Modellbauaffäre Hubert Haderthauer redet viel und sagt wenig

Hubert Haderthauer, vom Dienst als Landgerichtsarzt suspendiert, steht wegen des Vorwurfs des Betrugs und der Steuerhinterziehung vor Gericht.

(Foto: Matthias Balk/dpa)
  • Hubert Haderthauer hat vor dem Landgericht München II Stellung bezogen.
  • In seiner Erklärung beantwortete er allerdings keine Fragen, die etwas mit den Vorwürfen gegen ihn zu tun haben.
  • Haderthauer steht wegen Steuerhinterziehung und Betrug in der sogenannten Modellbauaffäre vor Gericht.
Von Dietrich Mittler

Anfangs sah alles danach aus, als würde dieser dritte Verhandlungstag im Landgericht München II ganz im Sinne von Hubert Haderthauer verlaufen. Am Donnerstag wollte er zu den Vorwürfen des Betrugs und der Steuerhinterziehung Stellung beziehen. Dazu gab das Gericht dem derzeit vom Dienst suspendierten Ingolstädter Landgerichtsarzt auch reichlich Raum.

Basierend auf einer mit seinen Anwälten vorbereiteten Erklärung berichtete der 59-Jährige fast zwei Stunden lang darüber, wie er als junger Forensikarzt im Bezirkskrankenhaus Ansbach in Roland S. einen hochbegabten, psychisch kranken Straftäter kennenlernte, der perfekte Oldtimer-Modelle bauen konnte.

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Er trug vor, wie er sich Zug um Zug in der Firma "Sapor Modelltechnik" einbrachte, die diese Oldtimer-Repliken vermarktet. Und auch darüber, wie ihm seine Frau Christine, die spätere Staatskanzlei-Chefin, angesichts der anfänglich hohen Verluste Vorwürfe machte. Zeitweise seien das gut 250 000 Euro Defizit gewesen.

Wie der Richter reagiert

Immer wieder sucht Haderthauer bei seinen Schilderungen den Blickkontakt mit dem Vorsitzenden Richter Rupert Heindl. Doch der wendet sich von ihm ab. Heindl versenkt den Blick in die Erklärung, die er von Haderthauers Anwälten bekommen hat, macht sich Notizen oder schließt konzentriert die Augen. Haderthauer hätte dies sehr wohl als Omen werten können. Kurz nachdem er mit seiner Erklärung fertig ist, platzt Richter Heindl der Kragen: "Hat denn irgendwann mal jemand Buch geführt über diese Autos?", fragt er gereizt.

Es ist schließlich keine Kleinigkeit, deretwegen der Ingolstädter Arzt nun vor Gericht steht. Ihm wird vorgeworfen, einen Mitgesellschafter der "Sapor Modelltechnik" um gut 84 000 Euro hintergangen zu haben. Zudem soll er Steuern in Höhe von insgesamt 44 033 Euro hinterzogen haben, allein das Jahr 2008 betreffend habe er 36 943 Euro zu wenig an Steuern bezahlt. Einen kleinen Teil der Vorwürfe räumt der Angeklagte zwar ein, doch was die wesentlichen Punkte betrifft, fühlt sich das Gericht sichtlich unterinformiert.

"Wir finden sie noch nicht, diese Verluste!", sagt der Vorsitzende Richter Heindl auf Haderthauers Angabe, er habe anfangs unglaublich viel Geld investieren müssen. Heindl rügt auch das "Durcheinander", die mangelnden Belege. Dann bringt er nahezu beiläufig die Bemerkung: "Man könnte schon auf die Idee kommen, dass da Geld entnommen wurde." "Haben Sie denn mal eine Kalkulation gemacht", fragt Heindl schließlich.

Welche Fragen Haderthauer offen lässt

Haderthauers Stimme wirkt nun trocken. "Das ist ein wunder Punkt", sagt er leise. Die Kalkulation habe immer der Patient Roland S. gemacht, doch dessen Berechnungen hätten stets "50 Prozent unter den tatsächlichen Kosten" gelegen. Haderthauers Anwälte intervenieren: "Richten wir hier über betriebswirtschaftliche Fähigkeiten? Bei dem Durcheinander, das da geherrscht hat." Richter Heindl kontert: "Dass wir hier nicht Schlamperei bestrafen können, da sind wir uns völlig einig!" Und wieder ist er bei dem Punkt, der ihn nervt: "Was mir an Ihren Einlassungen fehlt, ist, warum wir eigentlich hier sitzen."

Tatsache ist, dass sich das Gericht auch nach der langwierigen Erklärung des Angeklagten kein Bild darüber machen kann, wie es zu den angeblich hohen Verlusten der Firma kam und wie viele Autos gebaut wurden. Insbesondere vier Modellautos geben dem Gericht Rätsel auf. Sind es jene Modelle, die Haderthauer laut Anklage verkauft haben soll, als er nicht mehr Gesellschafter der Firma "Sapor Modelltechnik" war? Laut Anklage sollen die Erträge aus diesen Verkäufen aber nicht Eingang in die Steuererklärung des Ehepaars Haderthauer gefunden haben.

Haderthauer, der anfangs noch einen souveränen Eindruck macht, sinkt in sich zusammen. 150 000 bis 180 000 Mark habe er sich damals von der Schwiegermutter leihen müssen, damit die Geschäfte weiterliefen. Noch immer habe er ihr gegenüber Verbindlichkeiten. Doch auch für Christine Haderthauer war der Preis hoch. Als Folge der sogenannten Modellbauaffäre trat sie 2014 als Chefin der Staatskanzlei zurück. Auch sie wird der Steuerhinterziehung beschuldigt. Deshalb droht ihr ein Strafbefehl.

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