Von Max Hägler

Auch wenn noch nicht sicher ist, ob Neonazis die Täter sind: Das Attentat auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl weckt Erinnerungen an beängstigende Zeiten.

Wieder klingelt es. Keine 24 Stunden nachdem Alois Mannichl an dieser Haustür mit einem elf Zentimeter langen Messer niedergestochen worden ist. Der Lautsprecher knackt. "Grüß Gott, Polizeidirektion", erwidern die Herren an der Sprechanlage. Eine offensichtlich erleichterte Frau öffnet die Türe und die Männer werden eingelassen in das schmale, holzverkleidete Reihenhaus in Fürstenzell.

Vor seinem Haus in Fürstenzell, nahe Passau, wurde der Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl niedergestochen. (© Montage: dpa, ddp)

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Es ist ein kleiner Ort, einige Kilometer hinter Passau, im Klosterwinkel, wie diese hügelige Gegend im Südosten Bayerns genannt wird. Beschützt leben die Menschen hier. Wie eine Wagenburg haben sich die Häuser auf einem kleinen Hügel am Ortsrand aneinandergeschmiegt. In den Vorgärten und in den Fenstern hängen Holzfiguren und Weihnachtsschmuck. In der Mitte der Anlage ist ein Spielplatz mit Wippe, Schaukel, Rutsche und einem elektrisch beleuchteten Christbaum. Der Zugang zur Siedlung liegt versteckt, eine Einbahnstraße führt an dem Rondell entlang.

"Viele Grüße vom nationalen Widerstand"

Auf diesem Weg kam und ging am Samstag wohl auch der glatzköpfige, einen Meter neunzig große Mann, der den Rechtsextremismus in Deutschland vielleicht zu neuen, beängstigenden Dimensionen geführt hat.

Ein Samstag im Advent. Es ist halb sechs Uhr abends, als der Unbekannte an der Tür von Alois Mannichl klingelt. Der Polizeichef selbst öffnet die Tür. "Viele Grüße vom nationalen Widerstand, du linkes Bullenschwein", soll der Fremde auf bayerisch gerufen haben. "Du trampelst nimmer mehr auf den Gräbern unser Kameraden herum!" Dann sticht er zu, zwei Zentimeter unterhalb der Rippen. Elf Zentimeter lang ist die Klinge seines Messers. Um 17 Uhr 34 ruft Mannichls Frau den Notruf, sechs Minuten später treffen die ersten Streifenwagen ein, kurz darauf der Krankenwagen. Der Polizist wird im Uniklinikum notoperiert.

Hoffnung für Weihnachten

"Es gibt die Hoffnung, dass Mannichl das Weihnachtsfest bei seiner Familie verbringen kann", sagt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am nächsten Tag bei der Pressekonferenz. Von zwei Zentimetern redet er, die gefehlt haben, um den Polizeichef am Herz zu treffen. Zwei Zentimeter, dann hätte auch eine Notoperation nichts mehr geholfen. Es ist eine hochrangige Runde, die nur wenige Stunden nach der Bluttat zusammengekommen ist in Passau.

Gemeinsam mit den regionalen Ermittlungsleitern und dem Innenminister ist Generalstaatsanwalt Christoph Strötz aus München angereist. "Das ist eine Tat mit überörtlicher Bedeutung", sagt Strötz. Man gehe aufgrund des Wortlautes davon aus, dass der 52 Jahre alte Polizist Opfer eines rechtsextremen Attentäters geworden ist. Das wäre eine ganz neue Situation. Kleine Zusammenstöße zwischen Neonazis und Polizisten gibt es immer wieder, etwa am Rande von Demonstrationen. Aber einen Angriff auf das Leben eines Polizisten, im privaten Umfeld, daran kann sich keiner erinnern.

Seit 34 Jahren ist Waldemar Kindler bei der Polizei, in RAF-Zeiten war er stellvertretender Chef des Landeskriminalamtes, jetzt ist er Landespolizeichef. Aber so etwas habe er noch nie erlebt, sagt er. Weder von Rechtsextremen noch von Linksextremen, und auch nicht von unpolitischen Kriminellen. Sollte sich herausstellen, dass der Täter aus dem rechtsextremen Bereich stammt, sei das eine völlig neue Dimension, sagt auch der Innenminister. "Wenn jemand ganz gezielt in seinem privaten Bereich aufgesucht wird, ist das eine Eskalation der Gewalt, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht erlebt haben."

Lesen Sie im zweiten Teil, wie die Rechten in Passau immer wieder mit der Polizei aneinander gerieten - und wie die NPD auf den Mordanschlag reagiert.

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