitarbeiter um ihr Geld kämpfen, bangen nicht wenige Musical-Fans und Kini-Freunde um die Zukunft der königlichen Show. Mittlerweile sind im eigens errichteten Festspielhaus am Füssener Ufer des Forggensees zwei Ludwig-Musicals gescheitert, nun misslang auch der Versuch in der etwas verkehrsgünstiger gelegenen Kemptener Big Box. Ist die Reanimation des Kini damit endgültig misslungen, der Patient auf immer tot?

Nein, sagt Stephan Barbarino, der Impresario der ersten Füssener Produktion anno 2000. Nach eigenen Angaben arbeitet er weiterhin fleißig an einer neuerlichen Wiederaufnahme des Königmärchens. Den vierten Anlauf will er nun mit Genussscheinen finanzieren. Ursprünglich wollte er schon 2012 auf die Bühne gehen. Jetzt sagt er: "Das dauert viel länger, als man denkt."

Auch Konstantin Wecker hat die Hoffnung für die Kemptener Fassung noch nicht aufgegeben: "Vielleicht setzen sich ja die Autoren zusammen und überlegen, wie man das Stück am Leben erhalten kann."